Ein Investor verspricht der angeschlagenen Biermarke Pfungstädter eine neue, hochmoderne Brauerei. Doch gegen den Millionen-Deal gibt es Einwände. Die Stadtverordneten wollen Verhandlungen mit dem Investor - unter Auflagen.

Videobeitrag

Video

zum Video Pfungstädter: Grünes Licht für Verhandlungen mit Brauerei-Investor

Vor dem Pfungstädter Rathaus kam es am Abend zu Protesten gegen die Brauerei-Pläne
Ende des Videobeitrags

Das Stadtparlament in Pfungstadt (Darmstadt-Dieburg) hat am Montag grünes Licht für Vertragsverhandlungen mit einem Investor für die angeschlagene Traditionsbrauerei Pfungstädter gegeben.

Allerdings legten die Stadtverordneten in einem Eckpunktepapier dem möglichen Geldgeber eine Reihe von Verpflichtungen für weitere Verhandlungen auf. Die Stadt kann die Verhandlungen jederzeit ohne Angaben von Gründen abbrechen.

Demonstration gegen Schwimmbad-Abriss

Zu den festgelegten Verpflichtungen zählt auch die Zusage des Investors, sich mit mehreren hunderttausend Euro am Bau eines neues Schwimmbades zu beteiligen. Der anonyme Geschäftsmann aus Bad Homburg plant auf dem Gelände des stillgelegten Pfungstädter Freibads die Errichtung einer hochmodernen Brauerei. Dadurch sollten die angeschlagene Traditionsmarke "Pfungstädter" und mehr als 100 Arbeitsplätze gesichert werden.

Doch gegen die Millionen-Pläne hatte es zuletzt starke Einwände gegeben. Vor Beginn der Stadtverordnetenversammlung demonstrierten mehrere Dutzend Menschen gegen eine Abriss des alten Schwimmbads.

Simulation des Neubaus für die Pfungstädter Brauerei

Zudem waren zuletzt starke Zweifel an der Seriösität des Investors aufgekommen. Verschiedene Medien berichteten unter anderem von mehreren geplatzten Großprojekten und Insolvenzen in der Vergangenheit. Auch die vollmundigen Versprechen, die der Unternehmer der Stadt für den Fall, dass er zu Zuge komme, machte, nährten die Skepsis.

Versprechen nun Teil der Vertragsverhandlungen

Einige dieser Versprechen sind nun Teil des von der Stadtverordnetenversammlung mit 16 zu 10 Stimmen angenommenen Verhandlungspakets. So soll der Investor auch verpflichtet werden, sich - wie von ihm angekündigt - am Kauf eines Feuerwehrfahrzeugs zu beteiligen. Zudem soll der Weiterbetrieb der alten Brauerei bis zu Fertigstellung der neuen Anlage gesichert werden.

"Es ist erstmal nur eine Absichtserklärung", betonte Bürgermeister Patrick Koch (SPD) im Gespräch mit der hessenschau. Dennoch habe die Brauerei nun "die Planungssicherheit, die sie benötigt", um mit dem Investor in konkrete Verhandlungen zu treten.

Die Traditionsbrauerei "Pfungstädter" war seit geraumer Zeit in wirtschaftliche Probleme geraten. Allein 2018 war der Umsatz um ein Sechstel auf 20 Millionen gefallen. Der jetzige Plan sieht vor, auf dem innenstadtnahen Gelände der Brauerei Wohngebäude zu errichten.

Neues Schwimmbad gewollt aber nicht finanziert

Unklar ist derweil noch, wo ein von Bürgern und Vereinen gefordertes neues Schwimmbad entstehen könnte. Bürgermeister Koch sprach von weitgehender Einigkeit zwischen den Fraktionen im Rathaus, dass ein neues Schwimmbad entstehen solle. "Es ist nur die Frage, wo bauen wir ein Schwimmbad und vor allen Dingen, wie groß bauen wir ein Schwimmbad."

Je nach Größe und Ausstattung könnten so ein Projekt zwischen 250.000 und einer Million Euro kosten. Woher dieses Geld kommen solle, sei allerdings noch unklar. Der städtische Haushalt für 2020 weise zwar einen Überschuss aus, jedoch nur in Höhe von 200.000 Euro, so Koch.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 16.12.2019, 21.30 Uhr