Die Bildkombination zeigt ein Foto von Erdkabeln und eine Karte mit dem möglichen Trassenverlauf
So soll die Suedlink-Trasse durch Hessen verlaufen. Bild © picture-alliance/dpa, hessenschau.de

Verläuft die Suedlink-Stromautobahn durch Hessen? Ja, wenn es nach dem Trassenbauer Tennet geht. Der präferiert eine Strecke durch den Werra-Meißner-Kreis. Inakzeptabel, finden viele dortige Politiker.

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Mit Spannung blickten zahlreiche Kommunen am Donnerstag nach Berlin, wo die Trassenbauer Tennet und TransnetBW erklären wollten, welche Strecke sie für die Suedlink-Stromautobahn präferieren. Eigentlich sollten zunächst die Politiker in Berlin auf den neusten Stand gebracht werden - und erst am Abend die Öffentlichkeit. Doch dann ging alles viel schneller: Der osthessische Bundestagsabgeordnete Michael Brand (CDU) informierte das Nachrichtenprotal Osthessen-News über die Tennet-Pläne: "Die Suedlink-Trasse durch Osthessen ist vom Tisch", zitierte das Portal den CDU-Politiker.

Michael Brand
Michael Brand (CDU) Bild © michael-brand.de

Gegen Mittag bestätigte Tennet die Meldung: Die Trasse, die der Netzbetreiber in den kommenden Wochen bei der Bundesnetzagentur zur Entscheidung einreichen will, führt 59 Kilometer durch Hessen - und zwar durch den Werra-Meißner-Kreis. Während die Landkreise Hersfeld-Rotenburg, Fulda und Main-Kinzig aufatmen konnten, machte sich dort Enttäuschung breit. Betroffen sind demnach vor allem Witzenhausen, Wehretal und Bad Sooden-Allendorf.

Via Suedlink soll maßgeblich über Erdkabel Strom von Norden nach Süden transportiert werden. Das Projekt ist umstritten. Viele Bürger, Lokalpolitiker und Naturschützer sorgen sich um die lokale Wirtschaft und die Landschaft.

Landrat: "Völlig inakzeptabel und nicht nachvollziehbar"

"Diese Entscheidung der Tennet ist allein schon aus naturschutzfachlicher Sicht völlig inakzeptabel und nicht nachvollziehbar", kritisierten Werra-Meißner-Landrat Stefan Reuß (SPD) und der Erste Kreisbeigeordnete Rainer Wallmann prompt. Sie betonten, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. "Die Entscheidung durch die Bundesnetzagentur fällt erst am Ende des nun folgenden umfangreichen Beteiligungsverfahrens, voraussichtlich Anfang 2020."

Die Grafik zeigt eine Karte, auf welcher ein möglicher Trassenverkauf in Nordhessen eingezeichnet ist.
Bild © hessenschau.de

Von der Landesregierung erhoffen sich die Kreispolitiker Unterstützung dafür, dass die Trasse am Ende doch nicht durch den Werra-Meißner-Kreis verläuft. Außerdem riefen sie die betroffenen Kommunen und Bürger auf, sich gegen den Trassenverlauf zu engagieren.

Hessisches Wirtschaftsministerium überrascht

Das hessische Wirtschaftsministerium erklärte, man wolle den vorgeschlagenen Trassenverlauf kritisch prüfen. "Der Verlauf neuer Stromleitungen muss nach fachlichen Kriterien festgelegt werden", betonte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Nur dann werde eine Stromtrasse Akzeptanz finden und auch rechtlich Bestand haben. Al-Wazir gab zu, dass ihn der Vorschlag von Tennet überrascht habe. Bislang habe der Netzbetreiber schließlich betont, dass die Verlegung eines Erdkabels durch Hessen wegen der zahlreichen Landschaftsschutzgebiete kaum zu realisieren sei.

"Alle rechtlichen Schritte ausschöpfen"

Enttäuscht reagierte der Bürgermeister von Bad Sooden-Allendorf, Frank Hix (CDU), auf die Tennet-Entscheidung. Die bevorzugte Trasse würde dort an einem Wohngebiet vorbei, durch ein Waldstück und Ackerland führen. "Als Bürgermeister werde ich mich dafür stark machen, dass die Trasse nicht durch unser Stadtgebiet führt", kündigte Hix an. "Da werden wir mobilisieren und auch alle rechtlichen Schritte ausschöpfen." Die Stadt lebe schließlich vom naturnahen Tourismus, betonte Hix.

Weitere Informationen

Suedlink-Stromtrasse

Suedlink ist eine Stromleitung, über die Windstrom von der Nordseeküste bis Baden-Württemberg fließen soll. Der Vorschlag von Netzbetreiber Tennet sieht vor, dass sie von Witzenhausen durch das Werratal an Eschwege vorbei verläuft. Von dort geht die Trasse weiter über Ringgau nach Thüringen. Beim Bau von Suedlink soll eine bis zu 50 Meter breite Schneise entstehen, in der dann die Stromkabel unterirdisch verlegt werden. Die Trasse muss noch von der Bundesnetzagentur genehmigt werden. Baubeginn soll 2021 sein.

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Daniel Herz (parteilos), Bürgermeister von Witzenhausen, gab sich dagegen auf Nachfrage etwas zurückhaltender. "Alle wollen Ökostrom, aber niemand will ihn vor seiner Haustür", gab er zu. Die Entscheidung sei "nicht schön" für seine Kommune, aber jetzt komme es vor allem auf die Details an. "Es darf jetzt nicht nach dem Motto 'schnell und günstig' gehen", forderte Herz. Es dürfe möglichst keine oberirdischen Leitungen, sondern Erdkabel geben. "Dabei muss Rücksicht auf Menschen, Tiere und Natur genommen werden."

Finanzielle Gewinnbeteiligung gefordert

"Strom kann man eben nicht per Amazon verschicken", sagte Wehretals Bürgermeister Jochen Kistner (SPD) zu der Meldung über die bevorzugte Suedlink-Trasse. Auch durch seine Kommune würde die Strecke führen. Kistner setzt auf Erdkabel. Und er hat noch eine Idee: "Warum werden die betroffenen Kommunen nicht finanziell an dem Gewinn beteiligt?" Während im Norden Geld mit dem Strom verdient werde und der Süden vom zugelieferten Strom profitiere, sei man in der Mitte Deutschlands "ein reiner Durchleiter". Eine finanzielle Beteiligung wäre da fair, findet Kistner. "Dafür werde ich kämpfen."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 21.2.2019, 19.30 Uhr