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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Beschäftigte des öffentlichen Dienst streiken in Kassel und Offenbach

Menschenkette vor dem Klinikum Kassel

Am Kasseler Klinikum haben im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes rund 500 Beschäftigte vorübergehend die Arbeit niedergelegt. Erstmals wurden ganze Stationen zum Großteil lahmgelegt. Auch in Offenbach legten viele ihre Arbeit nieder.

Rassel statt Blutdruckmesser, Verdi-Cape statt Pflegekluft. Rund 500 Beschäftigte des Kasseler Klinikums haben am Mittwoch nach Gewerkschaftsangaben ihre Arbeit niedergelegt. Nach einer Kundgebung am Morgen im nahe gelegenen Nordstadtpark bildeten sie eine Menschenkette um das Klinikum - mit Corona-Abstand, ermöglicht durch ein Band. Erstmals wurden auch einzelne Stationen im Klinikum bestreikt. Anlass sind die laufenden Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst.

Ein Hauptthema vieler Beschäftigter: Die Diskrepanz zwischen dem Jubel für sie während der ersten Corona-Welle und den ihrer Meinung nach ungenügenden Angeboten der Arbeitgeberseite. "Wir brauchen Wertschätzung nicht nur in Coronazeiten, sondern vor allem jetzt, wenn es um etwas Konkretes geht", sagte Elke Kaufmann, die seit 35 Jahren als Krankenschwester im Klinikum arbeitet.

"Es passiert nichts, um die Ausbildung attraktiver zu machen"

Eine Auszubildende berichtet, dass sie sogar überlege, nach der Ausbildung den Beruf zu wechseln: "Für mich sind die Verhandlungen wichtig, weil ich mir manchmal die Frage stelle, ob ich weiter in dem Beruf arbeiten will", sagte Celine Lessart dem hr. "Die Politik ändert nichts. Überall wird über zu wenig Personal gesprochen, doch es passiert nichts, um die Ausbildung attraktiver zu machen", erklärte Lessart. Dass nun so wenig Bewegung von der Arbeitgeberseite komme, drückt für sie fehlende Wertschätzung aus.

Der Bezirksgeschäftsführer von Verdi Nordhessen, Axel Gerland, zeigte sich gegenüber dem hr zufrieden mit dem Streik: "Die Motivation bei den Beschäftigten ist sehr hoch und die Resonanz riesig. Es hätten sogar gerne noch mehr die Arbeit niedergelegt." Das sei aber nicht möglich, weil die Notbesetzung für wichtige Fälle gewährleistet werde.

Eine entsprechende Notdienstvereinbarung hatte die Gewerkschaft mit der Arbeitgeberseite vorab getroffen. "Selbst wenn etwas Größeres passiert, kann so darauf reagiert werden."

300 Beteiligte bei Warnstreik in Offenbach

In Offenbach beteiligten sich am Mittwoch laut Verdi rund 300 Arbeitnehmer. Dort seien Mitarbeiter aus der städtischen Verwaltung, Kindertagesstätten und dem Jugendamt in einen Warnstreik getreten, sie hätten sich vor dem Kreishaus Dietzenbach getroffen.

Gewerkschaft fordert 4,8 Prozent mehr

Die Gewerkschaft fordert vor allem eine Angleichung an andere Berufsgruppen aus dem öffentlichen Dienst, beispielsweise bei den bezahlten Pausenzeiten in Wechselschichten. Für Azubis und Studierende soll der Lohn mindestens um 100 Euro steigen, für die anderen Beschäftigten fordert die Gewerkschaft Verdi 4,8 Prozent mehr - mindestens aber 150 Euro pro Person. Damit will die Gewerkschaft erreichen, dass auch untere Lohngruppen von der Erhöhung merklich profitieren.

Die Gewerkschaft will auch am Donnerstag weiterstreiken - nicht nur in Kassel, wo planbare Operationen verschoben werden sollen. Es wurden außerdem die Beschäftigten aus den Kommunen und der Kreisverwaltung des Hochtaunus-Kreises, dem Wetteraukreis, dem Main-Kinzig Kreis sowie den Stadtwerken Bad Nauheim zum Warnstreik aufgerufen, wie eine Verdi-Sprecherin ankündigte. Eine Kundgebung soll vor dem Rathaus in Bad Vilbel stattfinden.

Unklar, wie Verhandlungen wegen Corona weitergehen

Die zwei ersten Verhandlungsrunden waren ohne Ergebnis geblieben. Von den Arbeitgebern kam bisher noch kein Angebot. Das wollen sie bis zum 16. Oktober vorlegen. Für den 22. und 23. Oktober ist dann die Fortsetzung der Verhandlungen in Potsdam geplant. Angesichts der Corona-Beschränkungen ist derzeit aber offen, wie und ob diese stattfinden sollen. Derzeit können Frankfurter und andere Gäste aus Corona-Hotspots nicht in Brandenburg übernachten.

Sendung: hr-iNFO, 14.10.2020, 9.00 Uhr