Joghurtgläser mit Kartoffel-Illustration

Zur Förderung von Existenzgründungen veranstaltet die Hochschule Fulda alljährlich einen Ideenwettbewerb. Die aktuelle Siegerin will mit einem neuartigen Joghurt ins Kühlregal der Supermärkte.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Studenten und Produkt-Ideen bei Wettbewerb der Hochschule Fulda prämiert

Online-Preisverleihung beim Ideenwettbewerb der Hochschule Fulda
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Khurt groß herausbringen - dieses Ziel verfolgt Erfinderin Sofia Kraas Koermandy. Die 22-Jährige studiert an der Hochschule Fulda Lebensmitteltechnologie. Dort gewann sie am Mittwoch einen Ideenwettbewerb und strich die Siegprämie von 1.000 Euro ein.

Die Bachelor-Studentin überzeugte die Jury mit einer Produkt-Innovation, mit der sie die Kühlregale in Supermärkten anvisiert: "Es wäre mein Traum, wenn ein großer Nahrungsmittelhersteller wie etwa Danone, Nestlé oder eine andere Firma, meine Idee fördert und umsetzt."

Kartoffel + Joghurt = Khurt

Der Name Khurt ist eine Wortschöpfung und setzt sich aus einer Begriffskombination zusammen: Kartoffel und Joghurt ergibt Khurt. Dahinter verbirgt sich ein veganer und allergenfreier Joghurt, der aus Kartoffelprotein hergestellt wird. Auf Milch wird dabei verzichtet.

Das Kartoffelprotein ist ein Nebenprodukt bei der Herstellung von Kartoffelstärke. Üblich wird Kartoffelprotein lediglich für Futtermittel in der Landwirtschaft verwertet. Denn davon ist reichlich vorhanden. 46.000 Tonnen entstanden davon im Jahr 2019 bei der Produktion von Kartoffelstärke in Deutschland.

Doch Studentin Sofia sah mehr Potenzial und forschte im Rahmen ihres Studiums. Denn Joghurt aus Soja, Hafermilch, Cashew oder Lupinen gibt es schon. Aber Kartoffeln?

Tipps aus der Literatur

Die Idee entwickelte sie im Anschluss an eine Projektarbeit. Dabei untersuchte sie mit Kommilitoninnen Maisprotein als Fleischersatz. In der Literatur fand sie den Hinweis, dass Kartoffelprotein als guter Ersatz für das Milchprotein Casein funktioniert, das hauptsächlich für die Textur von Joghurt verantwortlich ist.

Für die Herstellung von Khurt wird eine Mischung aus Wasser, Zucker, Kartoffelprotein und pflanzlichem Fett fermentiert. "Das Kartoffelprotein ist geschmacklich und farblich neutral. Dadurch sind viele verschiedene Geschmacksrichtungen möglich", erklärt Studentin Sofia.

Nach der Konzeption des Produkts will sie als nächstes die Entwicklung vorantreiben. Denn bisher existiert Khurt nur in der Theorie. Die Jury fand die Idee dennoch so überzeugend, dass sie Sofia den Hauptpreis stiftete, wie die Hochschule mitteilte.

Portrait von Sofia Kraas Koermandy. Sie hält die Urkunde für den ersten Preis in ihren Händen.

Neun Konzepte im Finale

Die Jury beeindruckte aber noch andere Ideen des Wettbewerbs, in dem neun Konzepte in der Endauswahl vorgestellt wurden. Den zweiten Preis (750 Euro) bekam die MySkillsetBox. Studierende aus dem Fachbereich Angewandte Informatik und Wirtschaft haben Anregungen für sinnstiftende Hobbys entwickelt. Ob Kunst, Handwerk oder Sport - viele Anwendungsbereiche sind denkbar.

Die Idee entstand während der Corona-Pandemie. Seitdem sind viele Freizeitbeschäftigungen nicht mehr möglich. Abonnenten bekommen von den Entwicklern Überraschungsboxen zugesandt und werden ermuntert, neue Fähigkeiten zu erlernen und sich darüber in einer Community auszutauschen.

Den dritten Preis (500 Euro) bekam eine junge Forscherin für ihr Verfahren zur Anreicherung von Bio-Lebensmitteln mit Vitamin B12. Ein weiterer Preis ging an das Team Fair Food. Es präsentierte die Vision von Fastfood aus fair hergestellten Zutaten.

Aber auch andere Produkte, die nicht ausgezeichnet wurden, klingen interessant. So entwickelten Studierende die Idee koffeinhaltiger Honigbonbons mit Kolanuss. Damit soll die Müdigkeit, das kleine Tief nach dem Mittagessen, einfach weggelutscht werden.

Andere Entwickler warteten mit einer App auf, die komplizierte Texte in leichte Sprache übersetzen und somit Barrieren abbauen soll. Sie ist etwa gedacht, um schwer verständliche Schreiben von Ämtern oder Behörden zu übersetzen, zum Beispiel für Menschen, die der deutschen Sprache nicht so mächtig sind.

Hochschule fördert Existenzgründungen

Die Hochschule Fulda ist begeistert vom Einfallsreichtum und der Innovationsfreude ihrer Studierenden. Ziel des Wettbewerbs ist, dass Studierende Start-Ups gründen und ihre Ideen in die Tat umsetzen, wie Hochschul-Sprecherin Antje Mohr sagte.

Claudia Steinhauer unterstützt Studierende an der Hochschule, wenn es um Existenzgründungen geht. Sie hat den Ideenwettbewerb mit initiiert und verfolgt den Werdegang der Erfinder. Stolz ist sie, dass daraus auch schon Produkte entstanden sind, die gefördert wurden.

Ein Bundesministerium unterstützte die Sieger des Wettbewerbs von 2018 mit Fördergeld in Höhe von 135.000 Euro. Sie entwickelten kühlende Ohrringe als funktionelle Schmuckstücke, mit denen am Ohrläppchen Frische-Kicks gegeben werden - etwa nach dem Sport, im Hochsommer oder für Frauen mit Hitzewallungen in den Wechseljahren. Mit der Idee waren sie auch Halbfinalisten 2020 beim Hessischen Gründerpreis.