Getränkedosen - Sujet

Die Getränkedose boomt und wird wieder milliardenfach verkauft. Dabei weiß jeder, dass Dosen die Umwelt vermüllen und wertvolle Ressourcen verbrauchen. Im Apfelweinland Hessen ist Äppler in Dosen besonders beliebt. Wie kommt es zum Comeback der Dose?

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Getränkedosen sind praktisch und kompakt, passen gut in den Kühlschrank, lassen sich gut transportieren, sehen häufig hübsch aus - und machen unheimlich viel Müll. Aus diesem Grund sollte ihr Gebrauch schon vor Jahren reduziert werden, das Dosenpfand wurde 2003 eingeführt. "Das Pfand dämmt die Einwegflut ein, die mit zunehmender Wucht ökologisch vorteilhafte Mehrwegsysteme vom Markt drängt", lautete der Plan des damaligen Bundesumweltministers Jürgen Trittin (Grüne).

Das hat so nicht funktioniert. Im Jahr der Einführung sank die Zahl der verkauften Dosen zwar drastisch von 7,5 Milliarden auf 300 Millionen. Mittlerweile sind es aber wieder mehr als drei Milliarden, im Jahr 2020 werden es voraussichtlich schon über vier Milliarden sein.

Äppler in Dosen läuft prächtig

Dass die Zahlen so deutlich steigen, liegt in Hessen auch daran, dass sich Apfelwein in der Dose glänzend verkauft. Benedikt Kuhn von dem Unternehmen "Bembel with Care"aus Reichelsheim im Odenwald hat schon 2007 auf die Dose gesetzt. Während im Jahr 2016 noch rund acht Millionen Dosen abgefüllt wurden, waren es 2018 bereits 14,2 Millionen. Auf die Äppler-Dosen wird nicht einmal Pfand erhoben, denn weinhaltige Getränke wie Apfelwein sind in Deutschland vom Pfandsystem ausgenommen.

Sie landen direkt im Müll, oder noch schlimmer: in der Natur. "Wenn die Getränkedose nicht ordnungsgemäß entsorgt und einfach in die Natur geworfen wird, dauert es Jahre bis sie verrostet", erklärt Umweltexperte Jürgen Stellpflug. Der Kunststoff aus der Beschichtung bleibt gar ein paar hundert Jahre in der Natur.

Produzent spricht sich für Pfand aus

Selbst Apfelwein-Produzent Kuhn wundert sich darüber, dass auf Äpplerdosen kein Pfand erhoben wird. Ihm ist unklar, warum es solche Lücken gibt: "Wenn die Umweltministerin sagen würde, wir bepfanden jetzt alles, was in die Dose kommt oder alles, was im Tetrapack oder anderen Einweggebinden verkauft wird, dann wäre das durchaus sinnvoll."

Aber stimmt das tatsächlich? Gerade der Erfolg der Pfandautomaten in Supermärkten und Discountern könnte dafür gesorgt haben, dass die Dose wieder salonfähig geworden ist. Möglicherweise hat das Dosenpfand somit den Boom sogar befeuert.

Bequeme Rückgabe durch Pfandautomaten

Dabei spielt auch der Bierkonsum eine wichtige Rolle, denn Aldi & Co setzen bei Bier mittlerweile konsequent auf die Dose. Seit die Dosen bequem am Pfandautomaten zurückgegeben werden können, explodieren die Zahlen beim Discounter.

Ein Aldi-Sprecher bestätigt das: "Die Akzeptanz von Bier in Dosen ist durch das Angebot von bekannten überregionalen Biermarken in Dosen insgesamt gestiegen. So konnten wir unser Sortiment in diesem Bereich breiter und vielfältiger aufstellen."

"Umweltmäßig eine Riesensauerei"

Für die Industrie ist das auch aus Gründen des Umweltschutzes eine gute Sache. Sie wirbt bei Dosen mit Pfand mit einer Recyclingquote von rund 98 Prozent. Ist der Dosen-Boom also kein Problem? Umweltexperte Stellflug gibt zu bedenken: "Zu was werden die Dosen denn recycled? Aus einer Getränkedose wird keine Getränkedose mehr." Weil die Getränkedosen mit einer ganzen Menge Stoffe verunreinigt sind, wird aus dem Aluminium oft minderwertigeres Alu.

Trotz der hohen Recyclingquote, müsse deshalb immer wieder neues Material und vor allem neues Aluminium für die Getränkedosen verwendet werden, erklärt Stellpflug: "Die Aluminiumgewinnung verschlingt unheimlich viel Energie und ist umweltmäßig eine Riesensauerei.“ Trotz Recycling ist das Comeback der Dose also wegen der Herstellung und Entsorgung eine schlechte Nachricht.

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Seit dem 1. Januar 2003 gilt in Deutschland das Einwegpfand, besser bekannt unter dem Namen Dosenpfand. Für pfandpflichtige Einweg-Verpackungen beträgt das Pfand seitdem 25 Cent. Ziel der Regelung war es, die umweltschädlichen Dosen und Plastikflaschen aus dem Handel zu verdrängen und die Mehrwegquote zu erhöhen. Der Start gelang: Waren es im Jahr 2002 noch 7,5 Milliarden verkaufte Dosen, sackte die Zahl im Jahr 2003 auf lediglich 300 Millionen.

Doch seit einigen Jahren boomen die Verkaufszahlen wieder. Im Jahr 2011 waren es erstmals wieder mehr als eine Milliarde Dosen. 2018 waren das nach der Prognose des "Forum Getränkedose" – der deutschen Division des europäischen Dachverbands "Metal Packaging Europe" (MPE) mehr als drei Milliarden. Im Jahr 2020 soll bereits die Vier-Milliarden-Marke überschritten werden.

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