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Audioseite Geplanter Ausbau von A5 und A67 regt Umweltschützer auf

Autos auf der Autobahn A67

Die A67 zwischen Mönchhof-Dreieck und Lorsch soll durchgängig sechsspurig werden, ebenso die A5 südlich von Darmstadt. Dafür müssten viele Bäume fallen. Für Umweltschützer sind die Ausbaupläne unvereinbar mit den Klimaschutzzielen.

Noch besteht die Strecke zwischen Darmstadt und Gernsheim (Groß-Gerau) entlang der A67 hauptsächlich aus Wald. Hier gehen Leute spazieren, genießen die frische Luft und das Grün der Bäume. Das könnte sich aber ändern, denn die bundeseigene Autobahn GmbH plant im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums den durchgängig sechsspurigen Ausbau der Autobahn zwischen dem Mönchshofdreieck bei Raunheim (Groß-Gerau) und Lorsch (Bergstraße). Auf diesen 50 Kilometern sind 34 bislang zweispurig.

Auch der zehn Kilometer lange Abschnitt der A5 zwischen Seeheim-Jugenheim und Darmstadt soll in jeder Fahrtrichtung um jeweils eine Spur erweitert werden, dazu ist auch der Ausbau des Autobahnkreuzes Darmstadt beabsichtigt. In Darmstadt und Südhessen kommt nun Gegenwind gegen die Pläne auf. Naturschützer fordern, die Planung zu stoppen.

BUND: Pläne überholt und unzeitgemäß

Eine von ihnen ist Brigitte Martin vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): "Das ist ein unnötiges Verfahren. Wir wollen alle die Verkehrswende. Das heißt, wir wollen Klimaschutz, um die Klimakrise zu überwinden, und da zählt jeder Schritt." Nach Ansicht Martins ziehen neue Straßen nur weiteren Pkw-Verkehr an, "keiner steigt dann in den Zug, keiner verzichtet aufs Auto, und schon ist der CO2-Ausstoß wieder ins Unermessliche gestiegen".

Karte von der Region in Südhessen zwischen Lorsch und Frankfurt. Eingezeichnet sind die Autobahnen 67 und 5 und der Bereich, der auf sechs Spuren ausgebaut werden soll.

Ähnlich wie für den Ausbau der A49 zwischen Kassel und Gießen, für die im vorigen Winter 27 Hektar im Dannenröder Forst im Vogelsbergkreis gerodet wurden, seien auch die Pläne für den Ausbau von A5 und A67 uralt, überholt und passten nicht mehr in die Zeit, kritisiert Umweltschützerin Birgitte Martin.

Autobahn GmbH: Vier Spuren reichen bald nicht mehr

Die zuständige Autobahn GmbH hält trotz solcher Einwände an dem Projekt fest. Unklar ist, ob die sich abzeichnende Ampelkoalition im Bund, die sich selbst als "Zukunftskoalition" definieren möchte, an den teils jahrzehntealten Planungen festhalten wird. Nördlich von Frankfurt soll die A5 sogar auf zehn Spuren wachsen. Das Bundesverkehrsministerium will - Stand jetzt - fast alle Autobahnen im Rhein-Main-Gebiet in den kommenden Jahren um jeweils zwei Spuren erweitern.

Auf hr-Anfrage teilte die Autobahn GmbH schriftlich mit: "Gegenwärtig wird auf Basis der Bevölkerungsprognosen für das Jahr 2035 davon ausgegangen, dass der Verkehr von 90.000 Autos innerhalb von 24 Stunden auf der A5 und A67 auf rund 97.000 Autos pro Tag ansteigen wird. Diese Verkehrsmengen lassen sich mit einem vierstreifigen Querschnitt nicht abwickeln. Zur Stauvermeidung und verkehrssicheren Abwicklung der Verkehrsmengen ist ein Ausbau an dieser Stelle vorgesehen."

Kurz: Die momentan je zwei Fahrspuren sowohl nach Süden als auch nach Norden reichen nach Dafürhalten der bundeseigenen Autobahn GmbH nicht für die voraussichtlich zunehmende Menge an Autos aus.

BUND: Autobahnausbau torpediert Bahnausbau

Für den Ausbau von A5 und A67 müssten nach Einschätzung von Brigitte Martin rund 300 Hektar Wald zerstört werden. Das wäre ein Vielfaches dessen, was in Mittel- und Osthessen zuletzt für den umstrittenen A49-Ausbau gerodet wurde. Bäume für Autobahnen zu fällen, sei jedoch nicht mehr zeitgemäß, sagt BUND-Aktivistin Martin mit Blick auf die erst beim UN-Klimagipfel in Glasgow wieder verkündeten Klimaschutzziele.

Die Darmstädter Umweltschützerin gibt auch zu bedenken, dass in den kommenden Jahren auch die ICE-Strecke zwischen Mannheim und Frankfurt ausgebaut werden soll: "Ein paralleler Ausbau der Autobahn zu den Schienen, das geht gar nicht. Wir wollen die Leute in den Zug bekommen und die Güter von der Straße weg und auch auf die Schiene bekommen."

Planfeststellungsverfahren soll 2023 beginnen

Deutschland könne es sich nicht leisten, jahrzehntealte Autobahnausbaupläne ungeachtet der eigenen CO2-Einsparziele durchzudrücken - auch wegen der Vorbildfunktion in aller Welt, findet Martin: "Wir können nicht von Entwicklungsländern oder anderen Ländern verlangen, dass sie ihren Wald schonen, wenn wir das gleiche nicht tun."

Die Autobahn GmbH will Anfang 2023 das Planfeststellungsverfahren für den sechsspurigen Ausbau der A5 südlich von Darmstadt einleiten. Die Planung für eine breitere A67 läuft schon länger.

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