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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ärger über Gebühren fürs Geldabheben in Büdingen

Die Bildkombination zeigt zwei Fotos: eines stellt die Außenansicht des Geldautomatenstandorts dar, das andere die Mitteilung über Gebühren, wenn Geld abgehoben wird.

Immer mehr Sparkassen und Genossenschaftsbanken betreiben Filialen und Geldautomaten gemeinsam. Was sie dadurch sparen, reicht offenbar nicht. Sie verlangen fürs Geldabheben mitunter fast fünf Euro - und informieren nicht darüber.

Sparkassenkunde Oliver Debus konnte in der für ihn nächstgelegenen Sparkassenfiliale in Büdingen-Düdelsheim (Wetterau) viele Jahre lang kostenlos Geld abheben. Doch die schloss die Sparkasse Oberhessen im vergangenen Jahr. Seitdem teilt sie sich mit der VR Bank Main-Kinzig-Büdingen einen Raum in der Nähe und einen Geldautomaten.

"Da wurden fürs Geldabheben plötzlich 4,85 Euro Gebühren fällig", erzählt Debus. Dabei darf er als Sparkassenkunde grundsätzlich bei Sparkassen in ganz Deutschland die Geldautomaten umsonst nutzen. Sein Problem in der neuen geteilten Filiale in Büdingen-Düdelsheim: Das Gerät dort stellt die VR Bank, die zwar den Kunden der Sparkasse Oberhessen Nutzungsgebühren erlässt. Kunden anderer Sparkassen belastet sie dagegen mit hohen Beträgen - so auch Debus, der bei der Sparkasse Hanau Kunde ist.

In Nidda im Stadtteil Ober-Schmitten (Wetterau) ist es andersherum: Dort dürfen die Kunden der VR Bank den Geldautomaten der Sparkasse Oberhessen kostenlos benutzen. Die Kunden anderer Genossenschaftsbanken müssen 4,85 Euro Gebühren zahlen, selbst wenn sie im Verbund der Genossenschaftsbanken deren Geldautomaten normalerweise unentgeltlich nutzen können.

Kein Aushang in der Filiale

Das Problem betreffe immer nur wenige Kunden, heißt es dazu bei der VR Bank. Doch die sind wie Debus sehr verärgert, zumal sie nicht vorab über die neue Preispolitik informiert wurden. In den Filialen oder Geldautomatenräumen weist nichts darauf hin. Zumindest direkt vor dem Auszahlungsvorgang bekämen die Kunden die Höhe der Gebühren ja angezeigt, so dass sie den Abhebeprozess abbrechen könnten, teilt die VR Bank mit.

Der Vorstandsvorsitzende Andreas Hof hält diese Gebühren für notwendig, denn: "In den vergangenen Jahren sind auch die Kosten für die Bargeldversorgung extrem gestiegen." Einen Geldautomaten anzuschaffen, regelmäßig zu füllen, zu warten und zu versichern, kostet die Bank nach eigenen Angaben pro Gerät mindestens 25.000 Euro im Jahr.

Eigene Filiale oft nicht mehr rentabel

Andererseits kooperieren Sparkassen und Genossenschaftsbanken im ländlichen Raum natürlich gerade deshalb, um solche Kosten gemeinsam zu schultern. Und anders als in der Stadt haben Verbraucher auf dem Land in aller Regel nicht die Möglichkeit, stattdessen drei Straßenecken weiter Geld abzuheben.

In Hessen gibt es etliche solcher Kooperationen: So betreiben etwa die Taunus Sparkasse und die Frankfurter Volksbank 25 Filialen gemeinsam, teils mit Personal, teils nur mit Automaten. Die Volksbank Darmstadt arbeitet an 16 Standorten mit den Sparkassen Darmstadt, Groß-Gerau und Starkenburg zusammen. "Dort wäre der Betrieb einer eigenen Filiale wirtschaftlich nicht mehr vertretbar", sagt Vorstandssprecher Michael Mahr.

Kunden erhalten Geld zurück

Für die meisten Einwohner aus der unmittelbaren Region sind solche Kooperationen laut Mahr vorteilhaft. Ermöglichen sie ihnen doch, dass sie auf dem Land überhaupt noch an Bargeld kommen. Dass dafür manche Verbraucher, die nicht bei den kooperierenden Instituten Kunden sind, je nach Institut zwischen vier und fünf Euro zahlen müssen, bezeichnet er als bedauerlich.

"Für das Geldabheben an einem fremden Automaten ist das durchaus marktüblich", meint Oliver Mihm, Chef der Frankfurter Beratungsfirma Investors Marketing: "Wenn Sparkassen und Volksbanken solche Gebühren allerdings in ihren gemeinschaftlich betriebenen Filialen erheben, müssen sie die Kunden klar darauf hinweisen."

Die Sparkasse Oberhessen will am Geldautomaten in Büdingen-Düdelsheim einen Zettel aufhängen und Kunden, die von den Gebühren überrascht wurden, das Geld zurückerstatten. Oliver Debus hat sich deshalb schon gemeldet. Doch bisher hat er noch kein Geld gesehen.

Sendung: hr4 für Mittelhessen, 15.01.2021, 15.30 Uhr