Mitarbeiter der Fluglinie Ryanair protestieren am Frankfurter Flughafen
Die Mitarbeiter von Ryanair fordern bessere Arbeitsbedingungen. Bild © picture-alliance/dpa

Auch am Flughafen Frankfurt streiken Mitarbeiter der irischen Billig-Airline Ryanair. 28 von geplanten 44 Flügen fallen am Mittwoch aus. Streikopfer können kostenfrei umbuchen oder den Ticketpreis zurückerhalten.

Am Frankfurter Flughafen wurden für Mittwoch zunächst 28 von geplanten 44 Flügen gestrichen, wie auf der Internetseite des Flughafens am Morgen zu sehen war. Betroffen sind unter anderem Malaga, Lanzarote und Athen am frühen Morgen. Eine Maschine nach Palma de Mallorca sollte wie geplant abheben.

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Das Flugpersonal folgte einem Streik-Aufruf der Gewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und Verdi. Der Ausstand soll bis Donnerstag um 02.59 Uhr dauern.

Der erste gemeinsame Streik von Piloten und Flugbegleitern soll den irischen Billigflieger Ryanair nach dem Willen der Gewerkschaften hart treffen. "Der Streik läuft. Es sind alle zwölf deutschen Basen betroffen, besonders die großen in Frankfurt/Rhein-Main, Hahn und an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld", sagte VC-Vizechef Markus Wahl am Mittwochmorgen. "Da kommt es heute verstärkt zu Ausfällen."

150 Flugverbindungen insgesamt gestrichen

Wegen der Streiks der Besatzungen hatte Ryanair für diesen Mittwoch 150 Flugverbindungen von und nach Deutschland gestrichen. Damit solle der übrige Flugplan von 250 Flügen stabilisiert werden, erklärte Organisationschef Peter Bellew am Dienstag in Frankfurt.

Die betroffenen Passagiere seien am Dienstagnachmittag informiert worden, alle übrigen könnten wie geplant fliegen. Die Streikopfer könnten kostenfrei umbuchen oder den Ticketpreis zurückerhalten. Darüber hinausgehenden Schadenersatz lehnt die Gesellschaft ab und lässt es in dieser Frage auf einen Prozess mit dem Flugrechteportal AirHelp ankommen.

Ryanair droht mit Jobverlusten

Ryanair reagierte auf den im Vorfeld angekündigten Ausstand mit einer Drohung: Sollten die Streiks weiter gehen, könnten von kleineren deutschen Standorten Jobs für Piloten und Flugbegleiter wegfallen, erklärte Marketing-Chef Kenny Jacobs.

"Es ist ein absoluter Skandal, wenn hier Mitarbeiter bedroht werden, die ihren Grundrechten nachgehen", sagte VC-Vize Wahl in Frankfurt. Das zeige erneut, dass Ryanair versuche, die Beschäftigten mit der Angst um den Arbeitsplatz unter Druck zu setzen. Allerdings belege die hohe Streikbeteiligung, dass diese Mittel nicht mehr wirkten.

Streikende tragen Masken

Da es immer noch Befürchtungen über berufliche Nachteile gibt, hatten die Teilnehmer der Aktion am Frankfurter Flughafen Masken mit dem Konterfei von Airline-Chef Michael O'Leary aufgesetzt. Auf Plakaten wurde gefordert "Ryanair stop squeezing out your crew" (Hör auf, deine Besatzung auszupressen). Dazu wurden Zitronen verteilt.

Die Gewerkschaft Verdi kündigte an, weitere Streiks folgen zu lassen, wenn die irische Fluggesellschaft in den Tarifverhandlungen kein Entgegenkommen zeigt: "Das ist ein erster Warnstreik. Wie es weitergeht, hängt vom Verhandlungsverlauf ab", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle.

Ryanair hat an den zwölf Basen in Deutschland - darunter der Frankfurter Flughafen - rund 1.000 Flugbegleiter. Davon seien 700 Leiharbeitnehmer, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Mira Neumaier. Der größte Teil von ihnen sei inzwischen bei Verdi organisiert.

