Besucher auf der Internationalen Automobilausstellung IAA

Frankfurt hat nach Jahrzehnten die IAA verloren und wird die kommende Autoschau 2021 nicht ausrichten. Stadt und Landesregierung reagierten nach einer Vorauswahl des Verbandes der Automobilindustrie enttäuscht.

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Frankfurt gehört nicht zum engeren Kreis der Städte, die die Internationale Automobilausstellung 2021 ausrichten könnten - anders als zunächst von Medien wie der FAZ berichtet. Der Frankfurter Wirtschaftsdezernent, Markus Frank (CDU), sagte dem hr am Mittwoch, dass die Stadt nicht mehr im Rennen sei. "Wir sind enttäuscht." Man habe alles gegeben, was eine Stadt geben könne - auch mit Unterstützung der Landesregierung.

In der engeren Auswahl sind nun Berlin, Hamburg und München, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) am späten Nachmittag mitteilte. Neben Frankfurt sind damit auch Köln, Hannover und Stuttgart aus dem Rennen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wirtschaftsdezernent: "Wir haben alles gegeben"

Stadtrat Markus Frank
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VDA: Entscheidung nicht leicht gefallen

Auch die Ideen und Konzepte der Stadt Frankfurt seien sehr eindrucksvoll gewesen, erklärte der VDA. Die Entscheidung gegen Frankfurt sei nach fast 70 Jahren nicht leicht gefallen. "Doch nach Auswertung aller relevanten Kriterien wird die IAA 2021 nicht mehr am Messestandort Frankfurt am Main stattfinden."

Die IAA fand seit Jahrzehnten in Frankfurt statt, zuletzt hatte es aber Proteste und Kritik an der Form gegeben. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) war zur IAA im September 2019 nicht für ein Grußwort vorgesehen. Kurz zuvor hatte er eine autokritische Rede veröffentlicht, die er dort ursprünglich halten wollte. Zur IAA 2019 kamen nur noch 560.000 Besucher. Der Vertrag mit der Stadt Frankfurt lief im vergangenen Jahr aus.

Auch der hessische Verkehrs- und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) bedauerte das IAA-Aus. "Das ist schade für Frankfurt, Rhein-Main und Hessen", sagte er. Aber offensichtlich wolle der VDA eine völlig neue IAA und denke, damit müsse man auch den Standort verändern. "Offensichtlich kam man gegen diese Grundstimmung beim VDA nicht an."

Landesregierung und OB Feldmann in der Kritik

Die mit den Grünen regierende CDU im Landtag machte Oberbürgermeister Feldmann für die IAA-Schlappe verantwortlich. Dieser habe mit seiner überzogenen und deplatzierten Kritik die größte und bedeutendste Messe aus der Stadt Frankfurt vertrieben, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion, Heiko Kasseckert. "Damit hat er dem Ansehen der Stadt, der hiesigen Wirtschaft und auch der Messegesellschaft, deren Aufsichtsratsvorsitzender er ist, massiv geschadet."

Aus Sicht der FDP im Landtag gehörten beide, Landesregierung und Frankfurts OB Feldmann, nicht zu den Kämpfern für den Standort. "Sie haben versagt", teilte Fraktionschef René Rock mit.

Die AfD im Landtag nannte die Entscheidung für Hessen und die Stadt Frankfurt ein Desaster und eine historische Zäsur. Die AfD-Fraktion forderte Feldmanns Rücktritt als OB und als Messe-Aufsichtsratschef.

Messekonzept soll überarbeitet werden

Der VDA hatte wegen sinkender Aussteller- und Besucherzahlen schon vor der IAA im vergangenen Jahr angekündigt, das Messekonzept grundlegend zu überarbeiten und dann auch zu entscheiden, wo die Veranstaltung künftig stattfinden soll.

In Zukunft soll bei der Schau nicht mehr die Ausstellung von Auto-Modellen in Messehallen im Mittelpunkt stehen. Stattdessen sollen mehr Veranstaltungen zu Mobilität in der Innenstadt angeboten werden, um mehr Publikum zu erreichen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 29.01.2020, 19.30 Uhr