Luftbild des historischen Hafens in Bad Karlshafen

Aufatmen in Bad Karlshafen: Die feierliche Eröffnung des historischen Hafens am Samstag findet statt. Betonteile und ein Loch im Schleusenkanal hatten das Fest infrage gestellt. Eine Zwischenlösung macht die Party aber möglich.

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Es ist das wohl wichtigste Projekt, das die Stadt Bad Karlshafen (Kassel) in den letzten Jahren in Angriff genommen hat: Für etwa 6,5 Millionen Euro ist der historische Hafen restauriert worden. Die feierliche Wiedereröffnung am Samstag stand zuletzt auf der Kippe.

Loser Beton reißt Loch in Schleusenboden

Am Boden des Schleusenkanals hatte sich Beton, der dort Wasserbausteine zusammenhielt, gelöst. Das hatte ein Loch in den Boden des Kanals gerissen. Die Hessisch Niedersächsische Allgemeine (HNA) hatte berichtet, das Loch sei so groß, dass ein Taucher darin verschwinden könne.

Es bestand die Gefahr, dass sich weitere Teile lösen und Boote, die den Kanal durchfahren, beschädigen könnten. Ohne Bootsdurchfahrt hätte die Eröffnungsfeier aber keinen Sinn gemacht, wie Bürgermeister Marcus Dittrich (parteilos) dem hr sagte.

Provisorische Abdichtung für die Feier

Experten begutachteten am Donnerstag den Schaden, nachdem das Wasser aus dem Kanal abgepumpt worden war. Das Problem lässt sich zwar nicht binnen zwei Tagen beheben, doch man fand eine vorübergehende Lösung, damit das Fest stattfinden kann.

Arbeiten am Schleusenkanal

Die losen Teile im Wasser wurden von den Arbeitern entfernt. Die für Samstag geplanten Durchfahrten sollen dann mit der entsprechenden Vorsicht erfolgen. Zuvor soll es ein paar Probedurchfahrten geben. Nach der Eröffnung soll die dauerhafte Versiegelung des Kanalbodens in Angriff genommen werden.

Neue Cafés und Geschäfte durch Sporthafen

Von der Reaktivierung des historischen Stadthafens und seiner Anbindung an die Weser erhofft sich die Kommune eine Wiederbelebung und Aufwertung der Stadt. Insbesondere das Gastgewerbe soll angekurbelt werden.

"Wir sehen auch schon erste Früchte", sagte Dittrich. So hätten in den vergangenen anderthalb Jahren neue Geschäfte und Cafés eröffnet. Auch seien mehr Häuser verkauft worden. "Das hängt mit der Hafeneröffnung zusammen", ist sich Dittrich sicher.

Im November war das Hafenbecken mit Wasser geflutet worden. Der Hafen bietet 17 Dauerliegeplätze für Sportboote. Davon sind dem Bürgermeister zufolge mindestens zehn schon vergeben.

Es soll auch einen Schulungsbetrieb für Motorboote geben. Dieser wäre dank der Schleuse nicht vom Wasserstand in der Weser abhängig, An- und Ablegen könnten auch bei Niedrigwasser geübt werden.

Steuerzahlerbund skeptisch

Auf ungeteilte Zustimmung trifft das Projekt nicht. Kritiker halten es für ein Millionengrab. Der Bund der Steuerzahler (BdSt) in Hessen hatte es vor drei Jahren gar in sein Schwarzbuch für Steuerverschwendung aufgenommen. Die Kosten trägt zum überwiegenden Teil der Bund.

Inzwischen schlägt der BdSt etwas mildere Töne an. "Wir denken, dass man frühestens nach einem Jahr ein erstes Zwischenfazit ziehen kann", sagte Sprecher Moritz Venner.

Städtebund befürwortet Projekt

Positiv sieht der Hessische Städte- und Gemeindebund die Reaktivierung des Hafens. Nach Ansicht von Direktor Karl-Christian Schelzke hat das Projekt Bad Karlshafen überregional bekannt gemacht. "Es gibt große Startchancen, nachdem man nicht nur in Hessen weiß, dass da ein Binnenhafen geöffnet wird."

Sendung: hessenschau, hr-fernsehen, 09.05.2019, 19.30 Uhr