Wald Eppstein

Noch keine Entwarnung: In den vergangenen Wochen hat es zwar häufiger geregnet. Doch noch immer leidet der Wald unter der Dürre. Zu groß sind die Schäden der vergangenen beiden Hitzesommer.

Man sollte meinen, der Regen der vergangenen Tage und Wochen helfe der Umwelt über die Schäden durch die Sommerhitze hinweg. Stimmt leider nur bedingt.

"Reicht nicht, um tieferliegende Wasserspeicher aufzufüllen"

"Zurzeit 'ertragen' wir alle mit Demut den anhaltenden Regen und freuen uns, dass das Wasser die oberen Schichten der Waldböden durchfeuchtet", sagt Michelle Sudermann, Sprecherin des Landesbetriebs Hessenforst, am Montag. "Leider reicht es aber noch nicht, um die tieferliegenden Wasserspeicher aufzufüllen."

Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung weist für den Oberboden (bis 25 Zentimeter Tiefe) in Hessen aktuell keine Dürre mehr aus. In 1,8 Meter Tiefe sieht es anders aus. Besonders in Nord- und Mittelhessen ist es weiter extrem bis außergewöhnlich trocken. hr-Meteorologin Pila Bossmann sagte: "Man sieht die Reste der Dürre noch deutlich."

Mehr als 80 Liter im Odenwald, nicht mal 20 Liter in Fritzlar

Es hat zwar häufig geregnet, aber nicht überall kam viel runter. Der langjährige Mittelwert (1991 bis 2018) der Niederschläge im Dezember weist für Hessen 69,5 Liter pro Quadratmeter aus, wie Bossmann erklärte. Nach etwas mehr als der Hälfte des Monats waren es in Oberzent-Beerfelden und Michelstadt (Odenwald) schon rund 88 beziehungsweise 83 Liter, in Fritzlar dagegen nur rund 19 Liter.

Angesichts der dramatischen Folgen der Trockenheit für die Umwelt hatten Waldbesitzer im Sommer Alarm geschlagen. Nach den Messungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gab es dieses Jahr den drittwärmsten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen. 2018 war es im Sommer auch schon viel zu trocken.

Klimawandel überfordert Anpassungsfähigkeit der Bäume

Infolge dessen ist der Wald in dem schlechtesten Gesundheitszustand seit Beginn der Erhebung vor rund 36 Jahren. Das geht aus dem Mitte November vorgestellten Waldzustandsbericht hervor. Der Anteil starker Schäden liegt in diesem Jahr mit knapp sieben Prozent doppelt so hoch wie im Mittel der Jahre seit 1984. Die Absterberate stieg deutlich auf 2,3 Prozent. Die Hälfte der toten Bäume sind Fichten.

Nach Angaben von Hessenforst überfordert die Geschwindigkeit des Klimawandels vielerorts die Anpassungsfähigkeit unserer Baumarten. "Wir beobachteten dieses Jahr zum Beispiel ein Absterben der Buchen, das auch auf die Dürre 2018 zurück zu führen ist", sagt Sprecherin Sudermann. "Das ganze Ausmaß der Katastrophe wird wohl erst in einigen Jahren sichtbar." Sie betonte: "Die Situation derzeit kann man eher mit einem 'Aufatmen' gleichsetzen, Entwarnung geben wir noch nicht."

Weiter mild mit Temperaturen bis 13 Grad

Für diese Woche ist der Regen in Hessen am Montag weitgehend schon gefallen. Am Dienstag gibt es eine Mischung aus Sonne, am Mittwoch neben freundlichen Abschnitten auch dichte Wolkenfelder, aber nur gebietsweise fällt etwas Regen. Für den Donnerstag gehen die hr-Meteorologen von mehr Sonne als Wolken aus. Es bleibt weiter mild mit Temperaturen bis 13 Grad - weiße Weihnachten immer unwahrscheinlicher.

Sendung: hr-fernsehen, alle wetter, 16.12.2019, 19.15 Uhr