Nachtflug am Frankfurter Flughafen
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Nachtflugverbot hin oder her: Am Frankfurter Flughafen sind im vergangenen Jahr so viele Flieger nach 23 Uhr gelandet wie noch nie. Unrühmlicher Spitzenreiter in dieser Statistik ist erneut der irische Billigflieger Ryanair.

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Die Fluggesellschaften haben es mit dem Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen im Jahr 2018 offenbar nicht so genau genommen. 1.098 Landungen zwischen 23 und 0 Uhr markieren einen neuen Negativrekord. Im Jahr zuvor waren 775 Flieger in der Stunde vor Mitternacht gelandet. Diese Zahlen veröffentlichte das hessische Verkehrs- und Wirtschaftsministerium am Mittwoch. Zuvor hatte das Branchenportal Airliners.de darüber berichtet.

Die meisten Verstöße gegen das Verbot gehen demnach auf das Konto von Ryanair. Der Anteil des irischen Billigfliegers an den Spätlandungen lag laut dem Ministerium bei 31 Prozent. Es folgt der Ferienflieger Condor mit 19,6 Prozent der gezählten Verspätungen. Erst danach kommt die Lufthansa, die bei zwei Dritteln aller Flugbewegungen auf dem Frankfurter Airport für 16 Prozent aller Landungen nach Betriebsschluss verantwortlich zeichnet.

203 verspätete Landungen allein im Juni

Besonders viele Flieger landeten in den Sommermonaten Mai (185), Juni (203) und Juli (159) in der Stunde nach 23 Uhr. Dafür ausschlaggebend waren neben extremen Wetterlagen, Personalengpässen bei der Flugverkehrskontrolle und der ohnehin dichten Taktung der Verbindungen auch chronisch verspätete Flüge aus überlasteten Feriengebieten. Hier nannte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) vor allem Condor-Flug DE1505 aus Palma de Mallorca und sprach von einer "unhaltbaren Situation".

Den Fluggesellschaften wird vorgeworfen, den Zeitplan so knapp zu takten, dass Verspätungen unvermeidlich sind. Das Wirtschaftsministerium drohte daher im vergangenen Jahr Ryanair und Condor mit Ordnungswidrigkeitsverfahren und Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro bei systematischen Verspätungen. Immerhin hatte das einen kurzfristigen Effekt: Im März habe der Anteil von Ryanair an den Verspätungslandungen noch bei 63 Prozent gelegen, bis zum Juni sei er auf 25 Prozent zurückgegangen, so Al-Wazir.

Wie das Ministerium am Mittwoch mitteilte, hat das Land über 160 Verfahren wegen des Missbrauchs der Bestimmungen eingeleitet. Betroffen seien sechs Verbindungen, in denen sich die Verspätungen häuften. "Wir haben einen hohen Kontrolldruck aufgebaut", so Al-Wazir. "Wir erwarten, dass die Fluggesellschaften in ihre Abläufe ausreichend Zeitpuffer einplanen und Vorkehrungen treffen, dass sie auch bei Störungen die 23-Uhr-Grenze regelmäßig einhalten können."

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Hessische Initiative zur Gesetzesänderung

Um die Airlines verlässlich zur Kasse bitten zu können, hat das hessische Verkehrsministerium einen Entwurf zur Änderung des Luftfahrtgesetzes in den Bundesrat eingebracht. Diesem Entwurf wurde einstimmig zugestimmt. "Das klare Votum der Länder ist ein starkes Signal an Bundestag und Bundesregierung, die diese Initiative jetzt hoffentlich unterstützen und beschließen", erklärte Al-Wazir dazu im Oktober. Bislang können nur betroffene Piloten mit Bußgeldern belangt werden.

Eine Landung nach 23 Uhr ist laut Planfeststellungsbeschluss unzulässig, wenn sich die Verspätung schon aus dem Flugplan ergibt. Ist der Zeitplan einer Airline zu eng getaktet und eine rechtzeitige Ankunft in Frankfurt daher nicht immer zu erreichen, gilt die Ausnahmegenehmigung also eigentlich nicht. Im Planfeststellungsbeschluss wurde die Höchstgrenze von 7,5 Landungen nach 23 Uhr pro Tag festgelegt. In 2018 wurde diese Zahl mit durchschnittlich 2,9 Verspätungen pro Tag deutlich unterschritten.

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Welche Regeln gelten zwischen 23 und 5 Uhr?

In welchen Fällen Flugbewegungen zwischen 23 Uhr abends und 5 Uhr morgens erlaubt sind, ist im Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau des Frankfurter Flughafens vom 18. Dezember 2007 festgelegt.

  • Verspätete Landungen zwischen 23 Uhr und Mitternacht sind dann zulässig, wenn sich die Verspätung nicht schon aus dem Flugplan ergibt und die Gründe für die Verspätung außerhalb des Einflussbereichs der verantwortlichen Airline liegen.
  • Starts sind im Einzelfall zwischen 23 Uhr und 0 Uhr erlaubt, wenn die Gründe für die Verspätung außerhalb des Einflussbereichs der Airline liegt.
  • Ausnahmen gibt es zum Beispiel aus technischen, meteorologischen, medizinischen oder anderen Sicherheitsgründen oder in Katastrophenfällen.
  • Wenn es in einem Kalenderjahr im Durchschnitt pro Tag mehr als 7,5 Landungen zwischen 23 und 0 Uhr gibt, behält sich die Planfeststellungsbehörde eine Änderung dieser Regeln vor. Laut den vorliegenden Daten steigt der Tagesdurchschnitt der verspäteten Landungen zwar jedes Jahr, liegt aber noch deutlich unter dieser Grenze.
  • Zwischen 0 und 5 Uhr sind Flugbewegungen nur noch in besonderen Ausnahmefällen möglich, zum Beispiel bei medizinischen Notfällen.
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