Mini-Märkte von tegut

Die Fuldaer Supermarkt-Kette tegut eröffnet weitere Mini-Shops in Hessen. Das Unternehmen verspricht sich viel von dem Konzept. Ein Handelsexperte hält es dagegen für "Klecker-Kram".

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Handelskette will mehr Mini-Supermärkte in Hessen etablieren

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Die Handelskette Tegut will in Hessen und darüber hinaus weitere digitale Mini-Märkte errichten. In diesem Jahr sollen 15 bis 20 zusätzliche Lebensmittelläden namens "tegut teo" folgen, wie das in Fulda ansässige Unternehmen mitteilte.

Der nächste Mini-Markt wird am 13. Januar in Bad Hersfeld eröffnet - es ist der 27. seiner Art. Weitere sind im Rhein-Main-Gebiet und in Baden-Württemberg geplant.

Testphase mit positivem Fazit beendet

Tegut zieht ein positives Zwischenfazit und hat nach einer Testphase vor rund einem Jahr damit begonnen, das Konzept größer auszurollen. Im vergangenen Jahr kamen bereits 16 "teos" hinzu. Mit den 16 Shops blieb Tegut aber unter dem eigenen Ziel, im Jahr 2022 20 neue Läden zu eröffnen.

Im vergangenen Jahr wurden vier Läden in Bayern, zwei in Baden-Württemberg und zehn in Hessen eröffnet. Die neuen Läden in Hessen befinden sich in Hasselroth, Freigericht, Schöneck, Gelnhausen (alle Main-Kinzig), Heusenstamm, Mühlheim am Main (beide Offenbach), Sulzbach (Main-Taunus), Hanau und an zwei Standorten in Darmstadt.

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Tegut

Die Supermarktkette feierte im Vorjahr ihr 75-jähriges Bestehen, gehört mittlerweile zur Schweizer Migros-Genossenschaft und betreibt mit ihren insgesamt 7.600 Beschäftigten über 300 Märkte in Hessen und darüber hinaus. Während der Gesamtnettoumsatz mit 1,25 Milliarden Euro in etwa auf Vorjahresniveau blieb, verringerte sich der Bio-Anteil an den Erlösen auf 28,4 Prozent, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Im Vorjahr hatte tegut mit 30,5 Prozent den bisher höchsten Bio-Anteil in der Firmengeschichte.

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950 Artikel auf 50 Quadratmetern

"tegut teo" ist ein Kleinflächen-Konzept: Auf rund 50 Quadratmetern werden 950 Artikel angeboten. Zum Vergleich: Ein gewöhnlicher Supermarkt führt mehr als 20.000 Artikel. Dennoch erhebt die Handelskette den Anspruch, in den Mini-Märkten eine Vollversorgung zu bieten und den täglichen Bedarf bedienen zu können.

Für die Kundschaft sollen die Mini-Märkte eine "ideale Anlaufstelle für Ergänzungskäufe" sein, wie es Tegut bezeichnet. Der Kunde könne dort zum Beispiel mitnehmen, was auf die Schnelle besorgt werden muss, bei einem anderen Einkauf vergessen wurde oder womöglich woanders nicht zu bekommen war. Die Erfahrung zeigt laut Tegut, dass der größte Teil der Kundschaft nur für wenige Euro einkaufe.

Konzept spart Personalkosten

Die Mini-Märkte haben für die Kundschaft den Vorteil, dass sie rund um die Uhr geöffnet sind. Einkaufen ist auch dann möglich, wenn normale Läden geschlossen haben - etwa spätabends und sonntags.

Der Vorteil für Tegut: Es fallen keine Personalkosten an, weil die videoüberwachten Läden ohne permanent anwesende Mitarbeitende auskommen. Durch ihre Waggon-Form und Holzverkleidung ragen die für ihr Design ausgezeichneten Einkaufsläden optisch heraus. Wie der Einkauf ohne Kassenpersonal in solch einem autonomen Mini-Store funktioniert, wird hier erklärt:

Neue Läden auf dem Land und in Städten

Tegut will neue Mini-Märkte sowohl im ländlichen Raum als auch in Städten eröffnen. Ein Tegut-Sprecher sagt: "Grundsätzlich sind beide Ansätze rentabel. Da wir auf dem Land häufig der einzige Anbieter einer Nahversorgung sind, rechnet sich so ein Standort ebenso, wie in stark frequentierten Lagen, zum Beispiel in Bahnhofsnähe."

In Zukunft erwäge Tegut auch auf Firmengeländen großer Unternehmen präsent zu sein. Namen und Standorte wurden noch nicht genannt.    

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Handelsketten erproben neue Konzepte

An neuen stationären Klein-Konzepten versuchen sich auch andere Handelsketten: Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, hat Entwicklungsprojekte zu Mini-Shops begonnen ("Shop Box" und "Collect Box"). Edeka hat sich schon an automatisierten Tiny-Stores probiert. In Köln testet Rewe den "europaweit ersten autonom fahrenden Kiosk" auf einem Gewerbe-Campus und hat auch "Pick+Go"-Märkte mit bis zu 1.500 Artikeln.

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Handelsexperte: Konzept ist "Klecker-Kram"

Zweifel an Teguts Mini-Supermärkten äußerte Handelsexperte Gerrit Heinemann. Der Wirtschaftswissenschaftler und Professor für BWL, Management und Handel an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach bezeichnete das Konzept "betriebswirtschaftlich gesehen wohl eher als Klecker-Kram, weil damit nicht die nötigen Umsätze erzielt werden können".

Tegut dagegen versicherte, dass sich das Konzept rechne: "Je mehr Standorte wir haben, desto besser können wir den Markt durchdringen und den teo dann rentabel betreiben." Der Konzern sieht in den Mini-Märkten großes Potenzial. Nach Angaben eines Sprechers erreichten das Unternehmen im Vorjahr mehr als 400 Anfragen, es möge einen Mini-Markt an einem bestimmten Ort errichten.

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