Teilchenbeschleuniger Fair

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Teilchenbeschleuniger wird mindestens 850 Millionen Euro teurer

Der Teilchenbeschleuniger in Darmstadt - eine der weltweit größten Anlagen physikalischer Grundlagenforschung - wird deutlich teurer als geplant. Experten gehen von zusätzlichen 850 Millionen Euro aus, befürchten aber wohl noch weitere Kostensteigerungen.

Ein internationales Expertengremium bestätigte eine neuere Kostenschätzung des Fair-Managements, wonach der im Bau befindliche Teilchenbeschleuniger um 850 Millionen Euro teurer werde als vom alten Management ursprünglich geschätzt, hieß es aus dem Bundesforschungsministerium am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Es sei zudem zu empfehlen, einen Risikozuschlag von zehn Prozent mit in die Planungen aufzunehmen. Grund für die höheren Kosten sind den Experten zufolge gestiegene Brand- und Strahlenschutzauflagen.

Unrealistische alte Schätzung

Bislang habe es nur eine grobe und rückblickend wenig realistische Schätzung der Kosten gegeben, urteilten die Experten. Früheren Angaben zufolge war zunächst von rund 1,4 Milliarden Euro gesprochen worden.

Zusatzkosten von 330 Millionen Euro waren dem Bundestag bereits berichtet worden. Die Kosten werden zu 70 Prozent von Deutschland und zu 30 Prozent von internationalen Partnern übernommen.

Baustelle des Fair-Teilchenbeschleunigers
Baustelle des Fair-Teilchenbeschleunigers Bild © picture-alliance/dpa

Erforschung des Urknalls

Mit der Teilchenbeschleunigeranlage soll die Entstehung des Universums erforscht werden - in einem unvorstellbar kleinen Maßstab. Das geplante Projekt Fair zählt zu den größten Forschungsvorhaben weltweit.

Mit der Anlage auf rund 150.000 Quadratmetern und insgesamt 20 Bauwerken kann nach Angaben des Ministeriums Materie im Labor erzeugt und erforscht werden, wie sie nur im entfernten Universum vorkommt. Darüber hinaus könnten auch neuartige Anwendungen in Medizin und Technik entwickelt werden.

"Einmalige wissenschaftliche Bedeutung"

Herzstück soll ein 1,1 Kilometer langer Kreisbeschleuniger sein. Er wird an den bestehenden Beschleuniger des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung angedockt. Ein ähnliches Projekt ist das Europäische Kernforschungszentrum Cern bei Genf.

"Das internationale Expertengremium bescheinigt dem Fair-Projekt auf Jahrzehnte eine weltweit einmalige wissenschaftliche Bedeutung", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Forschungsministerium, Michael Meister. Die Experten würden die Möglichkeit sehen, dass vor Ende des Jahres 2025 erste und weltweit führende Experimente starten könnten.

Der Bund werde nun in Abstimmung mit dem Land Hessen und den internationalen Partnern die Sicherstellung der Finanzierung beraten. Als ausländische Partner sind auch Finnland, Frankreich, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, Slowenien und Indien Gesellschafter von Fair.