Kuh im Kuhstall

Immer mehr Milchbauern in Hessen droht das Aus. Gerade kleine Betriebe haben mit verschärften EU-Vorschriften zu kämpfen. Geforderte Investitionen sind so teuer, dass viele Kleinbauern aufgeben.

Immer mehr Milchbauern in Hessen stehen nach Angaben von Landesbauernpräsident Karsten Schmal vor der Aufgabe ihres Betriebs. "Viele Betriebe mit 80 oder 100 Milchkühen, von denen wir gedacht haben, dass sie eine Zukunft haben, gehen den Weg nicht mehr mit", sagte Schmal in einem dpa-Gespräch. Schmal erklärte, er beobachte einen verschärften Strukturwandel. Die Auswirkungen würden auch die Molkereien treffen, da ihnen die Lieferanten abhandenkommen. "Und das macht mir große Sorgen für den Milchproduktionsstandort Hessen."

Investition oder Aufgabe?

Es gebe massive Kritik aus den Reihen der Bauern über die zunehmende Verschärfung der Dünge- und Umweltregeln. An diese Regeln sind jedoch die wichtigen EU-Agrarzahlungen gekoppelt. Das Problem sei, dass die Entwicklung gerade die Betriebe treffe, die neue Lagerstätten oder neue Güllebehälter bauen müssten, erklärte Schmal. "Die sagen, wenn das so kommt, wie diskutiert, dann steige ich lieber aus". Vor allem Betriebe, bei denen der Betriebsleiter etwa 55 Jahre alt und die Nachfolge noch nicht geregelt sei, stünden vor einem Dilemma.

In Hessen sei zwar die Förderung für Güllebehälter erhöht worden, "aber das reicht vielfach nicht, denn so eine Investition hat ja nichts mit der Produktion zu tun und bringt keinen Cent mehr Ertrag", mahnte Schmal. Die Milchpreise, die im Moment erzielt würden, reichten bei weitem nicht aus. Der Bauernverband sei mit den Ministerien auf Bundes- und Landesebene für eine Verbesserung der Lage für die Bauern im Gespräch. Die Bauernfamilien müssten von ihrer Arbeit leben können.

Hessische Molkereien "machen guten Job"

Neben den großen überregional tätigen Molkereien wie Hochwald, FrieslandCampina und Deutsches Milchkontor sieht Schmal die hessischen Molkereien ordentlich aufgestellt: "Die machen einen guten Job." Neben der Schwälbchen-Molkerei in Bad Schwalbach sind Betriebe wie die Marburger Molkerei, die Privatmolkerei Hüttenthal aus Mossautal im Odenwald oder die auf Bioprodukte spezialisierte Upländer Bauernmolkerei aus Willingen mit regionalen Produkten am Markt vertreten.

Hessens größte Molkerei Schwälbchen hat nach glänzenden Geschäftszahlen im Vorjahr für 2019 einen Gewinnrückgang in den Büchern stehen. Unternehmenschef Günter Berz-List geht nach vorläufigen Berechnungen von einem Überschuss von 2,7 Millionen bis 2,8 Millionen Euro aus. Im Jahr zuvor war noch ein Gewinn nach Steuern von mehr als drei Millionen Euro erzielt worden.

"Der Rückenwind aus dem Jahrhundertsommer hat uns gefehlt. Das ist ärgerlich, aber erschüttert uns nicht", erklärte Berz-List. In der Summe sei das Unternehmen im Markt gut aufgestellt. "2020 wollen wir die Rückgänge im Molkereigeschäft wieder aufholen", gibt sich der Vorstand zuversichtlich.