Das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim.
Das Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim. Bild © picture-alliance/dpa

Am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim gibt es einen neuen Haustarifvertrag. Davon profitieren Ingenieure und Facharbeiter des Entwicklungszentrums, die von Opel zum französischen Dienstleister Segula wechseln.

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Am Opel-Stammsitz Rüsselsheim hat der französische Ingenieursdienstleister Segula erstmals mit der IG Metall einen Haus-Tarifvertrag abgeschlossen, wie beide Seiten am Montag in Frankfurt mitteilten. Die Bedingungen des Vertrages bildeten das Niveau der Flächentarifverträge in der Metall- und Elektroindustrie ab.

Der Vertrag ist wichtig, um möglichst viele Ingenieure und Facharbeiter aus den Opel-Reihen zu einem Übertritt zu Segula zu bewegen. Im März hatten sich Opel und der Betriebsrat nach monatelangen Verhandlungen darauf geeinigt, dass überzählige Mitarbeiter des Entwicklungszentrums zu Segula wechseln können.

Arbeitsbedingungen bleiben gleich

Im Vergleich zur Tätigkeit bei Opel blieben die Bedingungen gleich, betonten beide Seiten. Opel will nach der Übernahme durch den französischen PSA-Konzern 2.000 der zuletzt noch 6.400 Stellen in seinem Rüsselsheimer Entwicklungszentrum abbauen. Dazu hat man mit den Arbeitnehmern ein dreistufiges Verfahren vereinbart.

In einem ersten Abschnitt hatten nach Informationen der IG Metall rund 1.000 Beschäftigte das erneut aufgelegte Abfindungsprogramm aus Vorruhestand, Altersteilzeit und Abfindungen wahrgenommen. In der Belegschaft war das Geschäftsmodell der Franzosen stark angezweifelt worden, die als Dienstleister für Opel und andere Kunden Auftragsarbeiten erledigen wollen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Haustarifvertrag für Opelaner, die zu Segula wechseln

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In einer zweiten Runde, die am Dienstag endet, waren Arbeitnehmer aufgefordert worden, zu Segula zu wechseln oder mit Abfindung zu gehen. Im dritten Abschnitt sollen dann Arbeitnehmer bestimmt werden, die in einem Betriebsübergang ohne Abfindungsmöglichkeit zu Segula wechseln. Bereits im vergangenen Jahr hatte Opel in seinen deutschen Werken 3.700 Mitarbeiter mit Geld zum Gehen bewegen können.

Verhandlungspartner zufrieden

Das Verhandlungsergebnis biete den Mitarbeitern "Sicherheit in Form von guten und stabilen Arbeitsbedingungen", erklärte Segula-Personalchef Udo Bekker. "Zudem gibt uns der ausgehandelte Tarifvertrag die Flexibilität auf eine wechselnde Auftragslage reagieren zu können, was für uns als Entwicklungsdienstleister sehr wichtig ist."

Der Leiter des IG-Metall-Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger, sagte, man wolle, dass gute Arbeit auch gut bezahlt werde, dass verlässliche Arbeitszeiten geregelt würden und dass mit den Entgelten der hochqualifizierten Beschäftigten kein Dumpingwettbewerb stattfinde. "All das ist uns nach mehreren intensiven Verhandlungen gelungen."

Rüsselsheim als Kern des Entwicklungsnetzwerks

Rüsselsheim soll ein Kern des Entwicklungsnetzwerks des PSA-Konzerns bleiben. Das Entwicklungszentrum soll unter anderem Design und Entwicklung aller zukünftigen Opel/Vauxhall-Modelle übernehmen. Zusätzlich soll es verantwortlich sein für weltweite Aufgaben innerhalb des PSA-Konzerns, etwa bei der Entwicklung von leichten Nutzfahrzeugen und einer neuen Motorenfamilie.

Opel hatte sich im November mit dem französischen Ingenieursdienstleister Segula auf den Verkauf von Teilen seines Entwicklungszentrums geeinigt. Hintergrund sind fehlende Entwicklungsaufträge des früheren Opel-Mutterkonzerns General Motors nach der Übernahme durch die PSA-Gruppe. Einst haben die Aufträge aus Detroit die Hälfte des Arbeitsvolumens der Rüsselsheimer ausgemacht. Sie laufen früheren Angaben zufolge spätestens im Jahr 2020 aus.

Auch Kündigungsschutz übernommen

Wenn der Verkauf von Teilen des Opel-Entwicklungszentrums mitsamt Gebäuden und Maschinen an Segula abgeschlossen ist, tritt der Tarifvertrag in Kraft. Dann gelten nach Angaben der Gewerkschaft und des französischen Konzerns die gleichen Bedingungen für die wechselnden Beschäftigten wie bei Opel. Das gelte auch für den Kündigungsschutz bis Mitte 2023.

Sendung: hessenschau, 21.05.2019, 19.30 Uhr