Europaviertel Frankfurt
Das Frankfurter Europaviertel - noch ohne U-Bahn-Strecke Bild © Aurelis

Die U-Bahn-Linie 5 wird das Europaviertel nicht nur zwei Jahre später als geplant an die Frankfurter Innenstadt anbinden. Der Bau kostet auch sehr viel mehr als gedacht. Für die böse Überraschung gibt es mehr als einen Grund.

30.000 Arbeitsplätze, fast 4.000 Wohnungen: Im Frankfurter Europaviertel ist Großes am Entstehen. Und viele Wohnungen sind längst bezogen. Der dazugehörige U-Bahn-Anschluss dagegen kommt nicht nur später, sondern wird deutlich teurer. Die Mehrkosten dürften 101 Millionen Euro betragen, sagte der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) am Freitag.

Ursprünglich sollte die Verlängerung der Linie U5 durch das Europaviertel mit vier Stationen auf einer Strecke von 2,7 Kilometern 281,4 Millionen Euro kosten. Nun werden Gesamtkosten in Höhe von 373,5 Millionen Euro prognostiziert. Die Kostenexplosion hat laut Stadtverwaltung mehrere Gründe:

  • Durch die allgemeine Preissteigerung sind die Kosten für die Bauleistungen deutlich höher als in den ursprünglichen Berechnungen. 17 Millionen Euro kommen dazu.
  • Die Förderung des Projekts durch Bund und Land fällt mit 156 Millionen Euro niedriger aus als erwartet. Denn am Europagarten ist ein Tunnel geplant, über dem eine riesige Parkanlage entstehen soll. Bund und Land wollen sich aber nicht an den Kosten für diese aufwendige Gestaltung beteiligen. Dadurch entfallen knapp 9 Millionen Euro an Zuschüssen.
  • 10 Millionen Euro zusätzlich werden für die Kampfmittelsondierung fällig. Denn das Gebiet auf dem früheren Gelände des Güterbahnhofs war im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert worden. Und nach Blindgängerfunden und Bombenentschärfungen erteilte der Kampfmittelräumdienst zusätzliche Auflagen.
  • Der Baugrund war schlechter als erwartet: zwei Millionen Euro
  • schadstoffbelasteter Boden und Wasser mussten aufwendiger gereinigt werden: ebensfalls zwei Millionen Euro.
  • Die verspätetete Inbetriebnahme trieb den Preis bei Baunebenkosten wie Projektleitung, Planung, Gutachten und Bauüberwachung um 34,5 Millionen in die Höhe.

Konsequenz: Tunnel werden die Ausnahme

Auch Geländestellen, die in der Vergangenheit schon untersucht wurden, mussten noch einmal überprüft werden. "Das hat uns das ganze Jahr 2018 beschäftigt", sagte Ingo Kühn von der Entwicklungsgesellschaft Stadtbahn Europaviertel (SBEV).

Die Stadt zieht aus diesen Erfahrungen beim Bau der U-Bahnstrecke und einer zeitgleich im Jahr 2006 beschlossenen und bereits 2011 fertiggestellten Straßenbahnverbindung Konsequenzen. "Wir werden künftig, wo es möglich ist, zu oberirdischen Lösungen kommen", sagte Verkehrsdezernent Oesterling. Tunnel soll es nur noch dort geben, wo es unumgänglich ist.

Sendung: hr-iNFO, 25.01.2019, 17:00 Uhr