Lokführer bei der Arbeit
Lokführer Eugen Ketz - er hat seine Ausbildung 2014 abgeschlossen. Bild © Juli Rutsch

In Hessen gibt es zu wenige Lokführer. Allein der Hessischen Landesbahn fehlen insgesamt 30, obwohl die Ausbildungskurse voll sind. Aber knapp ein Drittel fällt durch die Abschlussprüfung.

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Lokführer im Führerstand mit Technik und Handbuch

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Lokführer-Ausbildung gibt es nicht im "Vorbeigehen"

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Im Schulungszentrum der Hessischen Landesbahn in Gießen steht ein Fahrsimulator. Hier lernen angehende Lokführer, wie sie später Züge steuern. An der Wand hängt ein Großbildschirm, auf dem ein Film abläuft. Der führt auf Gleisen durch eine Landschaft aus Bäumen und Bahnsteigen. Vor dem Bildschirm steht ein großes Pult, davor ein Stuhl.

Dort sitzt Alexander Kuhn und steuert den imaginären Zug. Der 28-Jährige war vorher Berufskraftfahrer und lässt sich zum Lokführer ausbilden. "Man muss viel lernen. Es wird einiges von einem verlangt." Obwohl das Fahren schon immer zu seinem Geschäft gehörte, muss er sich hinter die Ausbildung klemmen.

Prüfung nicht "im Vorbeigehen" zu schaffen

In einem Nebenraum sitzt Ausbilder Ernst Harapatt und bestimmt am Computer, welche Herausforderungen die Schüler meistern müssen. Das können zum Beispiel Störungen auf der Strecke sein. Harapatt weiß, wie hoch die Anforderungen sind. 30 Prozent der Auszubildenden beherrschen die Aufgaben am Ende nicht und fallen durch die Prüfung. "Wenn ich mich nicht neun Monate lang vollkommen auf die Ausbildung konzentriere, dann klappt das nicht." Im "Vorbeigehen" sei das nicht zu schaffen, berichtet der 38-Jährige.

Wie anspruchsvoll die Anforderungen sein können, weiß Luisa Leidebrandt. Sie steckt ebenfalls mitten in der Ausbildung. Früher hat die 25-Jährige als Zahnarzthelferin gearbeitet. Die Theorie fällt ihr nicht schwer, doch die Praxis bereitet ihr noch Sorge. Das Fahren des Zuges lässt ihre Nervosität steigen, denn "man hat natürlich einen Haufen Verantwortung, gerade wenn man später dann auch Fahrgäste dabei hat."

Viele Quereinsteiger landen bei der Bahn

Wer Lokführer werden möchte, muss eine abgeschlossene Berufsausbildung haben, gut deutsch sprechen und gesundheitlich fit sein. Die Hessische Landesbahn hat vier Ausbildungskurse pro Jahr - derzeit sind das 88 Auszubildende. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen, weil die Ausbildung erst mit 20 Jahren gestartet werden darf. Viele haben sich da schon in anderen Berufen ausprobiert.

So haben Bewerber vorher als Metzger oder Bäcker gearbeitet, einige sind Studenten, andere Rechtsanwälte. Auch wenn die Prüfungen für knapp ein Drittel der Kursteilnehmer zu schwer sind, dürften die Anforderungen nicht heruntergeschraubt werden, betont Benjamin Steiger, Leiter der Aus- und Fortbildung.

"Einen Zug zu steuern, ist nicht so einfach wie Autofahren." Der Triebfahrzeugführer müsse in Sekundenschnelle auf Ereignisse reagieren können, wie auf Störungen im Bahnbetrieb. "Der muss sein gesamtes Wissen im Hinterkopf haben, damit er richtig reagieren und die Fahrgäste sicher von A nach B fahren kann."

Schichtbetrieb lässt einige wieder aussteigen

Die Hessische Landesbahn kämpfe damit, dass viele Bewerber nicht ausreichend qualifiziert seien. "Aber dieses Defizit lässt sich nicht ausgleichen," so Pressesprecherin Sabrina Walter. Die Durchfallquote sei relativ konstant. "Wir rechnen schon mit dieser Quote und versuchen, dass einfach mehr Personen die Ausbildungslehrgänge beginnen."

Besonders bitter ist es für die Hessische Landesbahn, dass von denen, die die Anforderungen erfüllen und die Prüfung am Ende bestehen, noch einmal zehn Prozent wegfallen. Sie kehren in ihren alten Beruf zurück. Der Hauptgrund: Viele kommen mit dem Schichtbetrieb nicht zurecht.

Sendung: hr4, 15.07.2019, 10:45 Uhr