Der Airbus mit der Flugnummer LH773 steht am Terminal in Frankfurt. Es war die vorerst letzte Landung eines A380 von der Lufthansa.

Auf dem Frankfurter Flughafen ist letztmals für vermutlich lange Zeit eine Linienmaschine vom Typ A380 der Lufthansa gelandet. Ob das größte Passagierflugzeug der Welt nach der Corona-Krise überhaupt noch einmal im Kranich-Gewand abhebt, ist fraglich.

Der vorerst letzte Lufthansa-Linienflug mit dem Großraumflugzeug A380 ist am Sonntag in Frankfurt gelandet. Die aus Bangkok gestartete Maschine setzte nach einem gut elfstündigen Flug um 6.14 Uhr am Frankfurter Flughafen auf, wie ein Lufthansa-Sprecher bestätigte. An Bord der Maschine mit 509 Plätzen waren 459 Passagiere und 24 Crew-Mitglieder, die in Zeiten des Corona-Virus dringend auf ihren Heimflug gewartet hatten.

Corona-Krise beschleunigt den Abschied vom A380

Wegen der weltweit zusammengebrochenen Nachfrage in der Corona-Krise parkt das Unternehmen seine komplette Flotte mit 14 Flugzeugen dieses Typs auf unbestimmte Zeit an den Drehkreuzen Frankfurt und München. Der im Konzern längst eingeleitete Abschied vom größten Passagierflugzeug der Welt könnte sich in der Krise damit noch beschleunigen.

Die Lufthansa hatte auf den ambitionierten Euro-Flieger große Hoffnungen gesetzt und zur Inbetriebnahme im Frühsommer 2010 kräftig die Werbemaschine angeworfen. Zu Teststarts und Landungen in Rheinmünster bei Karlsruhe und Leipzig strömten jeweils tausende Schaulustige. Ihren ersten Langstreckenflug mit Passagieren absolvierte die "Frankfurt am Main" nach Südafrika, um die Fußballnationalmannschaft zur Weltmeisterschaft zu bringen. Der erste Linienflug ging dann am 11. Juni 2010 nach Tokio.

Piloten und Passagiere lieben den das Flugzeug

Piloten wie Passagiere lieben den Riesenvogel bis heute. So sagt beispielsweise der Lufthansa-Kapitän Uwe Harter: "Es ist wirklich faszinierend, wie agil sich ein A380 fliegen lässt. Im Vergleich zu älteren Airbus-Modellen haben die Ingenieure noch einmal einen enormen technologischen Sprung geschafft." Vielflieger Torsten Gründer lobt hingegen den Komfort: "Ruhe, Platz, Raum - von allem hat er ein bisschen mehr." Der IT-Spezialist bedauert den schleichenden Abschied des Flaggschiffs "außerordentlich", denn kein anderer Jet habe so ruhig in der Luft gelegen wie der A380.

Die Crew des Flugs LH773 steht nach der Landung in Frankfurt vor dem Airbus A380.

Die Probleme des vierstrahligen A380 zeigten sich schnell im kommerziellen Betrieb. 509 Sitze in der Lufthansa-Konfiguration oder sogar mehr als 800 Plätze in durchgehender Economy-Bestuhlung sind in jedem Flugplan eine nur schwer zu füllende Kapazität. Dahinter steckte die Airbus-Idee, die großen Interkontinental-Maschinen an einem Drehkreuz mit etlichen Zubringerflügen zu füttern. Konkurrent Boeing hatte sich von vornherein gegenüber diesem Konzept skeptisch gezeigt und keinen Nachfolger des eigenen Jumbos 747 mehr geplant.

Neue Flugzeugtypen machen A380 überflüssig

Neue Langstreckenflugzeuge mit kerosin-genügsameren Doppel-Triebwerken machten schließlich sogenannte Punkt-zu-Punkt-Verkehre attraktiver. Die Passagiere nutzen gerne neue Direktverbindungen statt mehrmals über Drehkreuze umzusteigen. Airbus konnte für sein größtes Flugzeug nur 251 Bestellungen einsammeln, von denen aktuell bereits 242 ausgeliefert sind. Hauptkunde war die arabische Fluggesellschaft Emirates, die 115 Maschinen betreibt. Im Februar 2019 wurde schließlich die Einstellung der Produktion verkündet. Für Singapore Airlines rechneten sich die Riesenflieger so schlecht, dass bereits zwei Maschinen abgewrackt wurden, um wenigstens die Komponenten zu Geld zu machen.

"Der A380 war noch nie das profitabelste Fluggerät. Das haben alle Betreiber gemerkt", sagt Luftverkehrsexperte Gerald Wissel von der Beratungsfirma Airborne. Es werde zwar auch nach der Krise noch Strecken geben, auf denen sich ein Einsatz eines solch großen Flugzeuges rechnet. "Aber es werden sicher weniger A380 wieder in die Luft gehen als vor Corona."

Lässt Lufthansa den A380 noch mal abheben?

Bereits vor der Krise hatte Lufthansa mit dem Hersteller Airbus vereinbart, dass dieser zu einem ungenannten Preis ab 2022 sechs der 14 Maschinen zurücknimmt. Neu bestellt wurden im gleichen Zug 40 zweistrahlige und kleinere Langstrecken-Jets der Typen Boeing 787-9 und Airbus A350-900. Der Boeing Dreamliner wird erstmals im Lufthansa-Konzern eingesetzt.

Wann und ob überhaupt die A380 mit dem Kranich noch einmal auf große Tour gehen, ist laut Lufthansa nicht konkret absehbar. Experte Wissel rechnet mit einem nur geringen Nachholbedarf an Flugreisen, der einzig auf die Geschäftsreisenden begründet sei. Privatreisende könnten verpasste Urlaube nicht beliebig nachholen und könnten zudem noch länger vorsichtiger agieren als in Vorkrisenzeiten. Auch die vielen ausgefallenen Messen und Kongresse weltweit würden schließlich nicht nachgeholt. Je länger die Krise anhalte, desto eher finde einfach die nächste Ausgabe statt.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 29.03.2020, 19.30 Uhr