Die Tische eines Restaurants in einer Fußgängerzone sind hochgeklappt.

Hotels und Gaststätten sind geschlossen, sie leiden besonders unter der Corona-Pandemie. Die Bundesregierung hat zwar Novemberhilfen versprochen, doch die sind noch nicht angekommen, häufig nicht mal Abschlagszahlungen - zum Frust der Betroffenen.

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zum hr-fernsehen.de Video Teil-Lockdown – wie die Hessen jetzt über die Runden kommen

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Dass 2020 für seine Branche ohnehin ein Jahr zum vergessen ist, damit hat sich Thomas Studanski schon abgefunden. Der Oberurseler ist Vorsitzender des Branchenverbands Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) im Hochtaunus und betreibt selbst zwei Gaststätten. Wie viele seiner Kollegen steht er wegen den Auswirkungen der Corona-Pandemie unter immer größerem Druck.

Die letzte staatliche Hilfe, die er bekommen hat, war die Soforthilfe für Gastronomen im Frühjahr, im ersten Lockdown. Gerade wartet er auf die angekündigte November-Hilfe. In diesem Jahr wird die aber wohl nicht mehr kommen.

Portraitbild Thomas Studanski

Umfrage: Die meisten Gast-Betriebe haben noch kein Geld bekommen

Nach einer Dehoga-Umfrage haben gut 80 Prozent der hessischen Gast-Betriebe die Corona-Hilfen beantragt. 65 Prozent hätten bisher noch nicht einmal eine Abschlagszahlung bekommen. Die Kosten liefen aber weiter, für die meisten Betriebe sei die Lage existenzbedrohend.

Bundesweit wurden bis Dienstag nach Angaben der Bundesregierung auf der Antrags-Plattform rund 150.000 Anträge auf Novemberhilfen registriert. Rund 403 Millionen Euro an Abschlagszahlungen seien bereits ausgezahlt worden.

Frustriert und sauer

Thomas Studanski gehört nicht zu den Glücklichen, die schon einen Teil des Geldes bekommen haben. Dass er jetzt warten muss, macht ihn frustriert und sauer. Besonders die Kommunikation war eine Katastrophe, findet er:

"Wenn die Bundesregierung sagt, sie gibt uns schnell Hilfen, und dann erfahren wir erst Ende November, dass sich das Ganze verzögert, obwohl schon alle Zahlungen und das Weihnachtsgeld für die Mitarbeiter rausgegangen sind, dann ist das verheerend." Die Gaststätten bräuchten Planungssicherheit, "alles andere ist Mist."

Softwareprobleme sorgen für Ärger

Ursache dafür, dass das Geld nicht längst schon geflossen ist, sind technische Pannen. Das Portal, auf dem die Gast-Betreibe die Hilfen anmelden müssen, konnte nicht rechtzeitig freigeschaltet werden. Außerdem verzögert sich die Inbetriebnahme einer Software, mit der die Bundesländer die Hilfen auszahlen sollen, wie Medien berichten.

Nach SWR-Informationen verzögert sich die Auszahlung bis Januar. Immerhin sollen die Abschlagszahlungen nun von bislang maximal 10.000 Euro auf künftig maximal 50.000 Euro erhöht werden.

Wetzlarerin soll Staatshilfen zurückzahlen

Auch Hotelbesitzerin Ingrid Schröder aus Wetzlar hat weder im November noch bis jetzt im Dezember das versprochene Geld auf dem Konto. Im Gegenteil: Sie soll jetzt sogar einen Teil der letzten staatlichen Hilfe zurückzahlen.

Ingrid Schröde

"Das Finanzamt meint, ich hätte ja eigentlich noch genügen Reserven gehabt, um über die Runden zu kommen." Darüber ist sie sauer und klagt. Falls sie verliert, sieht sie für sich schwarz: "Wenn es im Januar so weitergeht, kann es sein, dass wir die Bücher zuklappen müssen." Sie hat im März einen Kredit von 85.000 Euro aufgenommen, den müsse sie ja auch irgendwann wieder zurückzahlen.

Fast keine Gäste, fast kein Umsatz

Ihr Umsatz ist um 60 bis 80 Prozent pro Monat zurückgegangen im Vergleich zum Vorjahr. Ein paar Gäste konnte sie in letzter Zeit unterbringen, Verwandte von Menschen aus der Region, die zu Besuch gekommen sind. Ansonsten gähnende Leere.

Auch bei Thomas Studanski in Oberursel ist nicht viel los. Er bietet in einem seiner beiden Restaurants Essen zum Mitnehmen an.  Aber das lohnt sich aktuell auch kaum:

"Im Frühjahr hatten wir noch deutlich mehr Umsatz. Wir merken, dass die Leute aktuell sehr sehr vorsichtig sind." Das sich die Lage bald bessert, daran glaubt er nicht, wenn er sich die aktuellen Infektionszahlen anschaut: "Vor Ende Januar können wir bestimmt nicht normal aufmachen."

Sendung: hr4, 07.12.2020, 20.00 Uhr