Das erste Erdöl aus der Test-Bohrung in Riedstadt.
Es fließt: das erste Erdöl aus der Test-Bohrung in Riedstadt im Jahr 2016. Bild © Anikke Fischer

In Riedstadt wird nach mehr als 20 Jahren wieder dauerhaft Öl gefördert. Einen Geldsegen bringt das aber wohl nicht: "Riedstadt wird dadurch nicht zu Dallas", sagt ein Stadtsprecher.

Die Förderung von Öl im hessischen Ried war in den 1990er Jahren eigentlich zu Ende. Doch Anfang des Jahres erhielt das Bohrfeld „Schwarzbach I" in Riedstadt (Groß-Gerau) nach erfolgreicher Testphase eine Fördergenehmigung für die nächsten 27 Jahre, wie jetzt bekannt wurde.

Etwa 66.000 Liter Reinöl transportiert das Heidelberger Unternehmen Rhein Petroleum derzeit aus Südhessen ab. "Das ist erst der Anfang", sagt Geschäftsführer Carsten Reinhold. 2019 könnte eine zweite Bohrstelle folgen.

Vergleichbar mit dem wertvollen Nordsee-Öl

"Es ist sehr, sehr gutes Öl, vergleichbar mit dem wertvollsten, dem Brent-Öl aus der Nordsee", sagt Reinhold. Daher sei es in der Kosmetik- und Arzneimittelindustrie oder für die Möbelherstellung gefragt.

Auf dieser kleinen Anlage bei Riedstadt-Goddelau wird das Öl zutage gefördert.
Auf dieser kleinen Anlage bei Riedstadt-Goddelau wird das Öl zutage gefördert. Bild © Anikke Fischer

Zwei Tanklastwagen fahren durchschnittlich pro Woche auf der kleinen Förderanlage vor und transportieren jeweils rund 33 Kubikmeter Reinöl zur Weiterverarbeitung in die Raffinerie MIRO in Karlsruhe. Von dort gelangt das Öl unter anderem an den Chemiekonzern BASF.

"Riedstadt wird nicht zu Dallas"

Die meisten Riedstädter sehen die Ölproduktion auf dem Ackerland gelassen. Die Erdölförderung im Ried habe eine lange Geschichte, berichtet Stadtsprecher Rainer Fröhlich. Er könne sich noch gut an sogenannte Pferdekopfbohrer erinnern, die ausgesehen hätten wie in Texas. "Riedstadt wird dadurch aber nicht zu Dallas", sagte Fröhlich. Die Gewerbesteuereinnahmen seien minimal.

Dass die Ölförderung in der Region wieder belebt wurde, sei neuer Technik zu verdanken, sagt Rhein-Petroleum-Geschäftsführer Reinhold. Lange sei es nicht möglich gewesen, das Öl zu finden.

Ölförderung im Ried hat Tradition

Familie im Winter vor der Ölförderpumpe in Stockstadt - Bild aus den 60er Jahren
Dieses Foto aus den sechziger Jahren zeigt eine Ölpumpe in der Nähe von Stockstadt. Bild © Archiv Jörg Hartung

Das erste Öl aus dem Ried sei 1952 mit Tankwagen über die Eisenbahn transportiert worden. Bis in die 1960er Jahre habe es vier Erdölfelder und vier kleinere Gasfelder im Ried gegeben, berichtet Reinhold. 1994 war dann vorerst Schluss.

Naturschützer haben keine Bedenken

Naturschützer haben keine Einwände gegen die erneuten Öl-Bohrungen. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) lobt sogar die transparente Öffentlichkeitsarbeit von Rhein Petroleum.

Bundesweit spielt das hessische Öl jedoch eine kleine Rolle. Fast 90 Prozent des in Deutschland geförderten Öls stammen aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen, wie aus dem Jahresbericht des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie Niedersachsen hervor geht. Rheinland-Pfalz macht danach rund acht Prozent aus. 50 Ölfelder waren 2016 in Deutschland in Produktion, so viele wie im Jahr zuvor.