Sibel Bakanhan und Angela Lederer stehen vor ihrem Café "Plants & Cakes". Zu sehen ist das kleine Café mit Sitzmöglichkeiten

Ein Café in Zeiten von Corona und Lockdowns zu eröffnen, klingt für manchen erst einmal abwegig. Junge Gründerinnen und Gründer aus Frankfurt haben es dennoch gewagt.

Corona trifft vor allem die Gastronomie-Branche hart. Restaurants und Cafés dürfen ihre Speisen und Getränke aktuell ausschließlich zum Mitnehmen anbieten. Und das noch mindestens bis zum 14. Februar.

Viele Besitzer fürchten um ihre Existenz. Doch einige wenige nutzen die Krise und öffnen gerade jetzt ein neues Café.

Die beiden Brüder Lukas und Philipp Güth stehen mit verschränkten Armen nebeneinander.

Wie zum Beispiel Philipp und Lukas Güth aus Frankfurt. Eigentlich hatten die beiden Brüder einen anderen Plan. Sie wollten gesunde Ernährung für das Büro anbieten und damit Unternehmen in Frankfurt beliefern.

Im Februar 2020 konnten sie bereits die ersten Kunden für ihr Essen gewinnen. Doch dann kam der Lockdown, viele Menschen stiegen auf das Arbeiten zuhause um. "Wir haben uns überlegt: Was machen wir jetzt?", sagt Philipp Güth.

"Die Büros waren leer, aber die Homeoffices voll"

Schnell entwickelten die Brüder einen Online-Shop, in dem sie ihre selbstgemachten Müslis und Produkte aus der Region anbieten konnten. "Die Büros waren zwar leer, aber die Homeoffices waren voll", sagt der 33 Jahre alte Gründer.

Nur für die Produktionsstätte fehlte noch der passende Ort. Schließlich stießen die beiden auf ein freies Café im Frankfurter Stadtteil Rödelheim, und die Idee war geboren: Das Café "Wilson & Oskar", in dem die Gründer ihre Produkte anbieten und produzieren können. Sie hatten über Jahre Rücklagen gebildet und konnten ihre Unternehmensidee deshalb ohne Kredit finanzieren.

Das Café mit einer bunten, modernen Einrichtung.

Seit September gibt es das Café, in dem es Pasta, Müslis, Ingwershots und vieles mehr gibt. Nur wenige Monate später kam der zweite Lockdown. Die Sitzplätze müssen seitdem leer bleiben, die Kosten laufen weiter. Doch die Mitnehm-Angebote halten das Café über Wasser. Einen kleinen Umsatzrückgang habe man schon bemerkt, sagt Inhaber Philipp Güth, aber dieser sei gering. "Wir haben unser Angebot verändert und die Leute kommen weiter vorbei."

Die Brüder setzen vermehrt auf Snacks und gesunde Mahlzeiten zum Mitnehmen. Einen Lieferservice gibt es ebenfalls. Sonntags liefern sie Frühstück in der Umgebung aus und für Unternehmen gibt es Care-Pakete. Corona trifft ihr Geschäft nur wenig. "Es ist weniger schlimm, als wir erwartet haben", sagt Güth. Er glaubt, dass noch mehr Leute kommen, wenn die Lokale wieder richtig öffnen dürfen.

Cafés in Wohnorten statt Innenstadt

Dass gerade jetzt der richtige Zeitpunkt sein kann, um ein Café zu planen, glauben Elisabeth Marcard und Götz Lindenmayer aus Frankfurt. Das Ehepaar hat kurz nach dem ersten Lockdown im Mai die Beratung "Cafépreneur" gegründet. So möchten sie Quereinsteigern helfen, den Traum vom eigenen Café zu verwirklichen.

Götz Lindenmayer und Elisabeth Marcard stehen in einer Küche. Im Fokus stehen Kaffeemaschine und passende Utensilien.

Dabei unterstützen sie die Gründer in Sachen Standortberatung, Konzept und Finanzierung. "Gerade in der Gastro ist es leicht, ohne Vorkenntnisse zu gründen. Das kann aber auch wirklich schiefgehen", sagt Elisabeth Marcard.

Gerade Corona biete Neueinsteigern aber gute Möglichkeiten. Es müsse nicht mehr unbedingt das Café mitten in der Innenstadt sein. Zumal viele Innenstädte durch Insolvenzen ohnehin an Attraktivität verlieren würden. "Cafés im Wohnumfeld laufen besser, weil auch öfter das Arbeiten im Home-Office stattfindet", sagt Götz Lindenmayer.

Der Traum vom eigenen Café

In der Gastro gebe es viele Leute, die immer in der zweiten Reihe standen. Diese hätten nun die Zeit, sich Gedanken zu machen, ein eigenes Lokal zu eröffnen. Auch Quereinsteiger, die in Kurzarbeit sind oder ihren Job verloren haben, kämen auf kreative Ideen für Gastro-Konzepte. "Einerseits werden Existenzen ins Aus katapultiert und andererseits werden neue Dinge hochgepusht."

Den Traum eines neuen Cafés haben sich auch die Freundinnen Angela Lederer und Sibel Bakanhan erfüllt. Seit April 2019 haben sie das vegane Lokal "Plants & Cakes" in Frankfurt. Die Nachfrage wurde immer größer.

Zu sehen sind einige bunte Kuchen und Torten in einer Schachtel zum Mitnehmen.

Kurz nach dem ersten Lockdown eröffneten die 29-Jährigen deshalb ein zweites Café im Frankfurter Ostend. "Wir haben gemerkt, dass unsere Produkte während des Lockdowns sogar noch mehr nachgefragt wurden", sagt Angela Lederer. Die Leute würden vermehrt auf ihre Ernährung achten. Das Konzept von gesundem, veganem Essen komme in der aktuellen Zeit gut an.

Für Restaurants ist es schwierig

Mittlerweile haben die Inhaberinnen vier Festangestellte und fünf Aushilfen für beide Cafés. Kurzarbeit mussten sie keine beantragen. "Wir konnten unser Personal davor verschonen", sagt Lederer. Einen kleinen Umsatzrückgang habe es durch den Lockdown gegeben. "Aber die Produkte werden gut angenommen. Wir sind happy."

Die Freundinnen hatten mit ihrem zweiten Café vor allem auf Büroleute aus der Umgebung gesetzt. Diese seien durch die Möglichkeit des Home-Offices deutlich weniger geworden. Stattdessen kämen viele Kunden von außerhalb. "Die Leute, die zu uns kommen wollen, die kommen zu uns."

Wichtig sei es, dass man Angebote erarbeite, die auch im Lockdown funktionieren: Essen zum Mitnehmen und Lieferdienste beispielsweise. Ein Restaurant neu zu eröffnen, das vor allem auf das Abendgeschäft angewiesen ist, stelle sich Angela Lederer derzeit schwierig vor.

Bei Cafés sei das anders. "Bei einem kleinen Café, wo man viel Take-away anbieten kann, da kann ich das schon empfehlen", sagt Lederer. Sie ist fest davon überzeugt, dass ein neues Café mit dem richtigen Konzept auch während Corona bestehen kann.