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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Türkische Elektro-Autos mit Hilfe aus Hessen

E-Auto

Ein Elektro-SUV aus der Türkei? In nicht allzu ferner Zukunft soll das Realität werden. Für den türkischen Präsidenten Erdogan ist es ein historisches Projekt, das er mit Hilfe aus Hessen verwirklichen möchte.

Die Türkei will Ende 2022 im Zuge eines großangelegten Projekts ein Elektroauto bauen - und zwar mit maßgeblicher Hilfe aus Hessen. Der Ingenieurdienstleister Edag (Wiesbaden) unterstützt das ehrgeizige Ziel des ersten türkischen Autos.

Das Unternehmen aus Hessen ist für die Fahrzeug-Entwicklung des SUV zuständig. Die Design-Vorgaben - innen wie außen - kommen aus Italien von der Firma Pininfarina. Edag setzt die Vorstellung in Funktionalität und alltagstaugliche Technik um - und zwar am Standort in Fulda.

250 Ingenieure tüfteln daran, wie Edag verriet. Vom Fahrwerk bis zum Aschenbecher, alles erdacht in Osthessen. Ein technischer Prototyp mit Fuldaer Kennzeichen ist schon auf den Straßen unterwegs.

Hersteller-Name: TOGG

Der Hersteller heißt TOGG. Das steht für Türkiye'nin Otomobili Girişim Grubu. Dahinter verbirgt sich der Zusammenschluss von fünf Unternehmen zu einem Joint Venture. Die Firmen wollen mehr drei Milliarden US-Dollar in die Entwicklung investieren. Unter anderem dabei ist auch die Anadolu Group, die nach Branchen-Informationen mit den Herstellern Isuzu, Kia und Honda vernetzt ist.

Medienberichten zufolge soll nicht weniger als ein türkisches Volksauto entstehen. Bei der Präsentation der ersten Pläne im Dezember 2019 sonnte sich auch Präsident Recep Tayyip Erdogan im Glanz der Scheinwerfer. Es sei ein historischer Tag für das Land, sagte er voller Pathos bei der Vorstellung des Prototypen in Gebze bei Istanbul.

Erdogan: Türkei verdient Besseres

Eine türkische Automarke ist ein lang gehegter Wunsch des Präsidenten. Erdogan sagte, die Türkei verdiene Besseres, als die Autos anderer Hersteller zusammenzusetzen. In den 1960er-Jahren war ein erster Versuch der Türkei mit einer Eigenmarke - dem "Devrim" - gescheitert.

Nun wollen die Türken den großen Wurf wagen. Ab dem vierten Quartal 2022 sollen die Modelle produziert werden. Und vielleicht später auch mal nach Deutschland exportiert werden, wie Edag berichtete. Frühestens allerdings im Jahr 2025. Als Marke wurde TOGG bereits in der EU und auf weiteren Märkten registriert, wie die Automobilzeitschrift "auto motor und sport" berichtete.

Ziel: bis zum Jahr 2030 eine Million Exemplare

Wenn die Herstellung in Fahrt gekommen ist, sollen 4.300 Arbeiter jährlich 175.000 Autos bauen. Bis zum Jahr 2030 sollen eine Millionen Exemplare produziert werden.

Geplant sind insgesamt fünf Elektromodell-Varianten. Neben dem SUV und der Limousine, zwei Kombi-Versionen und ein Cabrio.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Oliver Reidegeld vom ADAC Hessen-Thüringen sagte in Frankfurt auf Anfrage: "Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn neue Hersteller den Markt für Elektroautos beleben. Ob das Projekt Chancen auf dem europäischen Markt hat, hängt aber letztendlich vom Kunden ab." Preise für die Fahrzeuge seien bisher noch nicht bekannt.

Reidegeld gab zu bedenken: "In Asien gibt es seit Jahren kleinere E-Mobil-Hersteller. Keiner hat bisher den großen Sprung nach Europa geschafft. Ob es TOGG gelingt, muss man abwarten." Denn: In den nächsten zwei bis drei Jahren bringen einige große Automobilhersteller neue E-Autos auf den Markt, wie Reidegeld sagte.

Auto-Experte: Es sind schon viele gescheitert

Automobil-Experte Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach, sagte auf Anfrage: "Es wird der Türkei und ihrem Präsidenten nicht leicht fallen, sich mit diesem Projekt durchzusetzen. Der Wettbewerbsdruck ist enorm hoch."

Bratzel erklärte weiter: "Man braucht auch einen langen Atem, um gegen etablierte Hersteller zu bestehen. Da sind schon viele gescheitert. Wenn TOGG nichts wesentlich besser kann als die Wettbewerber - etwa in Sachen Reichweite und Batterie - dann rechne ich dem Anbieter keine großen Chancen aus."

E-Auto

Edag ist zwar nicht so bekannt wie die Automarken, für die das Unternehmen hinter den Kulissen arbeitet. Doch in der Branche genießt der international tätige Ingenieurdienstleister einen hervorragenden Ruf. Im Geschäftsjahr 2019 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 781 Millionen Euro. Knapp 8.500 Mitarbeiter werden beschäftigt (Stand: Ende 2019).

Dienstleister Edag: "Ein toller Auftrag"

Bedient werden von Edag Fahrzeughersteller aus dem In- und Ausland. Harald Keller, Leiter der Fahrzeug-Entwicklung, sagte: "Es ist ein toller Auftrag, weil wir die Türkei als einen wachsenden Automobilmarkt sehen" - sowohl bei Produktion als auch mit Blick auf Zulieferer. Zur Frage der Einflussnahme aus der Politik sagte Keller: "Es hat keinen Einfluss auf unsere Arbeit. Wir blenden das Thema aus."

Sendung: hr4, 25.08.2020, 15.30 Uhr