Supermarktkette Real
Bei der Supermarktkette Real ist ein Ende des Taristreits nicht in Sicht. Bild © picture-alliance/dpa

Nur noch 1.260 statt 1.550 Euro? Beschäftigte in mehreren hessischen Real-Supermärkten haben am Freitag gestreikt. Die Gewerkschaft Verdi wirft dem Mutterkonzern Metro vor, mit der Flucht aus dem Tarif die Armut von Mitarbeitern in Kauf zu nehmen.

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Der Tarifstreit bei der Supermarktkette Real eskaliert: An den deutschlandweiten Streiks am Freitag beteiligten sich in Hessen nach Angaben der Gewerkschaft Verdi Real-Mitarbeiter aus Darmstadt, Dreieich (Offenbach), Eschborn (Main-Taunus), Groß-Gerau, Groß-Zimmern (Darmstadt-Dieburg), Kassel, Wiesbaden-Äppelallee und Wiesbaden-Mainzerstraße.

In Wiesbaden zogen am Vormittag rund 200 Mitarbeiter zu einer Kundgebung auf den Mauritiusplatz. Verdi hatte deutschlandweit 34.000 Beschäftigte bei der Metro-Tochter zu der Aktion aufgerufen.

Trotz der Streiks blieben nach Angaben des Unternehmens alle Real-Märkte wie gewohnt uneingeschränkt geöffnet. Doch konnte es Kunden passieren, dass etwa die Frischetheken geschlossen waren.

Verdi-Sprecher: "Betroffenen droht akut Armut"

Hintergrund ist nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft, dass Real im Frühjahr den Tarifvertrag für den Einzelhandel mit Verdi gekündigt und andere mit der Konkurrenzgewerkschaft DHV abgeschlossen hat. Der Mutterkonzern Metro habe zuvor Real in eine andere Gesellschaft übertragen. Verdi kritisiert dies als "Tarifflucht".

DHV-Tarifverträge würden für die Angestellten bei Neueinstellung im Schnitt zu 23 Prozent weniger Geld und längere Arbeitszeiten führen. Eine Verkäuferin auf einer Teilzeit-Stelle mit 60 Prozent erhalte dann beispielsweise 1.260 Euro brutto im Monat statt wie bisher 1.547 Euro brutto.

"Den betroffenen Beschäftigten droht dadurch nicht bloß ein großer Verlust an Einkommen, sondern akut Armut trotz Arbeit und erst recht im Alter", sagte der Landesfachbereichsleiter Handel, Bernhard Schiederig. "Wir wollen keine Dumpinglöhne, wir kämpfen für Löhne, von denen man leben kann", betonte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Verdi droht mit weiteren Streiks

Mit dem Streik will Verdi Real dazu bringen, wieder den Einzelhandelstarifvertrag von Verdi anzuerkennen. Wenn nötig, würden weitere Streik- und Aktionstage folgen. Derzeit wird vor Gericht darum gestritten, ob die DHV überhaupt als Gewerkschaft gelten kann, die Tarifverträge abschließen darf.

Der Chef des Real-Mutterkonzerns Metro, Olaf Koch, wirft der Gewerkschaft vor, Tarifverhandlungen über eine wettbewerbsfähige Entgeltstruktur bei der angeschlagenen Supermarktkette jahrelang blockiert zu haben. Die bisherigen Tarifverträge hätten Real deutlich höhere Lohnkosten aufgebürdet, als sie viele Wettbewerber zu tragen hätten. Das sei für Real nicht mehr tragbar gewesen.

Das Unternehmen bezahle nun neueingestellte Mitarbeiter marktgerecht, sagte Koch. Bereits vor dem Tarifwechsel eingestellte Mitarbeiter hätten keine Einbußen.