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Dramatische Lage im Frankfurter Stadtwald

Der aktuelle Waldzustandsbericht von der Zukunft des Frankfurter Stadtwalds zeichnet ein düsteres Bild. Sollten die kommenden Sommer ebenso trocken ausfallen wie zuletzt, könnte einer der größten innerstädtischen Forste Deutschlands in seiner jetzigen Form Geschichte sein.

Es sind alles andere als zurückhaltende Worte, die Rosemarie Heilig (Grüne) wählt, um den Zustand des Frankfurter Stadtwalds zu beschreiben. "Dramatisch", sei die Lage, sagt die Umweltdezernentin der Stadt Frankfurt:

"Wir sind in einer ganz schwierigen Krise. Wenn die Trockenheit und die Hitzeperioden so weitergehen und kein Regen fällt, dann sieht es ganz schlecht aus für unseren Stadtwald."

Fast alle Bäume krank

Schon heute ist kaum ein Baum in dem rund 5.800 Hektar großen Forst - davon liegen rund 3.900 Hektar auf Frankfurter Stadtgebiet - noch gesund. Bereits die trockenen Sommer von 2018 bis 2020 hatten den Bäumen zugesetzt. 2021 fiel etwas mehr Regen, doch nicht genug, um wesentlich zur Regeneration des Bestandes beizutragen. Als dann im laufenden Jahr der Sommer fast ohne Regen blieb, sind zahlreiche Bäume schlicht und ergreifend verdurstet.

Und auch um die Bäume, die bislang überlebt haben, steht es alles andere als gut. Knapp 98 Prozent des Bestands sind krank. Auf gut Deutsch: Im Stadtwald ist kaum noch ein Baum gesund, geschweige denn stark.

Umweltdezernentin Heilig ist überzeugt, dass insbesondere Gehölze aus dem älteren Bestand dem Klimawandel nicht gewachsen sind. "So wie Sie und ich den Stadtwald kennen, wird es ihn nicht mehr geben. Die alten Bäume werden absterben, und wir werden einen Wald erleben, der keine großen und starken Bäume mehr hat, sondern einen Wald der dann - hoffentlich - wenigstens Jungwuchs hat."

Mehr Unfälle durch fallende Äste erwartet

Im größten städtischen Naherholungsgebiet wachsen in erste Linie Eichen, Buchen und Kiefern. Die drei Baumarten kommen unterschiedlich gut mit Dürreperioden zurecht. Ist der Wassermangel aber so stark wie im vergangenen Sommer, leiden alle. In der Folge schalten die Bäume in eine Art Notbetrieb, bei dem nicht mehr alle Teile des Organismus mit Wasser versorgt werden.

Das kann allerdings auch für Menschen zur Gefahr werden. Vor knapp zwei Wochen war eine Spaziergängerin im Wald unweit des Stadtteils Oberrad von einem herabstürzenden Ast so stark verletzt worden, dass sie an den Folgen verstarb. Je höher der Anteil kranker Bäume im Forst, umso wahrscheinlicher werden solche Unfälle.

Investitionsprogramm soll Abhilfe schaffen

Im großen Maßstab Wege zu sperren oder zurückzubauen sei allerdings keine Lösung, betont Heike Appell, Leiterin des Frankfurter Grünflächenamts. "Das ist ein Naherholungswald, und die Frankfurterinnen wollen auch in den Wald. Deshalb können wir hier nicht irgendwelche größeren Bereiche zurückbauen."

Setzt sich die Trockenheit fort, wird der Schaden im Stadtwald bald unübersehbar - sobald der Baumbestand ganzer Flächen abstirbt. Um dies zu verhindern oder zumindest einzuschränken, will Umweltdezernentin Heilig demnächst ein Investitionsprogramm auflegen, das mit bis zu 2,5 Millionen Euro pro Jahr ausgestattet sein könnte. Den Stadtwald einfach aufzugeben, betont Heilig, komme jedenfalls nicht in Frage.

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