Fußgänger und Radfahrer auf dem für den Autoverkehr gesperrten Mainkai in Frankfurt

Ab September dürfen Autos wieder über eine zentrale Uferstraße in Frankfurt fahren. Ist das Experiment der Sperrung gescheitert? Die Römer-Koalition wird sich darüber nicht einig.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Symbolische Besetzung des Mainkais durch Fußgänger

Gesperrter Mainkai in Frankfurt
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Das Straßenstück ist nur knapp einen Kilometer lang, doch es sorgt für viel Streit: der Mainkai in Frankfurt, der vor einem Jahr testweise für den Autoverkehr gesperrt wurde. Der Versuch endet mit dem 31. August, obwohl zahlreiche Initiativen sich für eine Verlängerung einsetzen. Seit Ende Juli 2019 ist die Strecke am innenstadtnahen Mainufer Flaneuren und Radfahrern vorbehalten.

Der Versuch endet auch ohne rechtes Ergebnis. Zwar will die SPD, die mit Klaus Oesterling den Verkehrsdezernenten stellt, die Sperrung verlängern, um valide Zahlen für die begleitende Verkehrszählung zu erhalten. Wegen der Corona-Krise und des stark zurückgegangenen Stadtverkehrs im Frühjahr gelten die vorliegenden Daten als nicht aussagekräftig, etwa was das Ausweichen der Autos auf andere Straßen angeht.

Antrag auf Verlängerung versäumt

Doch beantragt hat die SPD eine Verlängerung beim Verkehrsministerium nicht. Dabei hätte die Pandemie als Ausnahmesituation dies hinreichend begründet, sagte ein Ministeriumssprecher. Wegen des seit Beginn der Sperrung darüber herrschenden Streits innerhalb der Römer-Koalition versäumte Oesterling den fristgerechten Antrag auf Verlängerung.

Weiterhin ist man sich in der Stadtregierung aus CDU, SPD und Grünen nicht einig über ein gemeinsames Vorgehen am Mainkai. Grundsätzlich spricht sich die SPD für eine autofreie Innenstadt aus.

Die CDU ist strikt gegen eine weitere Sperrung. Ihr Verkehrsexperte Martin Daum sagt, seine Partei sei für eine autoarme, aber nicht autofreie Innenstadt. Die Stadt könne am Mainkai mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer schaffen und dennoch weiterhin Autos erlauben.

Verkehr verlagerte sich nach Sachsenhausen

Daum betont, seit der Sperrung am nördlichen Mainufer habe sich viel Verkehr nach Sachsenhausen verlagert. Eine Bürgerinitiative in dem Stadtteil südlich des Mains sieht das ebenso und kämpft seit Sommer 2019 für das Ende des Verkehrsversuchs. Der Mainkai ist eine wichtige Ost-West-Verbindung in der Frankfurter Innenstadt. Rund 20.000 Autofahrer nutzten sie vor der Sperrung täglich.

"Jahrhunderchance für mehr Lebensqualität"

Vereine und Initiativen für einen umwelt- und klimafreundlichen Verkehr hoffen dennoch auf eine andere Lösung als die Wiederöffnung der Straße. Vergangenes Wochenende besetzten sie den Mainkai symbolisch. Einer aus der SPD heraus gestarteten Online-Petition schlossen sich mehr als 10.000 Unterzeichner an. Die Petition für eine dauerhafte Sperrung spricht von einer "Jahrhundertchance für mehr Lebensqualität am Mainufer".

"Es geht nicht nur ums Mainufer, sondern um ein nachhaltiges Gesamtkonzept der Stadt, das bisher fehlt", sagt der Sprecher der Initiative "Mainkai für alle", Andreas Bürger. SPD und Grüne, die sich für eine Verlängerung der Sperrung ausgesprochen hätten, müssten entsprechend abstimmen - notfalls gegen ihren Koalitionspartner CDU.

Sendung: hr-iNFO, 17.08.2020, 6 Uhr