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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mieterstrom auf Wohnblock-Dächern

Mieterstrom-Projekt auf den Dächern der Ebert-Siedlung im Frankfurter Gallusviertel

Mieter finanzieren über den Strompreis die Energiewende mit, profitieren aber kaum von Förderprojekten. Mit dem Umstieg auf Mieterstrom lässt sich Geld sparen - doch in Hessen wird das Potential bislang kaum genutzt.

Ein sonniger Tag im Frankfurter Gallus: Die Photovoltaik-Anlage auf den Dächern der Friedrich-Ebert-Siedlung läuft auf Hochtouren. Mehr als 900 Wohnungen gibt es hier - damit ist die Anlage laut Betreiber Mainova das zweitgrößte sogenannte Mieterstromprojekt in Deutschland. Das Frankfurter Energieunternehmen hat die Anlage finanziert und gebaut, Anfang 2019 ging sie in Betrieb.

Die Wohnblocks gehören der städtischen Gesellschaft ABG. Im Keller eines der Häuser ist ein leichtes Surren zu hören. Bodo Becker von Mainova beschreibt dort, welche Technik neben den Solarpanelen für die Photovoltaik-Anlage nötig ist: "Ganz unspektakulär: Hier hängen zwei Wechselrichter an der Wand. Die sind nur so groß wie zwei, drei Schuhkartons. Die wandeln den Gleichstrom vom Dach in Wechselstrom fürs Stromnetz um."

Dreiköpfige Familie kann 100 Euro sparen

Scheint die Sonne, kommt der Strom für die Fernseher, Computer und Waschmaschinen der Mieter vom Dach. Wenn wenige Bewohner zu Hause sind und die Anlage zuviel Strom produziert, wird die überschüssige Menge ins Netz eingespeist. Unter anderem damit verdient Betreiber Mainova an der Anlage und kann so die Investitionskosten wieder reinholen. Zudem muss für den Strom, der vor Ort verbraucht wird, kein Netzentgelt bezahlt werden.

So kann Versorger Mainova seinen Kunden nach eigenen Angaben einen günstigeren Tarif anbieten. "Eine dreiköpfige Familie zum Beispiel spart damit 100 Euro im Jahr", sagt Becker. Die Mieter schließen bei Interesse den Vertrag direkt mit Mainova ab, sind dazu aber nicht verpflichtet.

Potential wird kaum genutzt

So günstig wie manche Lieferverträge, die über Vergleichsportale angeboten werden, ist der Mieterstrom allerdings nicht. Und so nutzt auch nur gut die Hälfte der Mieter in der Frankfurter Friedrich-Ebert-Siedlung bislang dieses Angebot.

Die Bundesnetzagentur hat bislang 434 Mieterstromprojekte registriert, davon 54 in Hessen. Nur ein Bruchteil dessen, was realisiert werden könnte, sagt Jens Deutschendorf, grüner Staatssekretär im Wiesbadener Wirtschaftsministerium: "Bisher ist es leider so, dass die Rahmenbedinungen die Umsetzung erschweren. Es ist teilweise sehr kompliziert in steuerlichen Fragen. Manchmal wirkt das möglicherweise abschreckend.“

Pachteinnahmen für Hausbesitzer

Nach einer Studie der Bundesregierung könnten 3,8 Millionen Mietwohnungen mit Mieterstrom versorgt werden. Neben Photovoltaik lassen sich dafür auch Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen im Keller zur Energieerzeugung nutzen. Profitieren können auch die Hausbesitzer: Sie erhalten eine Pacht für Flächen, auf denen die Anlagen stehen.