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Simulation des geplanten Bahnsteigs in Melsungen-Schwarzenberg: Mit 38 Zentimetern Höhe würde er zur Regiotram passen Bild © NDR, picture-alliance/dpa

Ein Melsunger Ortsteil soll eine Regiotram-Station bekommen. Doch ein Streit um die Bahnsteighöhe verzögert den Bau. Am Ende könnte die Barrierefreiheit auf der Strecke bleiben.

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76 Zentimeter, 55 Zentimeter, 38 Zentimeter – dem Ortsvorsteher des Melsunger Stadtteils Schwarzenberg (Schwalm-Eder) klingen die Ohren und es fehlt ihm an Verständnis. "Eigentlich dürfte es doch nicht so schwer sein, einen weiteren Haltepunkt für die Regiotram zu bauen", sagt Timo Riedemann.

Bahn und Bahnsteig auf einer Höhe

Tatsächlich verzögert sich der Bau an der Regiotram-Strecke von Kassel nach Melsungen nun bis mindestens 2020. Dabei gibt es längst eine Planung, die allerdings eingestellt wurde. Grund dafür ist, dass die Bahn ein "Bahnsteighöhenkonzept" vorgelegt hat, das für ganz Deutschland gilt und im Allgemeinen eine Bahnsteighöhe von 76 Zentimetern vorsieht. Das passt für die Hochgeschwindigkeitszüge.

Doch wie auch am Haltepunkt in Melsungen-Bartenwetzerbrücke müsste die Höhe des neuen Bahnsteiges in Schwarzenberg nur 38 Zentimeter betragen. Das wäre auf die Regionaltram-Züge abgestimmt, die als einzige die Strecke befahren. Dann könnten alle Fahrgäste, auch die mit einem Rollstuhl, barrierefrei ein- und aussteigen.

Die Ausnahme bringt noch keine Barrierefreiheit

Ausnahmen vom neuen Bahnsteighöhenkonzept sind möglich, für Schwarzenberg ist nun laut einem Brief der DB Netz AG, in dem die besonderen Anforderungen einer Regiotram-Strecke betont werden, eine solche Ausnahme geplant: Statt 76 Zentimeter soll der Bahnsteig 55 Zentimeter hoch gebaut werden.

Das sind zwar immerhin gut 20 Zentimeter weniger, aber damit schrammt die geplante Station immer noch um 17 Zentimeter an einer echten Barrierefreiheit vorbei. "Die Bahn will also einen neuen Bahnhof an einer Regiotram-Strecke bauen, der mit Ansage nicht barrierefrei ist", wundert sich der Ortsvorsteher.

Gespräche zum Thema laufen in Berlin

Das Hessische Verkehrsministerium betont auf Anfrage von hessenschau.de, sich in diesem und vergleichbaren Fällen in Hessen bereits an die Bahn und das Bundesverkehrsministerium gewandt und ein "Migrationskonzept" gefordert zu haben. "Barrierefreiheit muss möglich sein", so ein Sprecher, "zur Not mit Ausnahmegenehmigungen".

Auch der nordhessische Verkehrsverbund NVV hofft nach Angaben seiner Sprecherin auf Ausnahmegenehmigungen. Gespräche zu diesem Thema liefen derzeit in Berlin. Die Bahn betont, dass "weitreichende Barrierefreiheit das gemeinsame Ziel" sei und es weitere Gespräche zwischen DB und den Bundesländern geben werde. Ende derzeit offen.

"Es macht einfach keinen Sinn."

Bliebe es in Schwarzenberg bei der Vorgabe von 55 Zentimetern Bahnsteighöhe würde das bedeuten, dass die ursprüngliche Planung verworfen werden müsste, die Melsungen nach Angaben des Ortsvorstehers bereits rund 100.000 Euro gekostet hat. Und es würde bedeuten, dass ein barrierefreier Bahnsteig nicht möglich wäre.

"Wenn nun, aus was für Gründen auch immer, hier nur ein Bahnsteig mit 55 Zentimetern Höhe gebaut werden dürfte, dann werden wir uns in Schwarzenberg natürlich auch über den Haltepunkt mit 55 Zentimetern freuen. Aber es macht eben einfach keinen Sinn." Wann also Schwarzenberg seinen Haltepunkt bekommt und ob er dann alle Fahrgäste glücklich machen wird, bleibt vorerst offen.