Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing Bild © picture-alliance/dpa

Der erwartete radikale Umbau der Deutschen Bank hat erste Auswirkungen: Investmentbank-Chef Ritchie geht. Konzernweit stehen offenbar bis zu 20.000 Stellen auf der Kippe. Am Sonntag könnte der Aufsichtsrat entscheiden.

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Mitten in den Beratungen über einen grundlegenden Umbau der Deutschen Bank verkündete der Dax-Konzern am Freitag eine wichtige Personalie: Der bisherige Investmentbankchef Garth Ritchie werde die Bank "in gegenseitigem Einvernehmen" verlassen und zum 31. Juli als Vorstandsmitglied zurücktreten. Konzernchef Christian Sewing werde die Verantwortung für die Unternehmens- und Investmentbank übernehmen, teilte das Institut weiter mit.

Der Abgang Ritchies ist keine Überraschung, schließlich hat die Bank seit Sewings Amtsantritt im April 2018 das Investmentbanking bereits gestutzt. Bei der Hauptversammlung im Mai legte der Konzernchef nach und kündigte "harte Einschnitte" für die Deutsche Bank an. Aufsichtsratschef Paul Achleitner ergänzte: "Wir müssen noch schneller und radikaler umbauen."

Jede fünfte Stelle auf der Kippe?

Konzernchef Sewing übernimmt das schwächelnde Investmentbanking nun selbst - möglicherweise der Auftakt für einen massiven Stellenabbau und Schrumpfkurs bei der Deutschen Bank. Es könnte der ganz große Schlag werden: Stellenabbau, Vorstandsumbau, Zerschlagung des Investmentbankings.

15.000 bis 20.000 Jobs sollen konzernweit auf der Kippe stehen. Darüber wird seit längerem spekuliert. Mehr als jede fünfte der knapp 91.500 Vollzeitstellen weltweit könnte gestrichen werden.

Aufsichtsrat trifft sich am Sonntag

In Frankfurt jedenfalls stellt man sich darauf ein, dass der Aufsichtsrat des Dax-Konzerns an diesem Sonntag Entscheidungen trifft.

Wie stark der Kahlschlag die einzelnen Bereiche treffen wird, ist noch nicht durchgesickert. Erwartet wird aber, dass es erneut vor allem das Investmentbanking treffen wird. Vor allem das US-Geschäft könnte Deutschlands größtes Geldhaus weiter zusammenstreichen.

Sorgenkind Investmentbank

Die Sparte wurde für die Deutsche Bank zur großen Last. Statt für Milliardengewinne steht die Investmentbank seit der Finanzkrise 2007/2008 für Milliardenstrafen. Auch der Kurs der Aktie macht wenig Hoffnung: Vom Höchststand von mehr als 90 Euro vor der Finanzkrise ist das Papier mit zuletzt rund sieben Euro meilenweit entfernt.

Schon wenige Wochen nach seinem Amtsantritt im April 2018 hatte der auf den Chefsessel katapultierte Privatkundenchef Sewing keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit gelassen, dem jahrelangen Durchwurschteln mit zuvor drei Verlustjahren in Folge ein Ende zu bereiten: "Wir werden den Kurs unserer Bank jetzt ändern. Es gibt keine Zeit zu verlieren." Bei der diesjährigen Hauptversammlung legte Sewing nach: "Wir haben immer noch zu hohe Kosten, die wir nicht direkt einer Leistung für unsere Kunden zuordnen können."

Ärger über Richties üppige Bezahlung

Über einen Abgang Ritchies, der erst im April 2018 zu einem von zwei Stellvertretern Sewings ernannt worden war, wurde schon seit einiger Zeit spekuliert. Für Kritik auf Aktionärsseite sorgte unter anderem die üppige Bezahlung des Briten. 8,6 Millionen Euro kassierte der Manager inklusive Boni für das Geschäftsjahr 2018 - mehr als Sewing (sieben Millionen Euro) und fast genauso viel wie die sieben Vorstände der Commerzbank zusammen, die fast zum Fusionspartner geworden wäre.

Sendung: hr-iNFO, 05.07.2019, 17.30 Uhr