Auf der Suche nach Gewerbeflächen hatte Darmstadt auch Äcker im Norden der Stadt ins Visier genommen. Nach ersten Untersuchungen wurden die Pläne nun aufgegeben. Umweltschutz ist nach Ansicht der Stadt in diesem Fall wichtiger.

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Aus für Gewerbegebiet im Norden Darmstadts

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In Darmstadt sind die Pläne für ein Gewerbegebiet Wixhausen-Ost vom Tisch. Oberbürgermeister Jochen Partsch und Planungsdezernent Michael Kolmer (beide Grüne) haben bekannt gegeben, dass das Vorhaben nicht weiter verfolgt wird. Der Stopp ergebe sich aus den inzwischen vorliegenden Gutachten im Rahmen vorbereitender Untersuchungen. Diese würden sofort eingestellt. Auch für Arheilgen-West werde es keine weiteren Untersuchungen geben, betonte Partsch.

Ökologische Nachteile überwiegen

Die Expertisen zeigten klar, dass die ökologischen Nachteile nicht von den wirtschaftlichen Vorteilen aufgewogen werden können, heißt es in der Mitteilung. "Vielmehr stellen wir den Umweltschutz, den Klimaschutz und die Klimaanpassung an die erste Stelle", erklärte der Oberbürgermeister. Der OB wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Südhessen zu den in Mitteleuropa am stärksten vom Klimawandel betroffenen Regionen gehöre.

Es ging um eine Fläche mit der Größe von rund 140 Fußballfeldern. Wäre sie oder ein Teil von ihr versiegelt worden, wären nicht nur Äcker für die regionale Lebensmittelerzeugung verloren gegangen, sondern auch Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten wie den Kiebitz. Die Bebauung hätte zudem Darmstadt einer wichtigen Frischluftschneise beraubt.

Interessengemeinschaft will Fest feiern

Entsprechend groß war der Widerstand bei Landwirten und Anwohnern. Gegen die Pläne hatte vor allem die Interessengemeinschaft Arheilger Bürger (IGAB) mobil gemacht. Unter anderem wurde eine Online-Petition gestartet, die seit Februar 2021 mehr als 6.500 Menschen unterzeichnet haben.

Die Nachricht von der Einstellung der Untersuchungen wurde von der IGAB denn auch mit Begeisterung aufgenommen. "Wir werten das als Gewinn für den Erhalt der Lebensqualität, das Klima und die stadtnahe Erzeugung", sagte Ute Dupper vom IGAB-Vorstand.

Dass die Entscheidung so schnell kommt, habe sie selbst überrascht: "Das ist so nicht erwartbar gewesen." Dupper glaubt, dass der Druck aus der Bevölkerung dazu beigetragen hat. "Wir wollen das im Oktober mit einem Fest gebührend feiern."

SPD stichelt gegen Dezernenten

Auch die SPD begrüßte die Entscheidung und nutzte sie für einen Seitenhieb gegen Planungsdezernent Kolmer. Es sei schon ungewöhnlich, "wenn ein Oberbürgermeister seinen eigenen Dezernenten derart vorführt, ihm die Verantwortung entzieht, und seine Arbeit einstampft", hieß es in einer Mitteilung.

"Das ganze Projekt war von vornherein Unsinn. Darauf hatten wir stets hingewiesen", erklärten Parteichef Tim Huß und die Fraktionsvorsitzende Anne Marquardt. Die Argumente der SPD seien jedoch stets abgeschmettert worden. "Jetzt erkennt OB Partsch offenbar, dass wir richtig lagen."

Mehr Flächenrecycling und Mischgebiete

Darmstadt wächst immer weiter, sowohl was die Bevölkerungszahl als auch die Arbeitsplätze betrifft. Deshalb sucht die Kommune nach Möglichkeiten, dem Bedarf an Gewerbeflächen gerecht zu werden. Dazu wurde zwischen 2017 und 2019 mit dem "Masterplan 2030+" unter Bürgerbeteiligung eine Strategie entwickelt. Im Zuge dessen waren die vorbereitenden Untersuchungen im Norden der Stadt eingeleitet worden. Partsch hatte allerdings immer wieder betont, dass sie ergebnisoffen durchgeführt würden.

Aus den Resultaten der Untersuchungen will die Stadt nun weitere Erkenntnisse für die Entwicklung des Darmstädter Nordens und, wie es hieß, auch für die Gesamtstadt ziehen. Anstatt freie Flächen zuzubauen, soll mehr auf Flächenrecycling und die Aufwertung bestehender Flächen gesetzt werden. Außerdem will die Stadt mehr Mischgebiete schaffen.

Depot der HEAG mobilo soll am Böllenfalltor bleiben

Unter anderem gebe es im Innenstadtbereich an der Rheinstraße Gebäude früherer industrieller Nutzung und bisherige Parkflächen, die sich – immer in Abstimmung mit den Grundstückseigentümern – perspektivisch neu entwickeln ließen, erklärte Stadtsprecher Klaus Honold auf Anfrage. Ähnliches gelte für den Bereich zwischen Mornewegstraße und Pallaswiesenstraße.

Auch für das zu klein gewordene Straßenbahndepot der HEAG mobilo wird noch nach einer Lösung gesucht. Hier war zunächst ebenfalls eine Verlegung nach Wixhausen/Arheilgen mit einem Flächenbedarf von elf Hektar im Gespräch. Stattdessen will die Stadt nun den bestehenden Standort am Böllenfalltor weiter entwickeln und durch einen kleineren Zweitstandort ergänzen.

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