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Audioseite Pläne für Günthersburghöfe vorgestellt

Simulation von Häusern im geplanten Neubaugebiet Günthersburghöfe

Stadtnahes Wohnen im Grünen sollen die Günthersburghöfe in Frankfurt ermöglichen. Planungsdezernent Josef will dort Bauen und Klimaschutz zusammen bringen. Doch Kritik kommt inzwischen auch vom Koalitionspartner.

Bis zu 1.500 Wohnungen sollen in den kommenden Jahren im Frankfurter Nordend zwischen Günthersburgpark, Friedberger Landstraße und Hauptfriedhof entstehen: die Günthersburghöfe. Sie sollen Wohnen im Grünen erlauben, und das mitten in der Stadt. Doch es ist ein seit Jahren umstrittenes Projekt, weil dafür nicht nur Gebrauchtwagenhändler Platz machen müssten, sondern auch Kleingärten. Es geht im Kern um die Frage: Wie und wo kann in Zeiten des Klimawandels noch gebaut werden?

Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) betonte am Montag bei der Vorstellung der aktualisierten Pläne mehrfach, dass rund 500 geförderte Wohnungen und knapp 250 Wohnungen für genossenschaftliche und gemeinschaftliche Baugruppen vorgesehen seien. Bezahlbarer Wohnraum, den Frankfurt drigend braucht, wie Josef sagte: "Ich will eine soziale Durchmischung. Bildung und sozialer Aufstieg hängen daran. Ich kämpfe dafür, dass Menschen irgendwann den Sprung von der Sozialwohnung in die Eigentumswohnung schaffen."

Grüne inzwischen gegen Günthersburghöfe

Die Frankfurter Grünen, die mit CDU und SPD eine Koalition im Römer bilden, sprachen sich vor wenigen Wochen auf einer Kreisversammlung gegen die Günthersburghöfe aus. Obwohl das Projekt im Koalitionsvertrag steht. Obwohl die ursprünglichen Pläne auf den ehemaligen Planungsdezernenten Olaf Cunitz von den Grünen zurückgehen.

Damals hieß das Projekt noch Innovationsquartier. Das Innovative daran sollte sein, dass Menschen dort stadtnah und ohne viel Verkehr im Grünen wohnen. Doch von Anfang an gab es Widerstand. Die Anwohner hatten Sorge, dass die hohen Gebäude wichtige Frischluftschneisen ins Nordend und in die Innenstadt kappen und die Frankfurter Sommer noch heißer werden.

Karte mit skizzenhaftem Neubaugebiet an der Friedberger Landstraße

2016 übernahm Mike Josef das Planungsdezernant und schnürte die Pläne auf. Er ließ Klimagutachten erstellen, Auswirkungen auf die Artenvielfalt untersuchen und die Bürger an den Planungen beteiligen.

SPD-Dezernent ärgert sich über Kollegen

Kurz vor den Kommunalwahlen im März 2021 stellen die Grünen die Günthersburghöfe doch wieder infrage. Sie begründen es mit der zunehmend spürbaren Erderwärmung. Für die Wohnhäuser sollen wilde Gärten weichen und Bäume gefällt werden.

Planungsdezernent Josef ärgert sich über seine grünen Kollegen Rosemarie Heilig (Umwelt) und Stefan Majer (Gesundheit), die jetzt gegen die Pläne sind: "Mancher Dezernent von den Grünen hat für dieses Quartier in den vergangenen fünf, sechs Jahren öfter den Finger gehoben als ich."

"Bauen und Klima in Einklang bringen"

Heilig habe ein neues Klimagutachten gefordert, doch das habe er doch geliefert, sagte Josef am Montag. Die Pläne für die Günthersburghöfe seien durch die zahlreichen Gutachten massiv beeinflusst worden, negative Auswirkungen auf die Frischluftzufuhr würden vermieden. "Bauen und Klima, das müssen wir in Einklang bringen. Doch nur ich beantworte, wie das funktionieren soll", schimpfte der SPD-Politiker.

Dann zählte Josef die Vorzüge des Bauprojekts aus seiner Sicht auf:

  • Der überwiegende Teil der Wohnungen entstehe auf bereits versiegelten Flächen.
  • Im Quartier soll es durchgängig Dach- und Fassadenbegrünungen geben, dazu öffentliche Grünflächen, Gärten und eine Regenwasserbewirtschaftung.
  • Vorgesehen seien nur wenige Tiefgaragen, dafür aber autofreie Straßen.

"Wir müssen solche Projekte irgendwann mal zu Ende bringen", findet Josef. Im Januar soll der Bebauungsplan offengelegt werden. Dann könnten alle ihre Vorstellungen zu den Günthersburghöfen einbringen. "Das bedeutet aber nicht, dass jeder 100 Prozent davon erfüllt bekommt", sagte Josef. Die Begründung für den Bebauungsplan sei 142 Seiten lang. Die Präsentation vom Montag ist auf der Homepage des Planungsamts einzusehen.

"Alte Bäume für Luxuswohnungen platt machen"

Vor dem Planungsdezernat hingen Aktivisten Transparente auf. "Versiegeln war gestern - grüne Lunge ist heute" steht darauf. Peter Beckmann von der Bürgerinitiative "Erhalt der Grünen Lunge am Günthersburgpark" kämpft für die rund 300 wilden Gärten im Areal. "Wir sind sehr traurig, dass die Stadt weiterhin einen alten, innenstadtnahen Baumbestand platt machen will, um dort teure Luxuswohnungen zu bauen", sagte er. Hecken und Rasenflächen zwischen den Häusern böten nicht so vielen Arten Platz wie die wilde Gartensiedlung.

Martin Hunscher, der Leiter des Stadtplanungsamts, sagte: "51 prägende Bäume werden für die Günthersburghöfe gefällt, 115 neue im Quartier gepflanzt." Wie viele nicht-prägende Bäume fallen werden, sagte er nicht. Dazu gebe es keine Zahlen.

Mehrheitsbeschluss der Stadtverordneten

Dezernent Josef verwies schließlich darauf, dass die Stadtverordnetenversammlung dem Planungsamt den Auftrag zur Planung der Günthersburghöfe gegeben habe. Man habe "alles getan für eine sozial-ökologische Stadtentwicklung". Der SPD-Politiker macht sich aber keine Illusionen: "Wir werden die, die grundsätzlich gegen die Günthersburghöfe sind, nicht überzeugen."

Sendung: hr-iNFO, 30.11.2020, 15 Uhr