Eine Frau steckt den Stecker eines Staubsaugers in die Steckdose.
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Die Stromrechnung könnte für viele hessische Verbraucher im kommenden Jahr höher ausfallen als bisher. Etliche Energieunternehmen drehen an der Preisschraube. Betroffene Kunden haben ein Sonderkündigungsrecht.

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Überland-Stromleitungen in der Nähe von Hofgeismar (Landkreis Kassel)

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Viele hessische Stromanbieter erhöhen die Preise

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Egal ob Entega in Darmstadt, Evo in Offenbach oder Eswe in Wiesbaden: In den letzten Wochen kündigten gleich mehrere Stromanbieter höhere Preise an: Auch für Kunden von Hessens größtem Energieversorger Mainova in Frankfurt wird es teurer. Bernhard Vogt, dort als Bereichsleiter für den Vertrieb zuständig, rechnet vor, wie viel das für einen typischen Frankfurter Haushalt mit 2.500 Kilowattstunden im Jahr ausmacht: "Bisher musste ein solcher Kunde pro Jahr rund 836 Euro zahlen, ab dem nächsten Jahr sind es knapp 32 Euro mehr."

Für Millionen Privathaushalte bundesweit wird der Strom ab kommendem Jahr teurer, meldete vor kurzem das Vergleichsportal Check24. Besonders häufig haben laut Vergleichsportal Verivox Energieversorger aus Hessen Preiserhöhungen angekündigt: von 52 über die Hälfte.

Stromanbieter sprechen von "unvermeidbarem Schritt"

Durchschnittlich wird der Strom in Hessen laut Verivox um knapp fünf Prozent teurer. Beim Wiesbadener Energieversorger Eswe steigen die Preise sogar um rund sechs Prozent, bei Evo aus Offenbach und Entega aus Darmstadt um bis zu acht Prozent. Fast neun Prozent sind es bei den Stadtwerken Gießen. Dort spricht man von einem "unvermeidbaren Schritt". Nach eigenen Angaben haben sich für das Unternehmen die Einkaufskonditionen beim Strom verschlechtert.

So begründen die meisten hessischen Stromanbieter ihre Preiserhöhungen. Um ihre Kunden mit ausreichend Strom versorgen zu können, müssten sie einen großen Teil an den Strombörsen wie Leipzig dazukaufen. Dort seien die Preise in den vergangenen zwölf Monaten um fast siebzig Prozent gestiegen, sagt Mainova-Vertreter Vogt.

Klimaschutz macht Strom teurer

Hintergrund dafür: Strom produzieren in Deutschland hauptsächlich Kraftwerke, die dafür Kohle und Gas verbrennen. "Diese Rohstoffe haben sich seit zwei Jahren eher verteuert", erklärt Carlos Perez-Linkenheil vom Berliner Beratungshaus Energy Brainpool. Zum Teil läge das an der großen Nachfrage, zum Teil gebe es Engpässe, weil aufgrund des Niedrigwassers in vielen Flüssen weniger Ware verschifft wurde.

Dazu kommt: Bei der Verbrennung von Kohle und Gas wird Kohlendioxid frei. Dieser CO2-Ausstoß wird für die Stromkonzerne immer teurer, für CO2-Zertifikate müssen sie immer tiefer in die Tasche greifen. "Das ist eine europaweite Maßnahme zum Klimaschutz, die den Strompreis für Verbraucher steigen lässt", so Perez-Linkenheil.

Verbraucherschützer kritisieren Preiserhöhungen

Peter Lassek von der Verbraucherzentrale Hessen hält den Preisanstieg trotzdem für unangemessen: "In den letzten Jahren sind die Beschaffungskosten für Strom gesunken, davon haben die Kunden aber keineswegs profitiert." Auch Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin, hält die Entwicklung nicht für gerechtfertigt: "Die Strompreise müssten eigentlich stabil bleiben, da zum Beispiel die EEG-Umlage sinkt." Diese Umlage dient dazu, den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu finanzieren.

Sonderkündigungsrecht für Betroffene

Klaglos hinnehmen müssen Betroffene die Preiserhöhungen übrigens nicht. Erhöht ein Stromanbieter die Preise, haben sie in vielen Fällen ein Sonderkündigungsrecht: Das heißt: Sie können den Vertrag sofort kündigen, egal, wie lange er noch laufen sollte. Allerdings gelten dafür oft bestimmte Kündigungsfristen.

Bei Vergleichsportalen können Verbraucher nach günstigeren Angeboten suchen. Achtung allerdings bei Rabatten und Bonuszahlungen. Denn fallen die Boni irgendwann weg, kann es schnell deutlich teurer werden. Der Wechsel selbst ist übrigens unkompliziert. Verbraucher können den neuen Stromanbieter beauftragen, den alten Vertrag zu kündigen.

Oft reiche es auch, beim selben Anbieter in einen anderen Tarif zu wechseln, sagt Verbraucherschützer Lassek. Viele Stromkunden seien in der so genannten Grundversorgung. Dieser Tarif sei oft der teuerste, den Versorger anbieten.