Die eingerüstete Fassade des Dom Hotels - und die Simulation, wie es aussehen soll.

Ein bekanntes Hotel in der Limburger Altstadt will sich vergrößern. Anwohner wehren sich dagegen vor Gericht, Architekten sind entsetzt. Gebaut wird trotzdem, weil Denkmalpfleger ihr Okay gaben.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Streit um den Ausbau des Limburger Dom Hotels

Blick auf die Baustelle des Dom Hotels.
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"Schuhkarton", "gestrandetes Raumschiff" - noch bevor der Anbau auf dem Dach des Limburger Dom Hotels fertig ist, haben die Domstädter gleich mehrere Namen dafür. Andere nennen es einen "massiven Eingriff in die historische Altstadt, die wir versuchen zu bewahren", und einen "Dammbruch der Denkmalpflege".

Der Grund: Das altehrwürdige Dom Hotel, seit fast 200 Jahren in Betrieb, will sich vergrößern, von 42 auf 48 Zimmer. Naturgemäß ist aber in der engen Altstadt nur noch in eine Richtung Platz: nach oben. So entstehen auf dem Dach des Hotels sechs neue Doppelzimmer, behindertengerecht, und einige mit Domblick.

Bis April sollen die Zimmer fertig sein

Der Blick auf dieses neue Stockwerk, das oberhalb der Gauben sitzt und ein flaches Dach bekommt, bringt viele Limburger in Wallung. Hotel-Geschäftsführer Klaus Rohletter kommentiert es so: "Über Ästhetik kann man lange philosophieren."

Gar nicht philosophisch, sondern sehr real, steht seit Mitte Januar ein Kran vor dem Dom Hotel. Die Außenfassade ist eingerüstet, Arbeiter hämmern auf dem Dach. Im April beginnt die Hauptsaison, dann sollen die neuen Zimmer bezugsfertig sein. Unterdessen läuft vor dem Verwaltungsgericht Wiesbaden ein Eilverfahren gegen den Ausbau.

Online-Petition gegen das neue Stockwerk

Isabel Hamm hat vor dem Gericht Widerspruch gegen die Baugenehmigung eingelegt. Ihr gehört das Haus gegenüber des Hotels in der schmalen Fleischgasse. Sie sagt, ihr Nachbarschaftsrecht sei gestört, weil Abstandsflächen nicht eingehalten worden seien und sie dem Ausbau nicht zugestimmt habe.

Sie hat auch eine Online-Petition gegen den Ausbau ins Leben gerufen. Auf der Kommentarseite äußern sich Architektur-Experten aus ganz Deutschland entsetzt über den Ausbau. Ihr Vater Franz Josef Hamm, selbst Architekt, befürchtet: "Das ist ein Präzedenzfall, das hat womöglich Auswirkungen auf ganz Hessen."

Isabel und Franz Josef Hamm wehren sich gegen den Ausbau.

Dem widerspricht Matthias Müller, Professor für Kunstgeschichte an der Uni Mainz und Mitglied im Landesdenkmalbeirat Rheinland-Pfalz: Eine solche Genehmigung sei immer "eine Einzelfallentscheidung", die höchstens benachbarte Gebäude betreffen könnte, aber keinesfalls die in einem anderen Stadtviertel oder gar einer anderen Stadt.

Nachbar beklagt Vorzugsbehandlung des Hotels

Isabel Hamm sagt auch: "Für die Mieter in unserem Haus wird massiv die Aussicht verändert, zum Teil auch einfach das Sonnenlicht weggenommen."

Günter Butzbach: "Hätte nie genehmigt werden dürfen."

Einer der Mieter ist Günter Butzbach. Der 81-Jährige ist in der Altstadt geboren und lebt seit 20 Jahren in dem Haus. Von seiner Wohnung aus blickt er direkt auf die Baustelle. Wenn sie fertig ist, sagt er, könne er wohl nur noch in die andere Richtung blicken.

Butzbach erzählt: "Andere Hauseigentümer in der Altstadt wollen nur mal ein Fenster vergrößern, das wird abgelehnt." Beim Dom Hotel dagegen werde das Erscheinungsbild massiv verändert. Der Ausbau hätte seiner Meinung nach nie genehmigt werden dürfen.

Landesamt: "Barrierefreie Zimmer unverzichtbar"

Genehmigt haben den Ausbau die Denkmalschutzbehörde der Stadt und das Landesamt für Denkmalpflege (LfD). Michael Stanke (CDU), der als Erster Stadtrat das Limburger Bauamt leitet, erklärt in einem offenen Mailwechsel mit Marion Schardt-Sauer, der FDP-Fraktionschefin im Stadtparlament: "Das Bauvorhaben fügt sich nach Ansicht der Denkmalpflege in die Eigenart der vorhandenen Umgebungsbebauung ein."

LfD-Präsident Markus Harzenetter teilt auf hr-Anfrage mit, man habe den Prozess "intensiv begleitet". Durch den Ausbau sei es möglich, die Eingriffe im Hotel selbst gering zu halten. Dass ein innerstädtisches Vier-Sterne-Hotel barrierefreie Zimmer bekomme, sei "unverzichtbar im Sinne der Sicherung des Wirtschaftsstandorts Limburg". Gleichzeitig begrüße das LfD "das derzeitige bürgerschaftliche Engagement zur Bewahrung des historischen Stadtbildes".

Hotelchef: "Wir haben das unterschätzt"

Klaus Rohletter sitzt in einem Tagungsraum seines Hotels, an der Wand ein Gemälde vom Blick über die - noch - spitzen Dächer der Limburger Altstadt. Er sagt, er sei von dem Ausmaß der Diskussion überrascht. "Wir haben das unterschätzt", sagt er. Dadurch hätten sie wohl auch zu spät über ihren Plan informiert.

Klaus Rohletter, Geschäftsführer des Dom Hotels.

Er und sein Mit-Geschäftsführer hätten zwar bereits Ende 2018 bekannt gemacht, dass man weitere Zimmer bauen wolle, berichtet Rohletter. Aber wie das dann aussehen solle - "das wussten zwar wir, aber die Nachbarn und die Öffentlichkeit nicht". Inzwischen beantwortet das Hotel auf seiner Website Fragen zum Ausbau.

Anders als von den Ausbaugegnern kolportiert sei die Baugenehmigung keinesfalls im Eilverfahren genehmigt worden - über ein halbes Jahr lang habe das Hotel darauf gewartet, sagt Rohletter. Man habe auch Kompromisse gemacht, eigentlich habe der Ausbau zwei Stockwerke hoch werden sollen.

Der Hotelleiter findet bei der ganzen Diskussion vor allem einen Punkt wichtig: "Ein Denkmal wie das Dom Hotel ist doch nur dann interessant, wenn es auch zum Leben beiträgt" - zum Beispiel, indem es mehr Touristen in die Stadt bringe.

Sendung: hr4, die hessenschau in Mittelhessen, 07.02.2020, 15.30 Uhr