Bis Dezember soll es keine selbstständigen Piloten mehr geben

Die Gewerkschaften gehen unterschiedlich mit den Leiharbeitern in ihren Reihen um. Während Verdi die rund 700 Betroffenen mit zum Streik aufruft, wendet sich VC nur an die bei Ryanair direkt angestellten Piloten. Laut Unternehmen sind das aktuell rund 80 Prozent. Bis Dezember soll es unter den in Deutschland eingesetzten Piloten keine Selbstständigen mehr geben, erklärte Ryanair-Marketing-Chef Jacobs.

Mitarbeiter der Fluglinie Ryanair protestieren am Frankfurter Flughafen
Protestzug von Ryanair-Mitarbeitern im Terminal Bild © picture-alliance/dpa

Nach Angaben von Verdi haben alle Kabinenbeschäftigten irische Arbeitsverträge. Diese sicherten zum Beispiel keine Entgeltfortzahlung bei Krankheit ab und erlaubten eine kurzfristige Versetzung an jeden andern Ryanair-Standort in Europa.

Neumaier nannte das Tarifangebot für die Flugbegleiter nach zwei Verhandlungsrunden völlig unzureichend. Das Basisgehalt solle nach dem Ryanair-Angebot über einen Zeitraum von drei Jahren nur um 41 Euro monatlich angehoben werden. Bei den Piloten konnten sich beide Seiten weder auf ein Schlichtungsverfahren noch auf die Person eines Schlichters einigen.

Es geht um Gehälter und Arbeitsbedingungen

Wie beim ersten Arbeitskampf Mitte August geht es erneut um die Gehälter und Arbeitsbedingungen der bislang ohne Tarifvertrag fliegenden Ryanair-Piloten. Der größte europäische Billigflieger hat an deutschen Flughäfen mehr als 40 Flugzeuge stationiert, rund ein Zehntel seiner Flotte. Fragen und Antworten zu Fluggastrechten finden Sie hier.

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Beim August-Streik fielen 21 Starts aus

Beim Ryanair-Streik vor rund vier Wochen fielen in Frankfurt 21 von 22 geplanten Starts aus. Insgesamt hatte Ryanair 250 Flüge von und nach Deutschland abgesagt. Betroffen waren 55.000 Passagiere. Die Fluggäste konnten kostenfrei umbuchen oder ihr Geld zurückbekommen.

Weitere Informationen

Pilotenstreik bei Ryanair - was kann ich jetzt tun?

  • Wo bekomme ich Informationen? Erster Ansprechpartner ist die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Auch der jeweilige Flughafen bietet auf seiner Internetseite ausführliche Informationen über die aktuellen Abflug- und Ankunftszeiten.
  • Wie finde ich einen Ersatzflug? Die Fluggesellschaften sind verpflichtet, Sie schnellstmöglich über einen Flugausfall zu informieren und einen zumutbaren Ersatzflug zu finden. Oft versuchen die Airlines, Flugausfälle über ihre Tochtergesellschaften abzufangen, indem sie Passagiere auf diese Airlines umbuchen.
  • Gibt es eine Entschädigung bei Streik? Grundsätzlich haben Passagiere bei streikbedingten Flugausfällen keinen Anspruch auf Entschädigung. Bei Flugannullierungen, Überbuchungen oder starken Verspätungen haben Passagiere dagegen laut der europaweit geltenden Fluggastrechte-Verordnung ( EG Nr. 261/2004) einen Anspruch auf Entschädigung von bis zu 600 Euro.
  • Stornieren, Umbuchen, Bahnfahren: Einen streikbedingt gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann. Bei annullierten Inlandsflügen können Flugtickets in eine Bahn-Fahrkarte umgewandelt werden. Das geht kostenfrei am Ticketschalter der Fluggesellschaft oder online über die Airline-Buchungsseite. Wer auf eigene Faust eine Bahnfahrkarte kauft, muss aufpassen: Ist die Bahnfahrt teurer als der ursprünglich geplante Flug, bleibt man möglicherweise auf den Zusatzkosten sitzen.
  • Welche Rechte habe ich bei Verspätungen? Wenn sich der Flug wegen des Streiks verspätet und Sie auf dem Flughafen festsitzen, stehen Ihnen folgende Versorgungsleistungen nach der EU-Richtlinie zu: Bei Flügen bis zu 1.500 Kilometern ab zwei Stunden Wartezeit haben Fluggäste Anspruch auf Betreuungsleistungen - also kostenlose Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1.500 bis 3.500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3.500 Kilometern nach vier Stunden. (Quelle: www.flightright.de)
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