Kahle Bäume im Wald

Der Waldbesitzerverband fordert von der Landesregierung Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro in die gefährdeten Baumbestände zwischen Keller- und Odenwald. Die Trockenheit gefährde nicht nur die Existenz der Forstwirtschaft, sondern aller Bürger.

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Der dramatische Zustand auch der hessischen Wälder hat in den vergangenen Wochen die Schlagzeilen mitbestimmt. Nun schlagen auch die kommunalen und privaten Waldbesitzer in Hessen Alarm und machen auf ihre Situation aufmerksam: Sie sind für Pflege und nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder verantwortlich, können dies nach eigenen Angaben aber finanziell kaum noch leisten.

Hohe Kosten, niedriger Holzpreis = hohe Verluste

Die notwendige Ernte der vom Borkenkäfer befallenen Bäume verursache hohe Kosten, erläuterte der Präsident des hessischen Waldbesitzerverbandes, Michael Freiherr von der Tann, am Freitag. Das Schadholz zu schlagen und aus dem Wald zu bringen, koste derzeit mehr, als es einbringe. Die Preise für Nadelholz seien seit 2017 um zwei Drittel eingebrochen. Das bedeute unterm Strich: hohe Verluste und kein Geld für die notwendige Aufforstung.

Viele private Forstbetriebe seien mittlerweile zahlungsunfähig, berichtete von der Tann. Um weiter gegen die Borkenkäferkatastrophe kämpfen zu können, fordert der Waldbesitzerverband von der Landesregierung eine Soforthilfe von rund 30 Millionen Euro.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Waldbesitzer schlagen Alarm: "Stehen mit dem Rücken zur Wand"

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Doch auch kommunale Waldbesitzer rechnen mit hohen Verlusten. So kalkuliert etwa Uwe Steuber, Bürgermeister von Lichtenfels (Waldeck-Frankenberg), mit einem Minus von rund 200.000 Euro für dieses Forstjahr. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand", sagte Steuber am Freitag: "Wir müssen den Wald in die nächste Generation bringen, aber dazu sind wir aus eigenen Mitteln nicht mehr in der Lage."

Geld für Aufforstung und Forschung

Um den Wald für die Zukunft nachhaltig und klimastabil aufzuforsten, fordern die Waldbesitzer von Land und Bund ein mehrjähriges Aufforstungsprogramm mit einem finanziellen Umfang von rund 80 Millionen Euro. Zudem müsse man die Forschung nach geeigneten, dürrebeständigeren Baumarten unterstützen. "Und vor allem brauchen wir eine moralische Unterstützung in der Bevölkerung, denn was jetzt mit dem Wald passiert, geht uns alle an", betonte der Geschäftsführer des Waldbesitzerverbandes, Christian Raupach.

Prognosen zufolge dürften im Kommunal- und Privatwald in Hessen als Folge der Trockenheit etwa 9.000 Hektar Kahlflächen entstehen - das entspricht etwa der Fläche von 13.000 Fußballfeldern. Die Waldfläche in Hessen beträgt nach Zahlen des Umweltministeriums etwa 894.000 Hektar. Davon sind rund 60 Prozent in kommunaler oder privater Hand.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 16.08.2019, 19.30 Uhr