Zeitungsständer mit Zeitungstiteln: FAZ, Frankfurter Rundschau, FNP
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Der Münchner Verleger Dirk Ippen darf die Frankfurter Rundschau und die FNP übernehmen. Der Kauf verbessert nach Ansicht des Bundeskartellamts die Situation auf dem Frankfurter Lesermarkt.

Das Bundeskartellamt hat den Kauf der Mediengruppe Frankfurt durch die Ippen-Gruppe freigegeben, wie die Behörde am Montag in Bonn mitteilte. Bislang gibt die Frankfurter Fazit-Stiftung die Frankfurter Rundschau (FR), die Frankfurter Neuer Presse (FNP) und die Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) heraus.

Ippen hatte sich mit der Stiftung Anfang Februar auf den Deal geeinigt. Die FR und die FNP können damit von der Zeitungsholding Hessen (ZHH) übernommen werden, deren Eigentümerin mehrheitlich die Ippen-Mediengruppe ist.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt erklärte, der Zusammenschluss verbessere die Situation auf dem Lesermarkt in Frankfurt, weil damit das Monopol der FAZ-Gruppe in der Stadt beendet werde. "Nach dem Zusammenschluss werden 'Frankfurter Neue Presse' und 'Frankfurter Rundschau' im Wettbewerb zur Regionalausgabe der 'Frankfurter Allgemeine Zeitung' stehen, und die Leser können zwischen zwei voneinander unabhängigen Mediengruppen auswählen", sagte Mundt.

Verbesserungen wiegen schwerer

Diese Verbesserungen wiegen nach Einschätzung der Kartellhüter schwerer als mögliche Verschlechterungen in der Region Offenbach und im Wetteraukreis, wo neben Lokalausgaben von FR und FNP bereits von Ippen verlegte Blätter erscheinen.

Die FAZ und ihr Schwesterverlag Frankfurter Societät hatten die FR Anfang 2013 vom Kölner DuMont-Konzern übernommen. Das Blatt hatte zuvor Insolvenz angemeldet. Die Societät hielt seitdem 55 Prozent an der FR, 35 Prozent lagen bei der FAZ.

Von den zuletzt etwa 100 festangestellten FR-Redakteuren war die Hälfte untertariflich bei einer Tochtergesellschaft beschäftigt. Zehn Prozent an der FR behält die Karl-Gerold-Stiftung, die bis 2004 Alleineigentümerin des Blattes war. Journalistengewerkschaften hatten angesichts der Ippen-Übernahme Sorge um den Erhalt von Arbeitsplätzen geäußert.

Im Kaufpaket enthalten sind neben der FR und der FNP auch das Anzeigenblatt "Mix am Mittwoch", die Vermarktungsgesellschaft RheinMain.Media, die Digitalagentur Rhein-Main.Net und die Frankfurter Societäts-Druckerei.

Ehemals führende linksliberale Zeitung

Die FR galt lange Zeit als führende linksliberale Intellektuellen-Zeitung. In ihren Hochzeiten verkaufte sie gut 200.000 Exemplare, 2013 waren es noch 80.000 Stück. Inzwischen wird die Auflage der FR nicht mehr separat ausgewiesen.

Die Ippen-Gruppe, die in Bayern unter anderem den "Münchner Merkur" und die Boulevardzeitung "tz" herausgibt, beherrscht in Nordhessen den Zeitungsmarkt komplett. Auch in Osthessen ("Hersfelder Zeitung") sowie in Offenbach ("Offenbach Post") besitzt Ippen Verlage. Die Zeitungsgruppe gilt als fünftgrößte Verlagsgruppe auf dem Markt der Abonnementzeitungen in Deutschland.

Sendung: hr-iNFO, 05.03.2018, 13.00 Uhr