Viele Kneipen bleiben dicht

Trotz des Wegfalls der Fünf-Quadratmeter-Regel haben es kleinere Cafés und Kneipen in der Corona-Krise weiter schwer: Einige können die geforderten Abstandsregeln schlicht nicht umsetzen. Verbände hoffen auf weitere Hilfen der Politik.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die Fünf-Quadratmeter-Regel fällt

Restaurant ohne Gäste
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Erleichterung bei den einen, weiter Frust bei den anderen: Nachdem die Landesregierung die Fünf-Quadratmeter-Regel für die hessischen Gastronomiebetriebe gestrichen hat, freuen sich viele Restaurantbesitzer zumindest verhalten.

Ab Donnerstag können sie nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Hessen durchschnittlich zwischen zehn und 20 Prozent mehr Gäste bewirten als unter der Fünf-Quadratmeter-Regelung. Die aktuelle Verordnung ist auf der Seite des Landes einsehbar.

Die Fünf-Quadratmeter-Regel galt seit der Wiedereröffnung der Restaurants Mitte Mai nur in Hessen. Sie sei ein Hemmnis gewesen, "es ist gut, dass die Branche von dieser befreit ist", kommentierte der Dehoga Hessen die Entscheidung der Landesregierung. Für viele Gastronomen sei ein kostendeckender Betrieb noch weniger möglich gewesen als ohnehin schon. Nicht wenige Restaurants blieben deswegen geschlossen.

"Kann nur sechs bis acht Leute einlassen"

Bei vielen kleinen Cafés oder Kneipen wird es allerdings genau dabei bleiben: Eine Öffnung lohnt sich für sie weiterhin nicht. "Die 1,5-Meter-Abstandsregel ist für mich nicht praktikabel", sagte Ralph Göllner, Inhaber der Frankfurter "Zappbar". Wie so viele Kneipen sei seine recht klein, sagte er. "Bei 30 Quadratmetern muss ich den Tresen noch abziehen, so dass ich am Ende vielleicht sechs bis acht Leute einlassen kann. An guten Abenden kommen sonst auch mal 50, 60."

Kneipenwirt Ralph Göllner

Vom Tresen bis zu den Fenstern messe seine Kneipe 1,8 Meter. "Da funktioniert kein Abstand von 1,5 Metern", sagt Göllner. "Da müssten alle Gäste aufstehen oder rausgehen, wenn nur einer vorbei zur Toilette muss." Ein unangenehmer Randaspekt für ihn persönlich sei, dass er den gesamten Abend mit Mundschutz bedienen müsste. Deswegen sei es sehr wahrscheinlich, dass er weiter nicht aufmachen werde.

Verband: rund 80 Prozent Minus

"In vielen Bereichen ist es schon brutal", weiß Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Dehoga Hessen. Der Dehoga geht davon aus, dass die Branche bis Ende Mai deutschlandweit einen Verlust von rund 18 Milliarden Euro einfahren wird. Einem Drittel der Betriebe drohe die Pleite. Für Hessen rechnet Wagner mit einem Minus von rund 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Deswegen hofft die Branche auf weitere schnelle Hilfsmaßnahmen.

Die Initiative Gastronomie Frankfurt (IGF) zum Beispiel wünscht sich einen Hilfsfonds nach dem Vorbild des Landes Baden-Württemberg. "Wir brauchen so genannte 'verlorene Zuschüsse'", sagt auch Dehoga-Geschäftsführer Julius Wagner, "das heißt, dass die Betriebe Gelder erhalten, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Wir halten das für die bessere und tragfähigere Lösung als eine Insolvenzwelle. Die würde nochmal richtig teuer."

"Kann ich Anwohnern nicht zumuten"

Bis dahin sind nach Angaben der IGF auch Initiativen wie die der Stadt Frankfurt eine Hilfe, nach der die Gaststätten ihre Außengastronomieflächen erweitern dürfen. Eine mögliche Unterstützung, die für Kneipenwirt Ralph Göllner aber auch nicht in Frage kommt: "Das kann ich doch den Anwohnern nicht zumuten" sagt er. "Wirklich helfen würde nur eine Rückkehr zur Normalität."

Weitere Informationen

Die Vorgaben des Landes Hessen

Gaststätten, Mensen, Hotels, Kantinen, Eisdielen, Eiscafés und andere Gewerbe dürfen Speisen und Getränke vor Ort anbieten, auch Bars, Kneipen und Schankwirtschaften dürfen öffnen, unter der Voraussetzung, dass sie mit einer Gaststätte vergleichbar sind. Erinnert das Lokal eher an einen Club oder Diskothek, muss es weiterhin geschlossen bleiben.

Folgende Auflagen müssen gewährleistet sein: Aufnahme der Kontaktdaten, 1,5 Meter Abstand, ausgenommen sind Angehörige des eigenen und eines weiteren Hausstands, für das Personal gilt eine Maskenpflicht. Außerdem dürfen keine Gegenstände zur gemeinsamen Nutzung bereitgestellt werden und es müssen "geeignete Hygienemaßnahmen getroffen und überwacht werden sowie Aushänge zu den erforderlichen Abstands- und Hygienemaßnahmen erfolgen." Hier geht es zur aktuellen Verordnung.

Wie genau die Abstandsregel umgesetzt wird, erarbeiten die einzelnen Betriebe zusammen mit dem jeweiligen Ordnungsamt. Der Dehoga hat zudem Empfehlungen für die Gastronomen erarbeitet.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr4, 27.05.2020, 7:40 Uhr

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192 Kommentare

  • Die 5 Quadratmeter-Regel war bundesweit einmalig und willkürlich. Genauso wie viele andere Corona-Regeln. Ramelow hat Recht: Abschaffen (bevor es Gerichte tun) und lokal einschreiten, falls es zu Ausbrüchen kommt.

  • Nichts! Wir sollten uns glücklich schätzen, dass die Pandemie für uns bislang halbwegs glimpflich ausgegangen ist (wobei diejenigen, die Angehörige und Freunde verloren haben oder an den Spätfolgen der Krankheit leiden, von 'glimpflich' nicht reden werden), und das Bewahrte nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Gastronomie und Distanz ist ein Widerspruch in sich! Besser wäre es, es ließen sich kluge Möglichkeiten finden, die Kosten in der Gastronomie zu senken, bis sie tatsächlich wieder relativ gefahrlos öffnen kann.

  • Die jetzige Abstandsregel im Aussenbereich Okay. Innen ? Außerdem verstehe ich das Gejammere der Branche nicht. Wer jahrelang bis zu 5 für ein Weizenbier und rund bis zu 7 für eine Flasche Wasser verlangt hat, der soll keine Reserve für die Flaute haben?

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