Die Bundesnetzagentur hat entschieden: Der Werra-Meißner-Kreis wird von der Windstrom-Trasse Suedlink nicht verschont. Der Landrat reagiert mit "großem Bedauern" . Ganz aufgeben wollen die Gegner aber nicht.

Videobeitrag

Video

zum Video Ärger um Suedlink-Trasse

hs
Ende des Videobeitrags

Es ist genau einen Monat her, da bejubelten Bundes- und Kommunalpolitiker in Osthessen eine Entscheidung der Bundesnetzagentur: Die umstrittene Suedlink-Trasse, die Energie von Windparks in der Nordsee nach Süddeutschland bringen soll, wird ihre Region nicht durchqueren. Dem nordhessischen Werra-Meißner-Kreis bleibt das nicht erspart.

Mit "großem Bedauern und Enttäuschung" teilten Landrat Stefan Reuß (SPD) und sein Stellvertreter Rainer Wallmann (Grüne) am Dienstag mit: Die Netzagentur habe darüber informiert, dass die Erdkabeltrasse entsprechend den Plänen von Betreiber Tennet definitiv durch das Kreisgebiet führen werde. "Wir behalten uns selbstverständlich vor, alle möglichen Rechtsmittel gegen die Entscheidung einzulegen", sagte Reuß.

Erbitterter Widerstand

Bad Sooden-Allendorfs Bürgermeister Frank Hix (CDU) wurde gegenüber dem hr noch deutlicher: Er kündigte an, man werde "alle rechtlichen Mittel ausschöpfen" und auch politisch Druck gegen die Entscheidung machen. Die Kurstadt sieht neben Flora und Fauna auch Thermalquellen und Trinkwasser durch den Bau gefährdet.

Der Werra-Meißner-Kreis liegt im Abschnitt C des Projekts, das Teil der bundesdeutschen Energiewende ist. In 30 Jahren, so der Plan, werden 80 Prozent des deutschen Stroms aus erneuerbaren Energiequellen stammen.

Der Korridor führt aus dem Raum Göttingen kommend unter anderem über Witzenhausen und Bad Sooden-Allendorf durch das Werratal. Von dort geht es weiter durch den Ringgau und Herleshausen über die Landesgrenze hinweg zum thüringischen Gerstungen und von dort bis nach Bayern. Gegen das Projekt gibt es seit Jahren erbitterten Widerstand. Es hat sich auch eine Bürgerinitiative gegründet.

Rote Bete im Brunnen

Vor einem Jahr protestierten die Bürgermeister des Kreises gemeinsam in Bad Sooden-Allendorf gegen die Suedlink-Pläne. Man kippte demonstrativ Bio-Rote-Bete-Saft in den Marktbrunnen. Wie nun die Spitze der Kreisverwaltung in ihrer aktuellen Stellungnahme haben die Trassengegner stets betont, ebenfalls für die Energiewende zu sein. Allerdings wünsche man sich verträglichere und regionale Projekte.

Landrat Reuß verwies am Dienstag noch einmal auf Fachgutachten und Stellungnahmen, in denen der Landkreis während der Planungsphase auf die Belastung für Bevölkerung hingewiesen habe. Denn die Erdkabel-Trasse solle nahe an bewohntem Gebiet gebaut werden. Das Großprojekt schädige auch "unsere ökologisch hochsensiblen Landschaftsräume".

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Klage gegen Trassen-Entscheidung angekündigt

Erdkabel liegen unter einer Hochspannungsleitung.
Ende des Audiobeitrags

Außerdem macht der Kreis erhebliche Fehler bei den Planungen geltend. "Wir akzeptieren nur eine auf nachvollziehbaren Fakten basierende und nicht politisch motivierte Entscheidung zum Trassenverlauf", kündigte Landrat Reuß an. Darauf werde man den Beschluss der Bundesnetzagentur nun abklopfen und sich auch mit den betroffenen Thüringer Nachbarlandkreisen abstimmen.

Al-Wazir: Bedenken bei Realisierbarkeit

Auf nachvollziehbare fachliche Kriterien drang am Dienstag auch der hessische Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Der vorgesehene Korridor erfordere eine Vielzahl von Bohrungen, so müsse etwa die Werra mehrfach unterquert werden. "Vergleichbare technische Herausforderungen bestehen aus unserer Sicht bei dem ursprünglich beantragten, weiter östlich durch Thüringen verlaufenden Trassenkorridor nicht."

Hessen habe früh Zweifel an der technischen und naturverträglichen Realisierbarkeit im Werra- und Wehretal geäußert, die noch nicht endgültig ausgeräumt seien, so der Minister. Man werde das Verfahren deshalb weiter kritisch begleiten, damit am Ende der am besten geeignete Trassenverlauf gewählt werde.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 1.12.2020, 16.45 Uhr