Leerer Bahnhof Wilhelmshöhe

Die Lokführergewerkschaft GDL legt große Teile des Zugverkehrs auch in Hessen lahm. Bei Pendlern war Geduld gefragt, viele waren aber offenbar vorbereitet. Die Bahn geht nun gerichtlich gegen den Streik vor.

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hessenschau vom 02.09.2021
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Der bundesweite Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bei der Deutschen Bahn hat am Donnerstagvormittag für zahlreiche Zugausfälle und -verspätungen in Hessen gesorgt. Der Ausstand im Personenverkehr hatte wie von der GDL geplant um 2 Uhr begonnen.

Am Hauptbahnhof Frankfurt war die Lage am Morgen zunächst ruhig, weil sich offensichtlich viele Fahrgäste über den Ausstand informiert hatten. Die Bahn empfiehlt, Reisen zu verschieben. Alle gebuchten Fernverkehrstickets für die Zeit des Streiks sollen ihre Gültigkeit behalten. Bei Sparangeboten wird die Zugbindung aufgehoben.

Auch S-Bahnen betroffen

Für den Fernverkehr gibt es laut einer Pressemitteilung ein "stabiles Grundangebot von rund einem Viertel". Für den Regionalverkehr bestehe das Ziel, am Donnerstag und in den kommenden Tagen rund 40 Prozent des regulären Angebots zu fahren.

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Bahnstreik
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Viele Linien von und nach Frankfurt fahren nur alle ein bis zwei Stunden. Auch die S-Bahnen im Rhein-Main-Gebiet fahren nur stündlich, die S7 und die S9 fallen aus. Verbindungen der Regionalbahnen RB48, RE60 und RB67 entfallen ebenfalls komplett.

Der NVV rechnet mit Ausfällen auf den Linien RE2, RB4, RE17, RE30, RB38 und RB39 von und nach Kassel sowie RB97 zwischen Brilon und Marburg. Die Deutsche Bahn hat eine Übersicht veröffentlicht. Nicht bestreikt werden Konkurrenten der Deutschen Bahn. Allerdings sind auch bei ihnen Einschränkungen in Folge der Streiks möglich.

Bahn bietet 36 Monate und Corona-Prämie

Schon seit Mittwochnachmittag bestreikt die Gewerkschaft den Güterverkehr. Trotz eines neuen Angebots der Bahn nahm die GDL in der Nacht den Arbeitskampf wie geplant auch im Personenverkehr wieder auf. Es ist das dritte Mal binnen weniger Wochen, dass hunderttausende Pendler und Bahnreisende von den Arbeitsniederlegungen getroffen werden.

Der Streik soll nach dem Willen der GDL bis Dienstagnacht dauern. Die Lokführergewerkschaft kämpft um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder. Die Gewerkschaft will ihren Forderungen nach insgesamt 3,2 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 28 Monaten sowie einer Corona-Prämie von 600 Euro in der laufenden Tarifrunde Nachdruck verleihen. Die Deutsche Bahn hatte ursprünglich eine deutlich längere Laufzeit von rund 40 Monaten angestrebt. Mit einem neuen Angebot stellte sie 36 Monate in Aussicht sowie eine Corona-Prämie von bis zu 600 Euro. Die GDL will indes bei der Laufzeit nicht über 28 Monate hinausgehen.

GDL lehnt weitere Verhandlungen ab

Die Gewerkschaft lehnte am Donnerstag weitere Verhandlungen mit der Bahn zunächst ab, solange diese ihre Tarifangebote auf das Zugpersonal beschränkt. "Wir sind bereit zu verhandeln, aber Bedingungen sollte niemand stellen", sagte GDL-Chef Claus Weselsky. Die Gewerkschaft habe tausende neue Mitglieder auch in anderen Bahn-Berufen wie in der Verwaltung. Diese hätten ein Recht auf einen Tarifvertrag, das ihnen die Bahn im aktuellen Angebot verweigere.

Auf die Frage, ob der angekündigte fünftägige Streik durchgezogen werde, sagte Weselsky, die Gewerkschaft sei grundsätzlich zu weiteren Verhandlungen bereit - sobald es Ergebnisse gebe, könne der Streik beendet werden.

Deutsche Bahn zieht vor Gericht

Unterdessen geht die Deutsche Bahn juristisch gegen den Streik vor. Der Konzern hat vor dem Arbeitsgericht Frankfurt einen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen den Arbeitskampf eingelegt, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. "Das Streikrecht ist ein hohes Gut. Allerdings sind Streiks nur dann zulässig, wenn sie sich im Rahmen des geltenden Rechts bewegen. Das ist nach unserer Auffassung bei den Streiks der GDL nicht der Fall", sagte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler laut Mitteilung.

Er erklärte: "Wir haben jetzt das dritte verbesserte Angebot vorgelegt - ohne dass die GDL ernsthaft mit uns in Verhandlungen eingetreten wäre." Auch den Vorschlag, mit Hilfe eines Schlichters oder Moderators nach einer Lösung zu suchen, habe die Gewerkschaft abgelehnt.

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