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Das Preissystem von Fluggesellschaften ist komplex, und mit Tricks lassen sich Kosten sparen. Etwa, wenn man einen Zubringerflug mitbucht, aber nicht antritt. Doch Passagiere nehmen dabei ein hohes Risiko in Kauf.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Geld sparen mit Buchungstricks - nicht ohne Risiko

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Der Trick ist eigentlich ganz simpel: Wer nicht direkt etwa mit Lufthansa von Frankfurt nach New York, sondern zunächst mit auf einem Zubringerflug, am Besten aus dem Ausland, nach Frankfurt anreist, kann unter Umständen Hunderte Euro sparen. Denn das Umsteigerticket ist deutlich günstiger.

Einige Reisende nutzen das aus und lassen den Zubringerflug einfach verfallen - oder sie beenden auf dem Rückflug die Reise früher. Doch dass ist nicht ohne Risiko: Lufthansa klagt inzwischen gegen einen Passagier, der auf diese Art Geld sparte.

Finanzielle Risiken

Der Wiesbadener Reiserechtlechter Holger Hopperditzel kennt die Problematik: "Wer die erste Teilstrecke nicht in Anspruch genommen hat und dann die zweite Teilstrecke abfliegen möchte, der setzt sich großer Gefahr aus, dass er dann auf der zweiten Teilstrecke gar nicht befördert wird - das hängt immer von der Fluggesellschaft ab - oder dass er eine Nachbelastung des erhöhten Ticket-Preises erhält."

Sprich: Die Fluggesellschaft recherchiert im Nachhinein, wie teuer der Direktflug gewesen wäre und verlangt die Differenz vom Passagier. Dies ist in den Tarifbestimmungen eigentlich aller Fluggesellschaften, die ihren Verkehr über Drehkreuze abwickeln, so geregelt. Und es ist nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) von 2010 auch rechtmäßig - wenn auch nicht in jedem Fall: Wenn sich die Reiseplanung durch Einflüsse, die der Passagier nicht zu vertreten habe, spontan ändere, sei eine Nachbelastung nicht erlaubt, sagt Hopperditzel. So stehe es auch im BGH-Urteil.

Teurer weil komfortabler

Doch warum ist etwa ein Flug von Rom über Frankfurt nach New York günstiger als der Direktflug von Frankfurt nach New York? Weil der Direktflug aus Kundensicht komfortabler sei, sagt Yvonne Ziegler, Professorin für Luftverkehrsmanagement an der Frankfurt University of Applied Sciences. Der Direktflug spare Zeit und werde daher teurer angeboten als ein Umsteigeflug mit Zwischenaufenthalt. Zudem wollten sogenannte Hub-Airlines wie die Lufthansa Passagiere gezielt an ihre Drehkreuze locken.

Vor allem die Reisenden von den Zubringerflughäfen seien umkämpft. Schließlich könne man auch mit KLM über Amsterdam oder Air France über Paris nach New York fliegen. In den dezentralen Flughäfen herrsche ein größerer Wettbewerb: "Das ist sicher auch ein Grund, warum da die Flugpreise günstiger sind", erläutert Ziegler.

Lufthansa verteidigt Preispolitik

Die Lufthansa hält sich bei dem Thema sehr bedeckt, verteidigt aber ihre Preispolitik: "Der Kunde in deutschland kann nur deshalb auf ein breites Angebot zurückgreifen, weil auch Transferpassagiere mit manchmal günstigeren Tickets mitfliegen. Von der Preisdifferenzierung profitiert letztlich der Kunde - weil Lufthansa dadurch ein breites Angebot von Destinationen offerieren kann."

Missbrauch von Umsteigeflügen, Nachbelastung von Passagieren, Beförderungsverweigerung - darüber spricht die Airline nicht gerne. Aber offenbar ist das Phänomen nicht so klein, dass man es in der Frankfurter-Lufthansa Zentrale einfach ignorieren könnte.