Flughafen Kassel in Calden

Seit Jahren kämpft der Flughafen in Calden mit Millionendefiziten und zu wenig Passagieren. Umweltschützer zeigen dem regionalen Airport jetzt die "Rote Karte" und empfehlen die Schließung. Auch Frankfurt-Hahn schneidet schlecht ab.

Im Jahr seines 50-jährigen Bestehens reißen die schlechten Nachrichten für den Kassel Airport nicht ab: Millionendefizite und sinkende Passagierzahlen rufen immer wieder Kritiker auf den Plan. Jetzt haben Umweltschützer dem Regionalflughafen in Calden (Kassel) die "Rote Karte" gezeigt: Einer Studie zufolge ist er überflüssig und müsste umgehend geschlossen werden. Zu diesem Ergebnis kamen der BUND und das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS).

Die Studie kritisiert die Unterstützung kleiner Flughäfen mit Steuermitteln als klimaschädliche Geldverschwendung. Die Regionalflughäfen zeigten "die ganze Absurdität des Fliegens" auf, sagte der Chef der Umwelt-Organisation BUND, Olaf Bandt, am Mittwoch.

Untersucht wurden Wirtschaftlichkeit, Bedeutung für die Verkehrsanbindung und Entwicklung der Passagierzahlen von insgesamt 14 regionalen Airports. Nur drei der untersuchten Flughäfen hätten überhaupt einen verkehrspolitischen Nutzen durch die Anbindung ihrer Region an den internationalen Flugverkehr. Beim Rest handele es sich fast ausnahmslos um Urlaubsflüge.

"Rote Karte" für sieben Flughäfen

Sieben Flughäfen bekamen in allen Bereichen negative Bewertungen und damit eine "Rote Karte": Erfurt-Weimar, Hahn, Kassel-Calden, Niederrhein-Weeze, Paderborn/Lippstadt, Rostock-Laage und Saarbrücken. Diese Airports sollten aus Sicht der Umweltschützer sofort geschlossen werden.

In Kassel-Calden sei "ein Beitrag zur Konnektivität nicht erkennbar", heißt es in der Studie. Der Frankfurter Flughafen sei mit dem Zug in nicht einmal 90 Minuten erreichbar. Zudem kritisierten die Verfasser der Studie die niedrigen Passagierzahlen. Die hätten 2019 mit 123.000 weit unter der Grenze von 200.000 für Regionalflughäfen gelegen.

Bremen und Memmingen schnitten mit einer "Gelben Karte" und je zwei Positiv-Bewertungen am besten ab. Je eine positive Bewertung ging an Dresden, Dortmund, Friedrichshafen, Karlsruhe/Baden-Baden und Münster/Osnabrück.

Kassel-Calden seit Jahren in der Kritik

Seit Jahren fährt der Kassel Airport Millionenverluste ein, die Passagierzahlen blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Corona verschärfte die Situation in Calden noch: Im Jahr 2020 rechnet der Flughafen nach Angaben des Finanzministeriums mit nur rund 50.000 Passagieren.

Die Corona-Zeit findet in der Studie allerdings keine Berücksichtigung, die Grundlage waren den Angaben zufolge die Geschäftsberichte 2014 bis 2018.

Die Linke-Fraktion im Landtag erklärte angesichts der neuen Studie, sie teile die Einschätzung des BUND. Torsten Felstehausen, umweltpolitischer Sprecher der Linken, fragte am Mittwoch: "Wie lange noch will die Landesregierung Steuergelder für das Nonsens-Projekt verbraten?"

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 19.08.2020, 19.30 Uhr