Polizisten und Rettungskräfte stehen am Bahnübergang in Frankfurt-Nied nach dem Unfall und dokumentieren das Geschehene.

Die Deutsche Bahn will die Technik am Übergang in Frankfurt-Nied automatisieren. Dort war vor anderthalb Jahren eine 16-Jährige von einem Zug erfasst und getötet worden.

Audiobeitrag

Audio

Audioseite Umbau am Bahnübergang Frankfurt-Nied nach Unfall

Gedenkstätte für die getötete 16-Jährige am Bahnübergang in Frankfurt-Nied
Ende des Audiobeitrags

Vor einem Jahr hatte die Deutsche Bahn gemeinsam mit der Stadt Frankfurt einen dreistufigen Plan zum Umbau des Bahnübergangs im Stadtteil Nied vorgestellt. Nun sollen die Bauarbeiten zur "Erneuerung der technischen Sicherungsanlage" beginnen, wie die Bahn mitteilte.

Schrankenwärterin verursachte tödlichen Unfall

Bis Ende dieses Jahres soll der Übergang in der Oeserstraße zunächst technisch aufgerüstet werden, damit sich die Schranken automatisch schließen, wenn ein Zug kommt. Außerdem sollen Ampeln vor dem Bahnübergang aufgestellt werden. Die Bahn will das Schließen der Schranken so anpassen, "dass sich der Straßenverkehr vor dem Bahnübergang weniger zurückstaut".

An dem Übergang war im Mai 2020 eine 16 Jahre alte Fußgängerin bei offener Schranke von einem Zug erfasst und getötet worden, ein Radfahrer sowie eine Autofahrerin wurden schwer verletzt. Ein Fehler der Schrankenwärterin war den Ermittlungen der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung zufolge hauptsächlich dafür verantwortlich.

Autoverkehr wird umgeleitet

Wegen der Bauarbeiten sperrt die Bahn den Übergang vom kommenden Montag (18. Oktober) bis zum 3. Dezember. In dieser Zeit können Fußgängerinnen und Radfahrer die Gleise über einen provisorischen Übergang queren. Der Autoverkehr wird über die Waldschulstraße und Mainzer Landstraße umgeleitet. Das Wärtergebäude samt Keller soll in dieser Zeit zurückgebaut und durch einen Container ersetzt werden.

Weitere Informationen

Mailadresse für Anwohner-Fragen

Anwohnerinnen und Anwohner können sich bei Fragen per Mail an die Deutsche Bahn wenden: bahnuebergang-oeserstrasse@deutschebahn.com

Ende der weiteren Informationen

Bahnübergang jahrzehntelang in der Kritik

Der Bahnübergang stand bereits vor dem tödlichen Unfall jahrzehntelang in der Kritik, weil er in einer Kurve an einer vielbefahrenen, unübersichtlichen Kreuzung liegt. Mit rund 250 Zügen pro Tag ist er einer der am stärksten befahrenen Bahnübergänge in Frankfurt und einer der wenigen in ganz Deutschland, die noch manuell von einem Schrankenwärter vor Ort bedient werden. Außerdem ist er störanfällig und muss immer wieder zeitweise gesperrt werden. Nur zwei Monate nach dem Unfall war es erneut zu Problemen mit einer offenen Schranke gekommen.

Schon seit den 1960er Jahren gibt es deshalb konkrete Pläne von der Deutschen Bahn und der Stadt Frankfurt, den Übergang zu beseitigen und eine Unterführung zu bauen. Doch das Projekt wurde immer wieder aufgeschoben.

Erst Unterführung für Fußgänger, dann für Autos

Die neue Sicherungsanlage soll am 11. Dezember in Betrieb gehen. Damit sei der erste Schritt des Stufenplans erfüllt, hieß es von der Bahn. Bis spätestens 2024 ist eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer geplant. Im dritten Schritt will die Bahn eine Unterführung für Autos bauen. In der "zweiten Hälfte der 2020er Jahre" soll der alte Bahnübergang dann komplett durch einen neuen ersetzt sein.

Das dürfte frühestens 2027 soweit sein. Die Bauarbeiten im dichtbesiedelten Wohngebiet sind kompliziert und könnten sich verzögern, unter anderem weil Grundstücke von Privatleuten im Weg sind, mit denen sich die Bahn und die Stadt erst einigen müssen.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen