Spielt selbst gerne den Dudelsack: der Bergsträßer Benjamin Korb

Benjamin Korb möchte eine alteingessene Dudelsack-Werkstatt in Lindenfels übernehmen. Was reizt den 24 Jahre alten Leichtflugzeugbauer daran?

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Junger Mann in altem Handwerk: Odenwälder will Dudelsäcke bauen

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Wann genau er seine Faszination für Dudelsäcke entdeckte, weiß der Bergsträßer Benjamin Korb gar nicht mehr genau. Aber eines ist dem 24-Jährigen noch in Erinnerung: Sein erstes Seminar als Jugendlicher bei dem Dudelsackbauer Jürgen Ross in Lindenfels. Damals lernte er das Instrument kennen und spielen, an dem er schnell "einen Narren fressen" sollte. Was ihm besonders gefiel, war der immer mitklingende Grundton und seine angenehm beruhigende Wirkung.

Das Ziel: den Dudelsack noch besser zu machen

Zu Hause bei sich begann Korb Dudelsäcke nachzubauen - oder wie er es heute sagt, daran "zu basteln". Der Kontakt zu Ross brach die ganze Zeit nicht ab. Und als dieser ihm vor drei Jahren vorschlug, in die Odenwälder Werkstatt einzusteigen und sein Nachfolger zu werden, musste der gelernte Leichtflugzeugbauer nicht lange überlegen. Inzwischen arbeitet Korb in seinem alten Beruf in einer Darmstädter Firma nur noch Teilzeit und widmet sich immer mehr dem Dudelsackbau. Bald wird er den Betrieb ganz übernehmen.

Jürgen Ross ist dabei sein großes Vorbild: "Er ist einer der wenigen Dudelsackbauer, die das schon sehr lange betreiben und er hat sich dadurch einen Ruf erarbeitet." Ross gab vor über 30 Jahren seinen damaligen Beruf in der Verwaltung auf. Sein Ziel: den Dudelsack noch besser zu machen. Alles brachte er sich selbst bei. Dudelsackbauer ist kein Lehrberuf.

Das erste Anspielen ist entscheidend

Das Holz für die Dudelsäcke - von der Elsbeere - kaufen die Lindenfelser Dudelsackbauer im Elsass. Bis es dann tatsächlich so weit verarbeitet ist, dass es zu einem Anblasstück, einem Bordun oder einer Spielpfeife werden kann, vergehen bis zu sieben Jahre.

Auch beim Drechseln und Bohren ist mit größter Sorgfalt vorzugehen: Denn schließlich soll der Dudelsack auch harmonisch mit anderen Instrumenten erklingen. "Der Schlüsselmoment ist bei jedem Dudelsack immer das erste Anspielen. Weil jedes Instrument hält Überraschungen parat", sagt Korb. Auf diese unterschiedlichen Eigenschaften von Leder und Holz dann zu reagieren und nachzubessern, mache ihm besonderen Spaß.

Odenwälder Dudelsäcke für die ganze Welt

Wie viele Dudelsäcke hier in der Lindenfelser Werkstatt schon entstanden sind, weiß sogar der Chef nicht so genau. Manchmal ist es einer pro Woche, manchmal mehr. Manche Modelle gibt es schon ab 500 Euro, manche Maßanfertigungen kosten um die 2.000 Euro. Die Kunden kommen aus der ganzen Welt, aus Russland, den USA, Schottland und aus dem dem Herkunftsland des Dudelsacks: Indien.

Hin und wieder müssen die Instrumente auch gewartet werden, manchmal kommen auch historische Dudelsäcke zur Restaurierungen in die Werkstatt nach Lindenfels. Das Geschäft läuft eigentlich gut - nur gerade jetzt in der Corona-Pandemie sei mit der Absage vieler Mittelaltermärkte die Nachfrage nach Dudelsäcken zurückgegangen. Schwierige Startbedingungen für den jungen Dudelsackbauer Benjamin Korb. Doch der spürt auch Verantwortung: "Wir haben jetzt so viele Instrumente im Umlauf. Es muss einfach weitergehen."

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