Blick in Amazon-Logistikzentrum in Bad Hersfeld
Das Amazon-Logistikzentrum in Bad Hersfeld ist seit Jahren von Streiks betroffen. Bild © picture-alliance/dpa

Beim Onlinehändler Amazon in Bad Hersfeld wird gerade wieder, na was schon, gestreikt. Seit fünf Jahren geht das so ohne großen Erfolg. Verdi-Vorkämpferin Middeke muss nur ans Minuten-Einkommen von Firmenchef Bezos denken, um trotzdem weiterzumachen.

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Glückwünsche zum fünften Jahrestag nimmt Mechthild Middeke tatsächlich entgegen. "Es ist auf jeden Fall ein Grund zum Gratulieren, dass wir den Arbeitskampf so lange durchgehalten haben", sagte die Verdi-Streikleiterin zu hessenschau.de. Seit April 2013 kämpft die Gewerkschaft am Amazon-Standort in Bad Hersfeld für eine bessere Bezahlung der Beschäftigten.

Auch am Dienstagmorgen versammelten sich wieder rund 500 Mitarbeiter vor dem Werkstor des Online-Versandhändlers. Bis zur Nachtschicht sollte die Arbeit ruhen. Die jahrelang geltende Forderung: Eine Vergütung nach den Tarifverträgen des Einzel- und Versandhandels. Doch der US-Riese sagt beharrlich "No".

Keine Spur von Resignation

Von Resignation kann bei Mechthild Middeke dennoch keine Rede sein. "Wir sind weiter motiviert, solange das von den Beschäftigten gewollt ist", sagte die Gewerkschaftssekretärin. So beiße man zwar beim Kernanliegen eines neuen Tarifvertrags bei Amazon auf Granit. Eingeständnisse wie Weihnachtsgeld oder eine sukzessive Lohnsteigerung habe der Streikmarathon aber mitgebracht.

"Wir entwickeln uns weiter und werden mitgenommen", erklärte Middeke und hofft auf weitere Mitstreiter für ihre "Politik der kleinen Schritte". Von den rund 4.000 Mitarbeitern in Bad Hersfeld beteiligten sich abzüglich der befristet Beschäftigten sowie der durch Urlaub oder Schichtbetrieb wegfallenden Angestellten rund 40 Prozent der Belegschaft an den regelmäßigen Ausständen. Zu wenig, um den Druck auf die Konzernleitung entscheidend zu forcieren, räumt Middeke ein.

Middeke vs. Bezos

"Die Beschäftigten von Amazon haben ihren Firmengründer Jeff Bezos zum derzeit reichsten Menschen der Welt gemacht", erklärte die nimmermüde Streikleiterin am Dienstag: "Doch sie werden immer noch mit weniger abgespeist, als im Einzel- und Versandhandel tarifüblich ist."

Die Rechnung ist einfach. Auf rund 120 Milliarden US-Dollar wird das Vermögen von Amazon-Chefs Bezos aktuell beziffert. 104 Millionen Dollar sollen pro Tag hinzukommen, macht gut 72.000 Dollar (58.000 Euro) die Minute. Zum Vergleich: Etwa 2.040 Euro brutto verdient ein Logistik-Mitarbeiter nach mindestens zweijähriger Beschäftigung derzeit bei Amazon in Bad Hersfeld - pro Monat, versteht sich.

Mit einer Angleichung des Tarifvertrags wären es 150 Euro zusätzlich. Allen 4.000 Beschäftigten die Verdi-Forderungen für ein Jahr zu erfüllen würde Jeff Bezos also knapp anderthalb Stunden kosten. Mechthild Middeke will weiterkämpfen. Zur Not nochmal fünf Jahre.