Haiger Tempolimit

Haiger im Lahn-Dill-Kreis ist die vielleicht entschleunigtste Kommune in Hessen. Fast im gesamten Stadtgebiet gilt Tempo 30. Die Bürger finden das in Ordnung.

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Haiger Tempolimit
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Auf dem Haigerer Wochenmarkt sind sich die meisten Befragten einig: Tempo 30 auf rund 220 der 250 innerstädtischen Straßenkilometer finden sie in Ordnung. Eine Passantin sagt im Vorbeigehen: "Umweltmäßig ist das doch gut." Und eine andere Dame fügt hinzu: "Es sind Kinder unterwegs, Behinderte und ältere Menschen im Rollstuhl – ich find’s in Ordnung. Und ich halte mich dran!"   

Der Verkehr fließt eigentlich wie gewohnt durch die knapp 20.000 Einwohner zählende Stadt am Rande des Westerwalds. Aber: Wer abseits der wenigen Durchgangsstraßen unterwegs ist, wird sanft abgebremst auf Tempo 30. Haigers Bürgermeister Mario Schramm (parteilos) sagt, dass das Stadtgebiet von Haiger keineswegs ein Unfall-Schwerpunkt war. "Das ist eine vorbeugende Maßnahme. Auf allen Landes-, Bundes- und Kreisstraßen herrscht weiterhin Tempo 50. Aber dort, wo gewohnt wird, wo Kinder auch mal zum Spielen auf die Straßen gehen, wo ältere Menschen mit Rollatoren die Straßen häufiger überqueren wollen, dort ist jetzt Tempo 30."

Anzeigetafeln warnen 

An den Ortseingängen, vor Schulen und vor Kindergärten hat die Stadt im vergangenen halben Jahr 30 elektronische Hinweisschilder montieren lassen, die Autofahrer mit rot blinkendem Licht darauf hinweisen, wenn sie zu schnell unterwegs sind. Außerdem hängen nun 190 neue Tempo-30-Schilder in der Stadt.

Schon zu seinem Amtsantritt als Bürgermeister 2014 habe es Anträge im Stadtparlament gegeben, einzelne Straßen zu Tempo-30-Zonen zu machen, sagt Schramm. "Wir haben damals einen flächendeckenden Plan erstellt und geschaut: Auf wie vielen Straßen bleibt dann die Tempo-50-Regelung bestehen, wenn wir uns einzelne Straßen vornehmen?"

Bürgermeister: keine "Abzock-Kommune"

Weil es auch immer wieder Beschwerden aus der Bevölkerung gegeben habe, dass zu schnell gefahren werde, habe man sich dagegen entschieden, nur für einzelne Straßen Geschwindigkeitsbegrenzungen zu erlassen. Statt dessen habe man sich nahezu das ganze Stadtgebiet mit seinen 107 Quadratkilometern Fläche vorgenommen.

Schramm versichert: Bei der neuen Tempo-30-Regelung handele es sich nicht um Schikane. Haiger sei auch keine "Abzock-Kommune", es lauere nicht hinter jedem Baum ein Blitzer. Vielmehr gehe es um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger, gerade in Hinblick auf Ältere und Kinder.

Bislang keine Beschwerden

Schramm bezieht sich dabei auch auf Aussagen der Polizei, wonach bei außerstädtischen Unfällen meist Autofahrer verunglückten, bei Unfällen im Stadtgebiet sich aber Passanten verletzten: "Dabei macht es durchaus einen Unterschied, ob es zu einem Aufprall mit Tempo 30 oder mit Tempo 50 kommt." Die Verletzungen fielen bei höherem Tempo in der Regel schlimmer aus.   

Beschwerden habe er jedenfalls keine erhalten, sagt der Rathauschef, die Autofahrer hielten sich zum großen Teil an die neue Begrenzung und die Rückmeldungen aus der Bevölkerung seien positiv. "Viele Bürger haben uns gesagt: Endlich setzt ihr das um, was wir uns seit Jahren und Jahrzehnten gewünscht haben." Zu Verkehrsbehinderungen sei es ebenfalls nicht gekommen. Und dadurch, dass die Haupt-Zufahrten nicht betroffen seien, habe es auch keine Reklamationen von Unternehmen gegeben.

Schilderwald gelichtet

Inzwischen hätten sich sogar einige Städte und Kommunen gemeldet, um zu erfahren, wie genau Haiger die Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt habe und was das Ganze kostete. Für Autofahrer gebe es zudem eine Entlastung: "Wir haben zwar 190 Straßenschilder neu aufgestellt, aber 600 alte dafür abmontiert und so den Schilderwald auf Haigers Straßen ein bisschen verkleinert", sagt Bürgermeister Schramm. Und mit einem Lachen fügt er hinzu: "Jetzt haben wir Schilder zu verkaufen."

Sendung: hr-iNFO, 15.10.2019, 7.10 Uhr

Ihre Kommentare Ist flächendeckendes Tempo 30 ein Modell für andere Kommunen in Hessen?

20 Kommentare

  • Ich finde das in Wohngebieten gut, nur bringt das wenig wenn nicht regelmäßig kontrolliert wird, ich wohne in einer 30iger Zone und nicht wenige brettern mit 50 und mehr durch die Straße.

  • das ist m.E.n. bloss Schickane und einfach nur krank!
    Herr "Giftzahn aus Neuberg" hat Recht mit dem was er schreibt.

  • Was soll denn dieser Bericht? In meiner Heimatstadt Florstadt im Wetteraukreis sind alle städtischen Straßen seit fast 20 Jahren auf Tempo 30 beschränkt. In fast jedem Stadtteil gibt es darüber hinaus verkehrsberuhigte Bereiche mit maximal Schrittgeschwindigkeit.

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