Die Grafik zeigt zwei streitende Figuren auf einer Karte von Nieder-Mörlen. In den Sprechblasen sind ein Bild einer Grünfläche und ein Bild einer Baustelle zu sehen.

Im kleinen Bad Nauheimer Ortsteil Nieder-Mörlen könnte ein neues Baugebiet entstehen. Das ist umstritten: Hat der Erhalt einer Grünfläche Vorrang vor bezahlbarem Wohnraum?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Streit um mögliches Neubaugebiet

Weiter Freifläche oder künftig Neubaugebiet? Der "Friedhofspark" in Nieder-Mörlen
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Der sogenannte "Friedhofspark“ liegt mitten in einem Wohngebiet. Auf der einen Seite ältere Ein- und Zweifamilienhäuser, auf der anderen gibt es bereits ein Neubaugebiet, in das viele Familien gezogen sind. Viele nutzen die kleine umzäunte Grünfläche mit ihren Wiesen, Blühstreifen, Bäumen und Sträuchern zum Entspannen. Mit einem Augenzwinkern spricht man hier von einem Park, denn groß ist das Areal nicht, das bislang für eine mögliche Erweiterung des Friedhofs vorgesehen war.

Die Bürgerinitiative gegen die Bebauung des Gebiets spricht von 1,7 Hektar. "Trotzdem ist die Grünfläche wichtig“, erklärt Anne Schneider. Zum einen fänden sich hier viele Kleintiere, wie Igel, Vögel, aber auch Insekten. Und der kleine Park sei die letzte freie Grünfläche im Ort, wo Anwohner spazieren gehen oder Kinder spielen könnten.

Grünflächen-Erhalt contra bezahlbare Wohnungen

Jetzt haben Stadtpolitiker die Fläche für sich entdeckt. Hier soll ein Baugebiet für "bezahlbare Wohnungen“ entstehen. Bis zu drei Geschosse stellen sich die Politiker vor. Es wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Die kommt zu dem Ergebnis, dass einer Bebauung nichts im Wege steht.

Die Stadt brauche Baugebiete, denn die Nachfrage in Bad Nauheim wachse, erklärt Manfred Jordis, Fraktionsvorsitzender der CDU, die die Studie in Auftrag gegeben hat. "Es gibt sehr viele alteingesessene Familien, die sich die Preise in Bad Nauheim nicht mehr leisten können.“ Da wolle die CDU zusammen mit anderen Parteien gegensteuern. Die Fläche gehöre der Stadt, das habe den Vorteil, dass die Stadt dort Wohnungen selbst bauen und vermarkten könnte.

1.500 Unterschriften gegen Wohnbebauung

Die Bürgerinitiative bezweifelt, dass die geplanten 18 Gebäude im Friedhofspark den Notstand auf den Wohnungsmarkt wirklich lösen könnten. In wenigen Wochen hat sie 1.500 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt, in einem Ort mit rund 5.200 Einwohnern.

Für den Bürgermeister ist das ein klares Votum. Auch er stellt sich gegen die Pläne, den kleinen Park zum Baugebiet zu erklären. Man müsse dem Willen der Bürger vor Ort folgen, sagt er. Auch der Nieder-Mörlener Ortsbeirat hat sich gegen eine Bebauung ausgesprochen.

Stadtverordnete mehrheitlich für Bebauung

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Die Fronten sind verhärtet. Das hat sich in der Stadtverordnetenversammlung gezeigt. Fast eine Stunde lang diskutierten die Parteien, dabei ging es stellenweise auch ruppig zu. Befürworter des Projekts warfen den Gegnern vor, Angst vor sozialer Durchmischung zu haben und Nieder-Mörlen "abschotten" zu wollen. Die Gegenseite verwies darauf, was so ein schnelles Wachstum für das kleine Nieder-Mörlen bedeuten würde - und dass keineswegs kontrollierbar wäre, ob tatsächlich preisgünstige Wohnungen entstehen würden.

Während FDP und freie Wähler die Bebauung ablehnen, sind CDU, SPD und Grüne dafür. Mit 23 zu 20 Stimmen wurde entschieden, den Plan für eine Bebauung weiter voran zu bringen. Obwohl die Stadtverordneten für das Projekt plädieren, ist noch nichts beschlossen. Bislang gibt es keinen Bebauungsplan, und ohne den kann nichts passieren.

Was es allerdings nun gibt ist der klare Auftrag an den Bürgermeister, den Friedhofspark in den Flächennutzungsplan einzubringen und einen Bebauungsplan aufzustellen. Und dann erhalten die Anwohner auch noch die Möglichkeit, ihre Einwände und Vorschläge einzubringen, sagt CDU-Fraktionschef Manfred Jordis. Die Bürgerinitiative will auch künftig dagegen protestieren, dass ihr Friedhofspark Neubauten weichen soll.

Sendung: hr4, 06.11.2019, 15.30 Uhr