Auf einer Teststrecke in Offenbach wird ein Asphalt erprobt, der helfen könnte, die Folgen des Klimawandels zu mildern. Entwickelt hat ihn ein ortsansässiger Unternehmer. Der Straßenbelag speichert viel Wasser und könnte bei Hitze kühlend wirken.

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Ein Baggerfahrer bringt sein Gefährt in Position. Dann kippt die Schaufel nach unten. Wasser ergießt sich auf die helle Fahrbahn – und ist sofort wieder verschwunden. Denn der Belag, der an einem 25 Meter langen Abschnitt der Oberen Grenzstraße in Offenbach erprobt wird, ist etwas Besonderes. Er nimmt nicht nur schnell Wasser auf, er speichert auch viel davon.

"Bei einer geschlossenen Fläche verdunsten maximal zehn Prozent des Regenwassers. Hier reden wir von 50 Prozent", sagt Lutz Weiler. Der Inhaber einer Offenbacher Straßenbaufirma hat den speziellen Asphalt entwickelt. Der soll dank der Verdunstung in der unmittelbaren Umgebung wie eine Kühlung funktionieren.

Straßenbelag enthält Vulkangestein

Weiler ist Architekt und Diplom-Ingenieur. Den Klimawandel und seine Folgen begreift er als Herausforderung, auf die auch der Straßenbau Antworten finden müsse: "Wir brauchen Radwege, wie brauchen Straßen, wir brauchen Plätze. Und da dürfen wir den natürlichen Kreislauf nicht so sehr stören." Mit herkömmlichem Asphalt wird Regenwasser von der Straße fast komplett in die Kanalisation gespült – was bei Starkregen im Sommer schnell zum Problem werden kann; und Starkregen gibt es immer häufiger. Auch das führen Meteorologen auf den Klimawandel zurück.

Weilers Straßenbelag soll die Hälfte des Regenwassers speichern und einen Großteil der anderen Hälfte ans Grundwasser abgeben. Die Besonderheit des Belags: Er enthält Vulkangestein. Weil das porös ist, kann Wasser schnell eindringen und gut gespeichert werden. Auf der kurzen Teststrecke am Offenbacher Buchhügel wird nun erprobt, ob der Straßenbelag auch alltagstauglich ist.

150 Quadratmeter Versuchsfläche

Ein Ingenieurbüro begleitet den Langzeitversuch. Die Offenbacher Stadtwerke sind auch beteiligt. Man werde genau hinschauen, was sich auf der 150 Quadratmeter großen Versuchsfläche tue, sagt Thomas Möller, Leiter der Abteilung Straßenunterhaltung: "Wie verhält sie sich? Wie entwickelt sich die Oberfläche strukturmäßig und farblich, wie das Wasseraufnahmevermögen? Wie verhält sich die Fläche in Bezug auf Frost?" In drei bis fünf Jahren soll dann klar sein, ob der Belag eingesetzt werden kann, der teurer wäre als herkömmlicher Asphalt.

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Lutz Weiler zeigt den Straßenbelag auf der Offenbacher Teststrecke.
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Der Standort Obere Grenzstraße wurde mit Bedacht gewählt. Weil dort neben Pkw auch Busse fahren, aber kaum schwere Lastwagen. Schwerlastverkehr könne das Ergebnis verfälschen, sagt Möller. "Weil die Beanspruchung so hoch wäre, dass der Asphalt frühzeitig versagen könnte, während er an anderer Stelle, zum Beispiel in einem Wohngebiet, einer Anliegerstraße oder im innerstädtischen Bereich, vielleicht die Anforderung erfüllt."

Wenn Töchter einen guten Einfluss haben

Es gibt viele Einsatzmöglichkeiten für den Asphalt von Lutz Weiler. Dass er sich dem Thema Klimawandel zugewandt hat, verdankt der Unternehmer übrigens seinen Töchtern: "Ich habe mit ihnen über Fridays for Future diskutiert. Meine ältere Tochter hat einen Abschluss in Erneuerbare Energien. Die hat natürlich am Anfang ein viel größeres Wissensfeld gehabt als ich. Das mag man als Vater nicht unbedingt auf sich sitzen lassen." Also hat Weiler alles verschlungen, was es zum Thema zu lesen gibt – jeden Tag, fast zwei Jahre lang. Und er hat sich überlegt, was er konkret tun könne.

Heraus kam der Straßenbelag, den er als Patent schützen lassen will: "Eine Patentierung bedeutet ja im Grunde genommen, dass man die Kontrolle darüber behalten möchte. Aber generell soll das natürlich der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden, um hier in Sachen Klimawandel was unternehmen zu können."

In einer Fahrtrichtung der Oberen Grenzstraße in Offenbach ist der kurze Abschnitt mit dem hellen Belag schon fertig. In der Gegenrichtung können die Offenbacher dann ab Ende dieser Woche drüberfahren.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 30.06.2020, 19.30 Uhr