Streikende mit Transparenten vor dem Flughafen
Streikende vor dem Terminal 1 am Frankfurter Flughafen Bild © picture-alliance/dpa

Am ersten Tag der Streikwelle im Öffentlichen Dienst sind am Frankfurter Flughafen rund 660 Starts und Landungen ausgefallen. Über 70.000 Passagiere waren betroffen. In Kassel standen Busse und Bahnen still. Auch an Kitas, Kliniken und in Schwimmbädern wurde gestreikt.

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Der Warnstreik der Gewerkschaft Verdi im Öffentlichen Dienst hat am Dienstag vor allem den Frankfurter Flughafen getroffen. Insgesamt seien von 1.441 geplanten Flügen 659 Verbindungen ausgefallen, sagte ein Flughafensprecher am Abend zu hessenschau.de, 74.400 Passagiere seien betroffen gewesen. Allein die Lufthansa strich in Frankfurt und an den ebenfalls bestreikten Airports in München, Köln und Bremen zusammen über 800 Verbindungen.

Die betroffenen Passagiere wurden vorab über Umbuchungen oder andere Reisemöglichkeiten informiert. In den Terminals seien relativ wenige Fluggäste gestrandet, teilte Fraport mit. Annulliert worden seien vor allem Deutschland- und Kontinentalverbindungen. Viele Airlines planten, Interkontinentalflüge nach Streikende am Abend nachzuholen. Zu streikbedingtem Flugbetrieb über das ab 23 Uhr geltende Nachtflugverbot hinaus werde es aber nicht kommen, sagte der Sprecher.

Reisende müssen Umwege nehmen

Lange Warteschlangen bildeten sich wegen des Warnstreiks am Morgen nicht. Reisende standen allerdings ratlos vor den Anzeigetafeln. Die Lufthansa richtete einen Schalter für Umbuchungen ein. Fluggäste, die beispielsweise nach Mallorca wollten, mussten einen Umweg über Zürich in Kauf nehmen.

Verdi hatte dazu aufgerufen, die Arbeit von 5 Uhr morgens bis abends um 18 Uhr niederzulegen. Die Gewerkschaft rechnete mit bis zu 2.000 Streikenden. Darunter waren laut Fraport Beschäftigte der Flugzeugabfertigung. Auch Teile der Flughafen-Feuerwehr stellten die Arbeit ein, was bedeutete, dass die gesamte Nordwest-Landebahn für mehrere Stunden nicht benutzt werden konnte. Große Einschränkungen waren auch wegen streikender Sicherheitsleute erwartet worden.

Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske
Der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske steigt am Dienstag aus einem Flughafenschlepper. Bild © picture-alliance/dpa

Der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske war vor Ort. Er bekräftigte seine Forderungen nach deutlicheren Steigerungen der Entgelte im Öffentlichen Dienst. "Wann, wenn nicht jetzt, kann es deutliche Sprünge nach oben für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geben, auch für die im Öffentlichen Dienst. Und wir sind entschlossen das durchzusetzen", sagte Bsirske mit Hinweis auf die gute wirtschaftliche Lage in Deutschland.

Warnstreiks lähmt Kassel teilweise

In Kassel haben die Warnstreiks am Dienstag Teile des öffentlichen Lebens zum Erliegen gebracht. Busse und Bahnen in der Stadt standen still. Es habe aber keine Behinderungen im Autoverkehr aufgrund des höheren Pkw-Aufkommens gegeben, sagte ein Sprecher der Polizei. An den Taxiständen herrschte reger Betrieb. Die Fahrgäste - 150.000 sind es pro Tag - hatten sich offenbar auf die Arbeitsniederlegungen eingestellt. Überörtliche Busse und Bahnen fuhren.

Wegen der Warnstreiks blieben auch Servicestellen von Versorgungsunternehmen, Schwimmbäder und Recyclinghöfe geschlossen. Bestreikt wurden zudem Kitas, Pflegeheime und Krankenhäuser. In den betroffenen Kliniken war laut Betreiber die Notfallversorgung gewährleistet, aber das Programm planbarer Operationen wurde eingeschränkt.

22 Kitas der Stadt blieben geschlossen, in 13 gab es einen Notdienst. In der Verwaltung habe man den Betrieb in allen Bereichen mit Einschränkungen aufrechterhalten können, sagte ein Stadtsprecher.

Am Vormittag zogen die Beschäftigten von verschiedenen Punkten in Kassel zum Königsplatz. Dort fand eine Kundgebung statt. Laut Polizei nahmen 2.500 Menschen an den Demonstrationen teil.

Aktionen bis Freitag

Mit den Warnstreiks wollen Verdi und der Deutsche Beamtenbund (dbb) vor der wahrscheinlich entscheidenden Tarifrunde für die Beschäftigten von Bund und Kommunen am 15. und 16. April in Potsdam ihren Druck erhöhen. Verdi fordert für die rund 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten des Öffentlichen Dienstes bei Bund und Kommunen sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens aber 200 Euro pro Monat.

Die Ausstände an den Flughäfen sollen auf Dienstag beschränkt bleiben. Die Gewerkschaften wollen aber hessenweit ihre Aktionen in der gesamten Woche fortsetzen. Am Mittwoch folgt der öffentliche Nahverkehr in Wiesbaden sowie das öffentliche Gesundheitswesen in West- und Südhessen, am Donnerstag trifft es den Öffentlichen Dienst in Mittelhessen mit Kitas, Verwaltungen und kommunalen Krankenhäusern. Am Freitag ist dann der öffentliche Dienst in Frankfurt sowie mehreren Landkreisen dran.