ARCHIV - 18.12.2018, Hessen, Wiesbaden: Autos fahren die Schiersteiner-Straße entlang.

Ob Großbaustellen auf den Autobahnen oder ein Milliardenprojekt der Deutschen Bahn - im kommenden Jahr wird in Hessen kräftig in den Ausbau von Straßen und Schiene investiert. Dabei soll der Nahverkehr nicht nur schneller, sondern auch klimafreundlicher und digitaler werden.

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Frankfurts U-Bahnen sollen intelligenter werden

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Wegen der Corona-Pandemie sind die Busse und Bahnen nach wie vor nur zu zwei Dritteln gefüllt. Auch im Berufsverkehr auf den Straßen ging es im Jahr 2021 entspannter zu. Dennoch wird derzeit kräftig investiert - etwa in neue Zugstrecken, emissionsärmere Fahrzeuge oder digitale Ampeln. Und auch eine im September begonnene Unterschriftensammlung für eine Verkehrswende in Hessen läuft im nächsten Jahr weiter. Ein Blick auf wichtige Vorhaben des Jahres 2022:

Feste Stationen für E-Scooter

Sie stehen oder liegen kreuz und quer auf Bürgersteigen oder landen im Gebüsch: E-Scooter sind zwar praktisch, sorgen aber auch für viel Ärger. Zum Beispiel, wenn sie achtlos abgestellt werden. Bisher gilt das sogenannte Free-Floating-Prinzip, bei dem man ausgeliehene Scooter irgendwo innerhalb eines vorgegebenen Gebiets stehen lassen kann.

Frankfurt will nun durchgreifen und ab dem Frühjahr in der Innenstadt feste Stationen ausweisen. Die Wirkung dieser Neuregelung werden Kassel, Wiesbaden, Darmstadt und Rüsselsheim sicherlich aufmerksam verfolgen - denn auch dort sind die E-Scooter bereits im Einsatz.

Fernbahntunnel rückt näher

Der Tunnel in Frankfurt ist das mit Abstand größte Bauvorhaben der Deutschen Bahn in Hessen. Er soll aus dem Osten und Westen auf den Frankfurter Hauptbahnhof zulaufen, wo zusätzliche unterirdische Bahnsteige entstehen.

2022 ist zwar noch kein Spatenstich für das Milliarden-Projekt in Sicht, aber es ist das Jahr, in dem die Planungsleistungen vergeben werden. Im Frühjahr beginnt nach Angaben der Bahn zudem die Kommunikation mit Bürgern, Verbänden und Politikern zu den Details des Projekts.

Auch an anderen Stellen treibt das Unternehmen den Streckenausbau voran, weiter gehen unter anderem die Planungen für die Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim.

Volksbegehren für klimafreundliche Verkehrswende

Mehrere Verbände wollen die Verkehrswende voranbringen und sammeln seit Anfang September Unterschriften für ein Volksbegehren. 45.000 sollen zusammenkommen. Das Ziel: Der Anteil umweltfreundlicher Verkehrsarten wie öffentlicher Nahverkehr, Fuß- und Radverkehr soll von etwa 45 auf mindestens 65 Prozent steigen.

Ende August 2022 müssen die Unterschriften beim Landeswahlleiter eingereicht werden. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir das schaffen", sagt Robert Wöhler, einer der Vertrauensleute. Anschließend könnte mit einer weiteren Unterschriftenkampagne das eigentliche Volksbegehren beginnen, bei dessen Erfolg sich der Landtag mit dem Gesetzentwurf beschäftigen müsste.

Großbaustellen auf vier Autobahnen

Autofahrer müssen sich auch im neuen Jahr auf viele Baustellen einstellen. Zu ihren größten Vorhaben zählt die Autobahn GmbH in Hessen eine Fahrbahnerneuerung auf der A3 zwischen Idstein und Limburg-Süd (in Fahrtrichtung Köln). Gebaut werden sollen auch neue Verbindungsrampen am Autobahndreieck Rüsselsheim (A 60).

Außerdem plant die Autobahn GmbH Arbeiten an der Unterführung Äppelallee in Wiesbaden (A 643), eine grundhafte Erneuerung der A66 zwischen Gelnhausen und Bad Orb sowie Bauarbeiten an der A45 im Bereich des Hanauer Kreuzes. Auch die Sanierung von Landes- und Bundesstraßen sowie der Radwegebau sollen 2022 kräftig vorangetrieben werden, kündigte das Verkehrsministerium in Wiesbaden an.

Bustickets fürs Smartphone

Per App sollen die Hessinnen und Hessen bald einfacher und günstiger an Tickets für den öffentlichen Nahverkehr kommen. Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) hat ein neues Handyticket mit dem Namen "Flex 50" angekündigt. Für fünf Euro monatlich sinkt der Preis einer Einzelfahrkarte um die Hälfte. Hinzu kommt die App "Fairtiq", die die gefahrene Strecke via GPS-Ortung misst und den Bestpreis berechnet.

Auch der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) bietet Prepaid-Rabatt-Guthaben über seine App, für die ab dem Frühjahr eine Neuauflage als "RMVgo" angekündigt ist. Auch On-Demand-Angebote und Leihräder sollen damit gebucht werden können.

Intelligente Verkehrssteuerung in Wiesbaden und Frankfurt

Digitaler wird der Verkehr auch, um den Schadstoffausstoß zu verringern. Im November hat die Landeshauptstadt Wiesbaden ihre neue Verkehrssteuerung mittels intelligenter Ampeln offiziell in Betrieb genommen.

Ab Ende 2022 folgt ein Schienenprojekt in Frankfurt: Testweise sollen die ersten U-Bahnen mit einer digitalen Zugsicherung unterwegs sein, die Fahrer sind dann noch zur Überwachung an Bord. Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) hat angekündigt, ihr mehr als 200 Millionen Euro teures Vorhaben werde einen dichteren Takt ermöglichen.

Erste Wasserstoff-Züge im Taunus

Für Ende des Jahres ist auch der Start eines 500-Millionen-Euro-Vorhabens des RMV geplant: Im Taunus will das Verkehrsunternehmen 27 Brennstoffzellen-Züge einsetzen, die mit Wasserstoff fahren. Auf Strecken ohne Oberleitungen sollen die Fahrzeuge Diesel-Loks ersetzen und stoßen im Gegensatz zu diesen keine klimaschädlichen Substanzen wie CO2, Stickoxide oder Feinstaub aus.

Reiner Wasserstoff muss mit hohem Energieaufwand aus Verbindungen wie Wasser oder Methan gelöst werden. Die Taunus-Züge sollen Wasserstoff aus dem Industriepark Frankfurt-Höchst tanken, wo er als Abfallprodukt anfällt.

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