Schienen und Züge vor dem Frankfurter Hauptbahnhof / Eisenbahntunnel.
Bisher fahren in Frankfurt noch Fern- und Regionalzüge auf den selben Gleisen. Käme der Tunnel, würden die Schnellzüge unter die Erde verlegt. Bild © picture-alliance/dpa

Ein Bahn-Tunnel von Offenbach bis Frankfurt-Niederrad, ein ICE-Bahnhof unter der Erde: Auf diese Idee aus dem Bundesverkehrsministerium gibt es in Hessen geteilte Reaktionen. Während der hessische Verkehrsminister Bedenken äußert, ist man bei der Stadt begeistert.

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Der Vermerk ist unscheinbar, auf Seite 166 im neuen Bundesverkehrswegeplan (PDF). Dort steht hinter "Großknoten Frankfurt" das Buchstabenkürzel VB-E. Das ist kurz für "Vordringlicher Bedarf - Engpassbeseitigung", und es heißt: Die Projekte, die damit zu tun haben, werden nun vorrangig geplant und umgesetzt.

Darunter fällt neben der nordmainischen S-Bahn von Frankfurt über Maintal bis Hanau auch die Idee eines Bahn-Fernverkehrstunnels. Der könnte von der Offenbacher Stadtgrenze zum Frankfurter Hauptbahnhof führen und an der Niederrader Mainbrücke im Westen der Stadt wieder aus der Erde austreten. Damit sollen die oberirdisch verlaufenden Gleise entlastet werden und dem Regional- und Nahverkehr zur Verfügung stehen.

Regionalexpresszüge könnten profitieren

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Bahngleise am Frankfurter Hauptbahnhof

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Verkehrsdezernent: ICE-Tunnel unter Frankfurt "die beste Lösung"

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Bei der Stadt ist man begeistert: "Ich glaube, dass das auf lange Sicht die beste Lösung für die Fernverkehrsprobleme in Frankfurt ist", sagte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) dem hr. Auch für Regionalexpresszüge "bringt das sehr viel." Denn wenn es eine eigene ICE-Trasse gibt, müssten Regionalzüge nicht mehr dieselben Trassen benutzen, etwa auf den Strecken Frankfurt-Mannheim oder Frankfurt-Fulda.

Anders als etwa beim Mega-Projekt Stuttgart 21 würde in Frankfurt auch nicht der ganze Bahnhof unter die Erde gelegt und um 90 Grad gedreht. Stattdessen soll zusätzlich zum bestehenden Bahnhof ein unterirdischer, wahrscheinlich viergleisiger Durchgangs-Fernbahnhof entstehen. "Der übrige Bahnhof mit seinen 25 Gleisen bleibt erhalten", stellt Oesterling klar.

Al-Wazir: "Ein solcher Tunnel ist nicht einfach"

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) ist zurückhaltender. "Die Idee ist im Bundesverkehrsministerium entstanden. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass sich eine vertiefte Prüfung lohnt", sagte er. Zürich habe beispielsweise damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Aber ein Tunnel unter Frankfurt sei "nicht das Einfachste, was man sich bautechnisch vorstellen kann". Voraussetzung für ihn ist unter anderem, dass der Tunnel "bergmännisch" gebaut wird, also während der Bauphase die Erdoberfläche unberührt bleibt.

Al-Wazir fürchtet vor allem, dass mit dieser Idee andere Projekte wie die Schienenarbeiten rund ums Frankfurter Stadion oder die nordmainische S-Bahn wieder auf der langen Bank landen. Der Tunnel "darf auf keinen Fall dazu führen, dass irgendeine der wichtigen Maßnahmen, die jetzt endlich im Bundesverkehrswegeplan gelandet sind, in irgendeiner Form verzögert werden."

Bundesverkehrsminister erwartet Diskussionen

Auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte bereits am Dienstag gesagt: Die Hochstufung bedeute nicht, dass es schon "morgen" einen Spatenstich gebe. Auch Scheuer rechnet noch mit erheblichen Diskussionen.