Tierschutz-Aktivisten haben sich auf einer Zufahrt zu Plukon mit Eimern voll Gips fixiert.

Aktivisten haben alle Zufahrten zum Geflügelschlachthof des Plukon-Konzerns in Gudensberg blockiert. Sie fordern die Schließung des Betriebs - aus Gründen des Tierschutzes, aber auch, um die Beschäftigten vor Corona-Infektionen zu schützen.

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Beim Plukon-Konzern in Gudensberg (Schwalm-Eder) stand die Produktion am Donnerstagmorgen für mehrere Stunden still. Tierschützerinnen und Tierschützer blockierten von 3 Uhr an alle Zufahrtwege zu dem Geflügelschlachtbetrieb. Zwei Aktivisten kletterten auf ein Dach und brachten dort ein Banner mit der Aufschrift "Shut down Tierindustrie" an.

Die Polizei sprach von 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die Organisatoren von "Gemeinsam gegen die Tierindustrie" betonten, dass die Aktion unter strenger Einhaltung des Infektionsschutzes abgelaufen sei.

Sitzblockaden auf allen Zufahrten

Einige Protestierende hatten sich auf einer Zufahrt mit Eimern voll Gips fixiert, eine Person saß in einem von den Aktivistinnen und Aktivisten errichteten Tripod, also einer dreibeinigen Konstruktion. Etwa 20 Menschen versperrten mit Sitzblockaden zeitweise alle drei Zufahrten.

Lastwagen stauen sich auf den Zufahrtswegen zu Plukon in Gudensberg (Schwalm-Eder).

Mehrere mit tausenden Hühnern beladene Lastwagen konnten dadurch zunächst nicht auf das Betriebsgelände fahren und stauten sich auf den Zufahrtswegen. Die Tiere sollten am Morgen geschlachtet werden. Gegen 10 Uhr räumte die Polizei die Zufahrt wieder frei. Dabei blieb alles laut Polizei friedlich. Am Mittag waren auch die anderen Blockaden beendet worden.

Hessens größter Geflügelschlachthof töte an einem normalen Tag über 130.000 Hühner, prangerte das Bündnis an. Es brauche einen "Ausstieg aus der Tierindustrie". Zudem kritisierten die Aktivistinnen und Aktivisten mangelnden Infektionsschutz für die Beschäftigten.

"Wer am Schlachthof arbeitet, kann sich praktisch nicht davor schützen, sich mit dem Coronavirus zu infizieren", hieß es. Aktuell gebe es in Gudensberg einen "Corona-Hotspot, der in direktem Zusammenhang mit dem Schlachthof" stehe.

Beschäftigte nicht für Quarantäne freigestellt?

Beschäftigte sollen den Aktivisten berichtet haben, dass sie vom Betrieb nicht für Quarantäne freigestellt worden seien, obwohl sie Kontakte zu anderen Infizierten angegeben hätten. Die Produktion müsse sofort beendet werden, forderte ein Sprecher von "Gemeinsam gegen die Tierindustrie". Nach Angaben eines Sprechers von Plukon sind etwa 450 Menschen am Standort Gudensberg beschäftigt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Aktivisten-Blockade gegen Geflügelschachthof Plukon

Protestaktion gegen Plukon in Gudensberg (Kassel)
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Geschäftsführer Frank Grundl wies die Vorwürfe entschieden zurück. Aktuell gebe es unter den Beschäftigten 22 positiv Getestete, 89 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien vorsorglich in Quarantäne, sagte Grundl dem hr. Bei 450 Beschäftigten insgesamt und 22 positiven Fällen könne man nicht von einem Corona-Hotspot sprechen. Man mache viel für das Personal, zudem stehe das Tierwohl bei Plukon an erster Stelle.

Der niederländische Konzern Plukon betreibt 27 Niederlassungen in sechs Ländern und beschäftigt insgesamt 6.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Rund neun Millionen Hühner werden wöchentlich geschlachtet und verarbeitet. In Deutschland betreibt die Firma Geflügelschlachthöfe auch in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Niedersachsen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 27.05.2021, 19.30 Uhr